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BAZENHEID: Vom Hausbesetzer zum Polizisten

Am 25. Januar wird Mathias Kuhn 65 Jahre alt. Sechs Tage später wird er nach 40 Jahren und vier Monaten im Polizeidienst in den dritten Lebensabschnitt übertreten.
Beat Lanzendorfer
Mathias Kuhn wird am 31. Januar zum letzten Mal dienstlich ein Polizeiauto nutzen. (Bilder: Beat Lanzendorfer)

Mathias Kuhn wird am 31. Januar zum letzten Mal dienstlich ein Polizeiauto nutzen. (Bilder: Beat Lanzendorfer)

Es gibt Ereignisse in einem Berufsleben, die bleiben einem nach Jahrzehnten noch in Erinnerung. Bei Mathias Kuhn ist es jenes vom 8. September 1985: «Ich war Teil des Sicherheitskorps beim Besuch von Papst Johannes Paul II im Fürstentum Liechtenstein.» Der Polizeiausweis, der ihm vor bald 33 Jahren ausgehändigt worden ist, enthält die Textzeilen: «Der Inhaber dieses Ausweises ist Angehöriger der Kantonspolizei St.Gallen und steht am 8. September 1985 anlässlich des Papstbesuches im Dienste des Sicherheitskorps des Fürstentums Liechtenstein.»

Drei Jahre in Genf verbracht

Einzelheiten dazu sind in einem Ordner abgelegt, von denen der zukünftige Pensionär deren zwei angelegt hat. Darin sind alle wichtigen Ereignisse zu finden, mit denen er in seinem Berufsleben konfrontiert war. Es beginnt aber nicht 1977 – in jenem Jahr trat Mathias Kuhn der St.Galler Polizeischule bei – sondern fängt an, als er bei der Zollikofer AG, der früheren Herausgeberin des «St. Galler Tagblatts», die Lehre als Schriftsetzer begann.

Mathias Kuhn ist am Gübsensee in St. Gallen-Winkeln aufgewachsen. Zwischen der Sekundarschule und dem Start zur Lehre schaltete er ein Zwischenjahr in Genf ein. Als Ausläufer in einer Bäckerei lernte er schnell Französisch. Die Zeit hinterliess positive Spuren. Nach seiner Lehre kehrte er in die Calvinstadt zurück und arbeitete beim «Courrier de Geneve» in seinem erlernten Beruf. Als er einen militärischen Wiederholungskurs in der Ostschweiz leistete – die Rekrutenschule absolvierte er als Motorfahrer in Wangen an der Aare – las er in der Zeitung, dass sein Arbeitgeber in Genf beabsichtigt, die Herausgabe der Zeitung einzustellen. Mit einer Streikandrohung und einer Betriebsbesetzung wollten die Angestellten die Schliessung verhindern – ohne Erfolg. Mathias Kuhn, der sich mit den Hausbesetzern solidarisierte, kehrte daraufhin nach zwei Jahren in seine alte Heimat zurück und fand eine Stelle bei der «Ostschweiz». Zwei Jahre arbeitete er noch als Schriftsetzer, dann erfolgte der Übertritt zur Polizei. Nach der einjährigen Ausbildung durchlief er zuerst während dreier Monate verschiedene Abteilungen bei der Kantonspolizei im St. Galler Klosterviertel. Der Abschied aus seiner Heimatstadt ist datiert auf den 1. Februar 1979 – Mathias Kuhn wechselte zum Polizeiposten nach Wil, der in jenen Jahren im alten Schützenhaus am Stadtweier untergebracht war. «Wir waren auch für das Bezirksgefängnis in der Altstadt zuständig, das Teil des Gerichtsgebäudes war.» Sieben Jahre blieb er dort. Am 1. Februar 1986 wechselte er auf den Polizeiposten nach Bazenheid. Mathias Kuhn war für die Gemeinden Ganterschwil und Lütisburg zuständig und nahm in Ganterschwil Wohnsitz.

Manchmal sind auch Tränen geflossen

Die damalige Organisation hat sich den Veränderungen angepasst. Die Angehörigen des Polizeipostens betreuen aber nach wie vor die Gemeinden Mosnang, Bütschwil-Ganterschwil, Lütisburg und Kirchberg.

«Mathias Kuhn hat ein hohes Mass an sozialer Kompetenz und war sich nicht zu schade, Betroffenen von Schicksalsschlägen mehr Unterstützung zukommen zu lassen, als dies in seiner Funktion als Polizist erwartet worden wäre», umschreibt sein Vorgesetzter Christoph Widmer die Charakterzüge des baldigen Rentners. «Wenn er es für angebracht hielt, nahm er auch nachts um zehn den Telefonhörer zur Hand und hat nötige Massnahmen eingeleitet – oft in seiner Freizeit.» Mathias Kuhn war es auch, der vor rund 15 Jahren eine Todesfallbroschüre erarbeitet hat, die heute beim gesamten Korps der St.Galler Kantonspolizei Anwendung findet. Während die Sicherheit des Papstes zu den angenehmeren Aufgaben gehörte, musste er sich in den vier Jahrzehnten seiner Polizeiarbeit auch mit schweren Fällen auseinandersetzen. «Belastend waren Situationen, in denen wir Menschen die Todesnachricht eines Angehörigen überbringen mussten. Ich habe mich dabei immer so verhalten, als sei es ein Angehöriger von mir. Dabei sind auch bei mir häufig Tränen geflossen.» Unzählige Briefe, in denen die Wertschätzung zum Ausdruck gebracht wird, bestätigen Mathias Kuhn, dass seine Anteilnahme willkommen war. «Mit meinem Leitsatz ‹gegenseitiger Respekt› bin ich immer gut gefahren.»

Es wird ihm kaum langweilig

Die Frage, ob er gerne in den Ruhestand übertritt, beantwortet er erst nach kurzer Bedenkzeit: «Ich habe immer gerne mit jungen Menschen gearbeitet. Dazu zählt unter anderem die Ausbildung der 50 bis 60 Polizeiaspiranten, aber auch die Arbeit als Kindergarteninstruktor. Irgendwann muss aber Schluss sein.»

Langweilig wird es ihm aber als Vater von drei Kindern, einer Stieftochter und als bald siebenfacher Grossvater nicht. Zudem möchte er mit Lebenspartnerin Theres Schuster wieder vermehrt die Berghütte oberhalb von Libingen nutzen und geniessen, dort zur Alpzeit den Alpsegen rufen und die Umgebung wandernd erkunden. Vermehrt wird er auch als Jäger in einem Revier mit einer Jagdhütte im Schwarzwald anzutreffen sein.

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