Beerensaison
Bei Appenzellern besonders beliebt: Der Teufner Erdbeer-Drive-in

Ein Thurgauer hatte die Idee, Beeren pflückfrisch an der Strasse zu verkaufen. Besonders gut kommt das in jenen Gebieten an, in denen es keinen Fruchtanbau gibt.

Karin Erni
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Verkäuferin Gianna Passeri und Inhaber Markus Oettli im Verkaufshüsli in der Liebegg.

Verkäuferin Gianna Passeri und Inhaber Markus Oettli im Verkaufshüsli in der Liebegg.

Bild: Karin Erni

Sie fallen auf, die roten Erdbeerhäuschen mit den gelben Tupfen, die man dieser Tage wieder vielerorts am Strassenrand sieht. Besonders gut frequentiert ist jenes auf dem Parkplatz an der Teufenerstrasse in der Liebegg. Fast im Minutentakt halten die Autos, und die Lenkerinnen und Lenker decken sich schnell mit frischen Früchten ein. «Das ist unser bester Standort», verrät Markus Oettli. Der Thurgauer Landwirt hat 2016 mit dieser Art von Direktvermarktung begonnen. Ohne Ahnung sei er gewesen, sagt der 32-Jährige. «Und ich habe viel Lehrgeld bezahlt.» Zeitweise sei ihm das Geschäft mit den Beerenhäuschen ziemlich verleidet, gibt er zu. Doch er habe aus den Fehlern gelernt. Fünf Jahre und zahlreiche Optimierungsmassnahmen später, kann er nun endlich schwarze Zahlen schreiben. 15 Häuschen betreibt Oettli. «Im Moment reicht das, wir wollen nicht weiterwachsen.»

Idealer Job für Studierende

Das Wichtigste für den Erfolg sei der Standort, sagt der Landwirt. Er habe verschiedene Stellen im Raum St.Gallen–Wil ausprobiert. Dabei zeigte sich, dass jene Häuschen an den Einfallstoren zum Appenzellerland besonders gut laufen. «Wahrscheinlich, weil hier Beerenkulturen nicht so verbreitet sind wie im Thurgau», vermutet er. Die Häuschen sind an sechs Tagen pro Woche in Betrieb. Am Montag sind sie geschlossen. Das Verkaufspersonal besteht aus Studierenden und Teilzeitlern. Gearbeitet wird normalerweise in zwei Schichten. Viele Mitarbeitende sind dem Beerenverkauf treu. Gianna Passeri, die seit drei Jahren jeweils in den Semesterferien hier arbeitet, sagt:

«Die Zusammenarbeit mit Markus Oettli ist sehr gut und unkompliziert. Wenn nichts läuft, kann ich auch mal ein Buch lesen.»

Die Atmosphäre beim Verkaufsstand ist ausgesprochen positiv. Die Kundinnen und Kunden bestaunen freudig die frischen Früchte und können sich kaum entscheiden, was sie mitnehmen wollen. Erdbeeren hat es immer im Angebot, dazu kommen je nach Saisonzeitpunkt Himbeeren, Kirschen, Blaubeeren oder kleine Tomaten. «Die feinen Thurgauer Aprikosen sind dieses Jahr leider praktisch alle erfroren», bedauert der Landwirt.

Früchte kommen frisch vom Feld

Das Geschäft mit den Früchten sei sehr aufwendig und kostenintensiv, sagt Markus Oettli. «Wir wollen uns abheben von der Ware der Grossverteiler. Dank der kurzen Wege können unsere Produzenten auf Sorten setzen, die mehr Aroma haben als dir robusteren Transportsorten.» Frische ist in diesem Geschäft höchstes Gebot. Die Früchte werden schnellstmöglich nach der Ernte verkauft. Nach dem Mittag kommt eine zweite Lieferung vom Feld. Damit das klappt, wurde ein Kassensystem angeschafft, das in Echtzeit meldet, was abverkauft wurde. Zusätzlich müsse er das Wetter berücksichtigen, sagt der Landwirt.

«Bei Dauerregen haben die Leute weniger Lust, aus dem Auto auszusteigen.»

Was nicht am gleichen Tag verkauft wurde, kann am nächsten Tag zum halben Preis erstanden werden. «Diese Früchte sind besonders zum Confikochen sehr beliebt», weiss Oettli. «Daran verdienen wir zwar nichts mehr, doch wenigstens haben wir so kaum Foodwaste.»

2012 hat Markus Oettli den elterlichen Betrieb in Amriswil übernommen. Nach dem Agronomiestudium wollte er sich mit den Beerihüsli ein zweites Standbein aufbauen. Den grössten Teil der angebotenen Früchte und Beeren bezieht er bei Produzenten in seiner Nähe, die so einen alternativen Absatzkanal zu den Grossverteilern haben. Der Haupterwerb nebst den Erdbeerhüsli ist für Markus Oettli der Obst- und Ackerbau sowie die Christbaumproduktion.

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