Bazenheider für ein Jahr

BAZENHEID. Abraham Jimenez aus Costa Rica macht ein Austauschjahr in der Schweiz. Sein Weg führte ihn nach Bazenheid zur Familie Wetter. Vieles ist neu für ihn. Begeistert ist er von der Schweizer Pünktlichkeit und dem öffentlichen Verkehr.

Kristian Filipovic
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Für den Costa Ricaner Abraham Jimenez (Mitte) ist Bazenheid für ein Jahr seine Heimat und die Wetters sind seine Gastfamilie. (Bild: Kristian Filipovic)

Für den Costa Ricaner Abraham Jimenez (Mitte) ist Bazenheid für ein Jahr seine Heimat und die Wetters sind seine Gastfamilie. (Bild: Kristian Filipovic)

BAZENHEID. Costa Rica wird oft als die «Schweiz Zentralamerikas» betitelt. Nicht etwa, weil das Land für seinen Käse oder seine Berge bekannt ist, sondern weil es, ähnlich wie die Schweiz, neutral ist und über einen für lateinamerikanische Verhältnisse hohen Wohlstand verfügt. Der 17jährige Schüler Abraham Moises Dormond Jimenez, wie er mit vollem Namen heisst, war neugierig auf die «richtige» Schweiz und wollte sie kennenlernen. Nicht nur allein die Neugier war der Grund, warum Jimenez im Winter in die Schweiz für ein Austauschjahr kam. Er kannte seine Gastfamilie, die Wetters, schon vor seiner Reise in die Schweiz. Tochter und Gymnasiastin Natascha Wetter, die Spanisch als Schwerpunktfach belegt, erlebte ein Austauschjahr in Costa Rica. Dort ging sie mit Abraham in dieselbe Klasse. Als ihre Familie sie für zwei Wochen besuchen kam, lernten auch sie Abraham kennen. Und so entstand eine interkontinentale Freundschaft. Und aus dieser Freundschaft wurde eine Gastfamilie.

Snowboardtalent

Für die Schweizer Bevölkerung ist der Schnee vor allem an Weihnachten und Neujahr etwas Besonderes. Ansonsten gehört er hierzulande zum Winter einfach dazu. Für Abraham Jimenez jedoch war der Schnee etwas völlig Neues, ein Mysterium, das er unbedingt erforschen wollte. «Er wusste, dass der Schnee kalt sein musste. Trotzdem war er verwundert über seine Kälte, als er ihn das erste Mal in den Händen hielt», sagt Gastvater Gregor Wetter. Abraham Jimenez wusste schon vor seiner Anreise in die Schweiz, dass er hier Snowboard fahren möchte. «Die Snowboardlehrer meinten, er sei ein richtiges Naturtalent dafür», sagt die Gastmutter Claudia Wetter stolz. «Dass er in Costa Rica auf den Wellen surft, war für Abraham beim Erlernen des Snowboard-Fahrens sicherlich von Vorteil», ergänzt Natascha Wetter.

Doch nicht nur vom Schnee hierzulande ist der Costa Ricaner begeistert. «Ich bin erstaunt von der Schweizer Pünktlichkeit und dem öffentlichen Verkehr. Aber auch die Natur hier fasziniert mich. «Sie ist sehr schön», gibt Jimenez preis. Was der Austauschschüler aus seiner Heimat vermisse, sei das Essen und die Offenheit der Menschen. «Hier in der Schweiz sind die Leute, im Gegensatz zu den Costa Ricanern, eher verschlossen», sagt er.

Wertvolle Erfahrung

Im Haus Wetter wird seit der Ankunft von Abraham Jimenez versucht, ausschliesslich Hochdeutsch zu sprechen. Tochter Natascha Wetter, die Spanisch spricht, spielt dabei die Rolle der Dolmetscherin. «Der Google-Translator kommt oft zum Einsatz. Und auch die Kommunikation mit Händen und Füssen ist ein wichtiger Bestandteil der Verständigung», ergänzt Claudia Wetter mit einem Lächeln. Jimenez besucht die Spanischklasse 5b vom Gymnasium Friedberg. Im Spanischunterricht herrschen die umgekehrten Regeln, dort darf der Austauschschüler kein Deutsch sprechen. «Auf Anweisung des Spanischlehrers darf ich dort nur Spanisch sprechen», sagt Jimenez.

Mit dem Austauschjahr sei für ihn der Traum von einer grösseren Reise in Erfüllung gegangen, so Abraham Jimenez. Auch für Familie Wetter ist es eine abenteuerliche und wertvolle Erfahrung, dass ein Austauschschüler bei ihnen wohnt. «Wir möchten Abraham viel von der Schweiz zeigen. Darum besuchen wir mit ihm Orte, die wir sonst wahrscheinlich nicht bereist hätten», sagt Claudia Wetter. «Weil man ein neues Familienmitglied bei sich hat, fängt man an, sich selbst zu reflektieren. Man muss sich öffnen und über den eigenen Horizont gehen. So lernen wir, dank Abraham, auch viel über uns selbst», äussert sich Gregor Wetter. Natascha Wetter findet es spannend, ihrem Gastbruder die alltäglichen Dinge des Lebens in der Schweiz und in Bazenheid näherzubringen, wie zum Beispiel ihm den Weg zur Schule zu erklären. Sohn Roger Wetter freut sich, dass er mit Jimenez einen Kollegen gefunden hat, der mit ihm Fussball schaut.

Abraham Jimenez lässt sich, auch nachdem er sich ein wenig eingelebt hat, noch von der Schweiz begeistern. «Aus unserem Haus sieht man auf den Säntis. Abraham will unbedingt mal auf diesen Berg. Bei schönem Wetter werden wir ihm diesen Wunsch erfüllen», verrät Gregor Wetter.

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