BAZENHEID: Wenn andere am Grill stehen

Die Micarna gehört zu jenen Betrieben der Region, in denen auch nachts gearbeitet wird. Ein Blick hinter die Kulissen des schweizweit bekannten Fleischverarbeiters zeigt, wo und woran hier zu nächtlicher Stunde gearbeitet wird.

Beat Lanzendorfer
Drucken
Teilen
Die Servelat-Produktion in der Micarna läuft zurzeit auf Hochtouren. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die Servelat-Produktion in der Micarna läuft zurzeit auf Hochtouren. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer@

toggenburgmedien.ch

19.20 Uhr. Das Thermometer zeigt 26 Grad. Beste Voraussetzungen, ein Stück Fleisch auf den Grill zu werfen. Das Fleisch muss warten, der Grill bleibt kalt – heute steht ein Besuch der Micarna auf dem Programm. Das Unternehmen gehört zu jenen in der Region, in denen auch nachts keine Ruhe einkehrt. Zehn Minuten später wartet bereits Roland Pfister, Leiter Unternehmenskommunikation, im Eingangsbereich. Bevor es in die Produktionsräume geht, um den «nachtaktiven Menschen» über die Schulter zu schauen, wird ein Tenüwechsel vollzogen. Diesen muss jeder über sich ergehen lassen, der über die Eingangsschwelle des Fleischverarbeiters tritt. Weisse Hose, blauer Mantel, rotes Hübli, Schuhüberzüge.

Der Ort, an den es am heutigen Abend hingeht, befindet sich zwei Stockwerke tiefer – die Zerlegerei. Als letztes Hindernis wartet die Schmutzschleuse. Hände waschen und desinfizieren gehört zum Pflichtprogramm – auch für Besucher. Anschliessend durch das Drehkreuz, das Ziel ist erreicht. Der Raum, in dem während des Tages rund 150 Mitarbeiter die Schweinehälften zerlegen, die via Förderband von der nördlich gelegenen Schlachtbetrieb St. Gallen AG (SBAG) direkt in die Zerlegerei befördert werden, wirkt um diese Zeit verlassen.Zu sehen sind einzig vier Männer in gelben Anzügen, die mit ihren Wasserschläuchen die Gerätschaften und Förderbänder abspritzen. Wasser, Desinfektionsschaum, Wasser – in dieser Reihenfolge und über einen Zeitraum von mehreren Stunden hinweg. Dazu Smiljan Jozic, der den Besucher in der Zerlegerei erwartet: «Die Reinigungsarbeiten beginnen täglich zwischen 17 und 18 Uhr und dauern bis nach Mitternacht. Der Teamleiter der Nachtschicht steht einer Gruppe von 20 Personen vor, ­deren Arbeitsbeginn zwischen 15 und 18 Uhr ist.»

Die Arbeit dauert bis Mitternacht

«Wir sind ein gut eingespieltes Team, die meisten sind seit Jahren dabei und haben sich an die etwas anderen Arbeitszeiten gewöhnt», erklärt der 41-Jährige. Und weiter: «Ich bin für die Nachtschicht verantwortlich, Kurt Eggenberger übernimmt diese Funktion während des Tages.» In der täglichen Besprechung, der sogenannten Schichtübergabe, werden allfällige Pendenzen besprochen. Häufig ist an dieser Sitzung auch Gökhan Altinkeser, Leiter Facility Management in Bazenheid, ihr direkter Vorgesetzter, zugegen. Dass in der Micarna die Hygiene an oberster Stelle steht, wird im hauseigenen Restaurant ersichtlich, das in der Pause aufgesucht wird. Der linke und rechte Teil, farblich gekennzeichnet, ist den Mitarbeitern der Produktion vorbehalten. Die Mitte gehört dem administrativen Personal. «Dies hat den Vorteil, dass die Kleider nicht immer gewechselt werden müssen, wenn die Produktionsräume verlassen werden», erklärt Roland Pfister.

Die Nachtstunden sind aber nicht nur dazu da, Reinigungsarbeiten durchzuführen. In Räumlichkeiten neben der Zerlegerei produzieren in dieser Nacht mehrere Frauen Servelas, die anschliessend im Räucherofen ihren Geschmack erhalten. Bei den oben erwähnten Temperaturen dürfte die Nachfrage aktuell hoch sein. Kurz vor 22 Uhr endet der Besuch in der Micarna.

Für ein Stück Fleisch auf dem Grill ist es jetzt zu spät. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Diese Aussage können die Arbeiter der Nachtschicht zwar bestätigen, den Grill können sie aber frühestens am Wochenende anfeuern. Für sie beginnt morgen zwischen 15 und 18 Uhr die nächste Schicht.

www.micarna.ch