Befreiten Blick nach vorne tun

Sonntagsgedanken

Oliver Gengenbach
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Im ablaufenden Jahr ist viel geschehen, was uns schockiert und beunruhigt. Zu denken und zu reden gibt wieder besonders die Gewalt in der Welt. Die Logik von Gewalt und Krieg, von töten, siegen und verlieren, können wir als Christen nicht nachvollziehen.

Jesus vertritt das Friedensreich. Er lehrt uns, dass Gott die Liebe ist. Alles andere ist Lüge, ist Verwirrung durch das Böse. Damit wir in der Verwirrung bestehen, sendet Jesus uns den Helfer, den Heiligen Geist, der uns in der Wahrheit festigt (Johannesevangelium Kapitel 16, Vers 13). Was der Heilige Geist für uns tut und in uns vollbringt, beschreibt der Apostel Paulus im Galaterbrief (Kapitel 5, Verse 16–26).

Auch eine Frucht des Heiligen Geistes ist es, dass wir Weihnachten am Beginn des Kirchenjahrs, vor dem eigentlichen Datumswechsel, feiern. Wir feiern die Wahrheit Christi vor dem zeitlichen Ereignis und zeigen damit, dass uns der Blick des Glaubens auf das Ewige und Unsichtbare wichtiger ist als der Blick auf das Zeitliche. Wir ehren Gott für den immerwährenden geistlichen Neuanfang in der Wahrheit, wir danken ihm für den Anschluss an das Ewige Leben, den er uns durch Christus gewährt.

Vom Alten ins Neue wechseln

Aber der Wechsel des Datums ist selbstverständlich ebenfalls ein wichtiges Ereignis, das unser Lebensgefühl beeinflusst. Er weckt die Hoffnung, Dinge abzuschliessen, um neuen Raum und Raum für Neues zu gewinnen. Die meisten Menschen belebt es, vom Alten ins Neue zu wechseln und einen befreiten Blick nach vorn zu tun, privat und beruflich. Wirtschaftsunternehmen hoffen, in der nächsten Rechnungsperiode besser oder noch besser abzuschneiden und mit Innovation zu glänzen. Unsere Kinder und Jugendlichen schauen ebenfalls nach vorn, entwickeln eine Vision für das, was sie im Leben anpacken möchten. Ich fragte die Schülerinnen und Schüler einer meiner Klassen: «Was wünscht ihr euch zu Weihnachten?» Die Antworten waren vielfältig. «Reithosen!» wünschen sich Mädchen, «Bücher!», ein Musikinstrument oder Zubehör dazu, aber auch «einen Traktor!» – und «den LS17!». Die Jungen wünschen sich «den LS17!», «einen Traktor!», ein Musikinstrument, aber keine Reithosen. Alle Wünsche waren mir verständlich bis auf das geheimnisvolle «LS17».

Der LS17, so erzählten mir die Schüler, sei der Landwirtschaftssimulator, Ausgabe 2017. Faszinierend! Während andere Kinder mit «Shooter Games» (Erschiess-Spielen) am Computer ihr Ego anstacheln, ist hier die Freude am ländlichen Umfeld, am Beruf des Landwirts, am Reiten, am Musizieren, am Lesen im Vordergrund. Diese Kinder sind offensichtlich in ihrer Welt zufrieden, erleben die gegebene Kultur als positiv und identifizieren sich mit ihren Eltern. Ist das nicht wunderbar? Der Zusammenhalt des Guten, die «Kohärenz der Liebe» schafft eine Mut machende Realität inmitten der erschreckenden Weltereignisse. Ein Stück real gewordenen Heiligen Geist.

Oliver Gengenbach