BAZENHEID: Nur Holz genügt ihm nicht

Albert Aeschlimann hat in 2000 Arbeitsstunden aus einem Rahmen einer Harley-Davidson ein Kunstwerk geschaffen, das vom 16. bis 19. Februar an der «Swiss-Moto» in der Messe Zürich zu bestaunen ist.

Beat Lanzendorfer
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Albert Aeschlimann hat in seinen «Bardahl Special» Marke Eigenbau rund 2000 Arbeitsstunden gesteckt. (Bilder: Beat Lanzendorfer)

Albert Aeschlimann hat in seinen «Bardahl Special» Marke Eigenbau rund 2000 Arbeitsstunden gesteckt. (Bilder: Beat Lanzendorfer)

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toggenburgmedien.ch

Der 35-jährige Albert Aeschlimann ist beeinflusst vom japanischen Umbaustil, der als detailversessen beschrieben wird. Darüber hinaus muss er besessen gewesen sein, als er das Projekt «Bardahl Special» in Angriff nahm. Als Grundlage diente der Rahmen einer Harley-Davidson aus dem Jahr 1948. Hinzu kamen ein Baker-Getriebe sowie ein Motor der amerikanischen Firma S+S.

Acht Jahre nach Start des Unternehmens und 2000 Arbeitsstunden später gibt es nur einen Ausdruck beim Anblick des Kunstwerkes auf zwei Rädern: Sensationell. Die «Bardahl Special» ist einer alten Rennmaschine im Stil der 40er- und 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts nachempfunden. Das Schmuckstück wiegt rund 250 Kilogramm, hat ein Sechs-Gang-Getriebe mit einem Hubraum von 1600 Kubikmetern. Der Preis: Dazu gibt der Erbauer keine Auskunft. «Sie steht auch gar nicht zum Verkauf», erklärt er bestimmt.

Über tausend Einzelteile selber angefertigt

Das Unglaubliche an der Geschichte: Der Töffbauer ist gelernter Schreiner und hat sich seine Fertigkeiten im Metallbereich selber angeeignet. «Ich habe schon in meiner Kindheit mit vielen Materialien getüftelt. Nur Holz wäre mir eindeutig zu wenig.» Begonnen hat es mit der Restaurierung alter Vespas. Das Experimentieren hat Früchte getragen. Mehr als tausend Einzelteile der «Bardahl Special» sind Marke «Eigenbau». Das beginnt bei den Schrauben, die Albert Aeschlimann selber gedreht hat, findet seine Fortsetzung in den Spenglerarbeiten und in der Auspuffanlage und endet beim selber gebogenen Lenker. Trittbretter, Bremshebel, Bremsen und Steuerung gehören genauso dazu. «Beim Öltank habe ich zuerst eine Holzgussform hergestellt, um danach einen Aluminiumöltank zu giessen», erklärt er dem staunenden Betrachter die Details. Die Liebe zum Detail ist auch in der Werkstatt sichtbar: Alle Werkzeuge sind fein säuberlich geputzt, alle dort, wo sie hingehören.

Nach der Frage, wann es zum ersten Mal auf die Strasse geht, huscht ein Lächeln über sein Gesicht. «Ich werde die Maschine sicher einmal auf einem Parkplatz ausprobieren, auf die Strasse gehe ich aber nicht, dafür ist sie auch gar nicht vorgesehen, es wäre fast zu schade.» Trotzdem muss die Öffentlichkeit nicht auf den Anblick des Juwels verzichten. Er hat sich bei der «Swiss-Moto» für die Zusatzmesse «Custom» beworben. In dieser wird alles ausgestellt, was bei Motorrädern mit Fahrzeugumbau in Verbindung gebracht wird. Die «Bardahl Special» von Albert Aeschlimann gehört zu jenen 60 Exponaten, die aus 160 Bewerbungen nominiert worden sind. Die Maschinen werden in mehrere Kategorien unterteilt, darunter zählen etwa das Alter, die Art des Motors oder der Grad des Eigenbaus.

Albert Aeschlimann rechnet sich bei den V2-Motoren «älter als 1985» durchaus Chancen für einen Spitzenplatz aus. Zurück zur Werkstatt: Das Umbaufieber ist noch nicht abgeklungen, mit einer Harley-Davidson FLH 1200 mit Jahrgang 1978 steht das nächste Projekt schon bereit. Der vielseitige Handwerker konnte sich auch beruflich verwirklichen: «Im Exponatebau beim Technorama in Winterthur habe ich meine Erfüllung gefunden, es ist ein Traumjob.»

Swiss-Moto 16. bis 19. Februar Messe Zürich