Bediente Fumoirs wären besser

Im November entscheidet sich, ob Fumoirs auch im Kanton St. Gallen bedient werden dürfen. Während man sich bei Gastro Toggenburg noch nicht gross Gedanken dazu macht, würden viele Gastronomiebetriebe die Änderung begrüssen.

Matthias Giger
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Der nicht bediente Raucherraum der Peanuts Sport-Bar wird nur selten genutzt, wohl auch dann, wenn dort bedient werden dürfte. (Bild: Matthias Giger)

Der nicht bediente Raucherraum der Peanuts Sport-Bar wird nur selten genutzt, wohl auch dann, wenn dort bedient werden dürfte. (Bild: Matthias Giger)

TOGGENBURG. Magnus Thalmann, Präsident von Gastro Toggenburg, reagiert leicht genervt auf die Frage, ob denn im Toggenburg Restaurants wegen des Rauchverbots hätten schliessen müssen. Man habe ihm diese Frage bestimmt schon zwanzigmal gestellt, begründet er seine Reaktion. Dann sagt er schnell und emotionslos: «Es ist ganz sicher so, dass Restaurants, die ohnehin schon knapp am Limit wirtschafteten, wegen der Senkung der Promillegrenze und wegen der Einführung des Rauchverbots schliessen mussten. Genau so sicher ist aber, dass keiner dieser Gastwirte das Restaurant wieder eröffnet, nur weil vielleicht im November im Kanton St. Gallen bediente Fumoirs erlaubt werden.»

Er spricht die von der Kantonsregierung auf einen Vorstoss des Kantonsparlaments hin vorgelegte Änderung an. Nach dieser dürften Fumoirs künftig bedient werden. Wenn der Kantonsrat der Änderung zustimmt und sie die Lungenliga nicht mittels Referendum zu Fall bringt. Ob die Lungenliga St. Gallen das Referendum ergreifen wird? «Dazu nehmen wir jetzt noch keine Stellung», sagt Ursula Drechsler von der Lungenliga. Die Vorlage komme ja erst in den Kantonsrat.

Gastro Toggenburg-Präsident Magnus Thalmann sieht der möglichen Verbesserung gelassen entgegen: «Wenn sie kommt, ist das sicher gut, falls nicht, lassen wir es so, wie es ist.» Die Gastronomen hätten sich an die neue Situation gewöhnt, meint Magnus Thalmann. Nach dem Urnenentscheid für den Schutz der Nichtraucherinnen und Nichtraucher haben die Verbandsmitglieder den Gastroverbänden im Kanton viele Vorwürfe gemacht. Es hiess, diese hätten im Abstimmungskampf die falsche Strategie gewählt. Diese Wogen haben sich inzwischen geglättet. Und bei den Gastro-Verbänden scheint man darauf bedacht, dass jetzt nicht wieder alles hochkommt. Für sie sei es verfrüht, sich jetzt schon Gedanken zu machen, «was wäre, wenn», sagt Magnus Thalmann.

Fumoir als lohnende Investition

Simone Walt, die mit ihrer Mutter Susanne Walt das Hotel Hirschen in Wildhaus leitet, beurteilt die Auswirkungen des Rauchverbots etwas anders. «Im oberen Toggenburg haben viele Bars wegen des Rauchverbots schliessen müssen», ist sie überzeugt.

Ob sie das Fumoir im Hotel Hirschen künftig bedienen werden, wenn die Gesetzesänderung zustande kommt? «Ja, selbstverständlich», sagt sie hörbar erstaunt, als wäre sie gerade gefragt worden, ob sie ihren eigenen Vornamen kennt. «Falls das per Gesetz erlaubt wird, bieten wir unseren Gästen diesen Service gerne an. Bis jetzt mussten sie das Getränk an der Bar holen. Das haben viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedauert», führt sie aus.

Es lohne sich auf jeden Fall, ein Fumoir einzurichten, wenn man das dafür nötige Geld aufbringen kann. «Dank des Fumoirs, in das wir 60 000 Franken investiert haben, konnten wir den Umsatz unserer Bar halten und mussten keine Einbussen in Kauf nehmen, obwohl es nicht bedient ist. Wir sind froh, dass wir diese Investition getätigt haben.» Sie werbe auch mit dem Fumoir, erwähne es in der Beschreibung des Angebots. Auch Seminargäste nutzten das Fumoir, beispielsweise um genüsslich eine gute Zigarre zu rauchen, gerade jetzt im Winter.

Dann relativiert Simone Walt. Sie begrüsse es, dass in Speiserestaurants nicht geraucht werden dürfe. Die Kleidung stinke nicht nach Rauch, wenn man auswärts essen war und man könne das Essen ungestört geniessen. Trotzdem würde sie es natürlich freuen, wenn das Verbot gelockert werde und die Raucher im Fumoir auch ein Getränk bestellen können, ohne den Weg zur Bar zu gehen.

Lieber draussen als im Fumoir

Es ist Mittwoch, kurz nach 19.30 Uhr im Peanuts, der Sport-Bar in Wattwil. An der Bar sitzt eine überschaubare Schar von vier Gästen. Die übrigen Tische sind nicht besetzt. Innert einer Stunde kommen weitere fünf, sechs Gäste hinzu. Sie nehmen an der u-förmigen Bar Platz. Andere verlassen die Bar. Wiederum andere gehen vor die Tür, um eine zu rauchen. Dabei gibt es einen Raucherraum, die Treppe hoch. Mit bunt gemusterten Sofas, einem langen Stubentisch und leeren Aschenbechern darauf. Nicht bedient. «Der Raum wird kaum benutzt», sagt Pächter Heiner Gross. Die meisten Raucher gehen vor die Tür, auch jetzt, im Winter. Warum? Heiner Gross überlegt kurz. Dann sagt er: «Wahrscheinlich, weil sie die Gemeinschaft hier an der Bar schätzen.»

Das Rauchverbot ist noch immer Thema unter den Gästen. «Jetzt könnten wir mal tauschen. Alle Nichtraucher vor die Tür!», scherzt ein etwas unterkühlter Raucher, kaum sitzt er wieder auf seinem Hocker an der Bar.

Prinzip Zwang

Äusserungen, wonach vor allem wirtschaftlich angezählte Betriebe betroffen seien, machen Heiner Gross wütend. «Das stimmt einfach nicht, jedenfalls nicht für Bars oder Pubs. Nach dem Rauchverbot hatte ich eine Umsatzeinbusse von über 50 Prozent. Die Nichtraucher, von denen im Wahlkampf alle sprachen, sind nicht gekommen.» Jetzt habe sich der Umsatz eingependelt. Er betrage rund 35 Prozent weniger als vor dem Rauchverbot, wie Heiner Gross betont. Das sei existenzbedrohend. «Man sollte die Lungenliga dazu verdonnern, den Wirten die Umsatzeinbusse zu bezahlen», wettert er. Es bestehe ein Unterschied zwischen einem Speiserestaurant und einer Bar. Ein himmelweiter Unterschied. Bars und Pubs sollten wählen dürfen, ob sie rauchfrei oder Raucherbeizen sein wollen, findet er. Auf Raucher ausgerichtet, würde man sicher mehr einnehmen. Auch dann, wenn nur noch diese kämen.

Wenn bediente Fumoirs erlaubt werden, erhielten die Bars zwar wieder etwas Luft. «Ich habe die Bewilligung und könnte heute noch diesen Bereich mit Glas zu einem Fumoir umfunktionieren», sagt er und deutet auf die Seite mit den Tischen und leeren Stühlen davor. Doch dann würden wohl alle Gäste im bedienten Fumoir sitzen. Die Bar wäre leer.

Wäre Heiner Gross Raucher, würde er sich wohl eine Zigarette anstecken, um wieder runter zu kommen. Doch das ist er nicht.