BAZENHEID: Musikalische Frühlingssonne mit Strahlkraft

Das Kammerensemble Il Piacere mit den Solisten Anne-Maria Bagdasarjanz, Violine, und Michele Croce, Klarinette, lockte zahlreiche Musikfreunde in die Alte Zwirnerei. Programm und Interpreten entfalteten Strahlungskraft.

Peter Küpfer
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Schlussapplaus nach einem gelungenen Konzert: Die gefeierte Anne-Maria Bagdasarjanz (Zweite von links) mit Solistin und Ensemble. (Bild: Peter Küpfer)

Schlussapplaus nach einem gelungenen Konzert: Die gefeierte Anne-Maria Bagdasarjanz (Zweite von links) mit Solistin und Ensemble. (Bild: Peter Küpfer)

Schon das Programm versprach viel Genuss. Es waren zwei Werke aus dem venezianischen Barock angesagt sowie das Klarinettenquintett von Mozart. Die Interpreten waren von ebensolcher Anziehungskraft, zogen sie doch viele Musikbegeisterte in die Mühlau, so dass kurz vor Beginn noch Stühle in den Saal geschafft werden mussten. Das von Anne-Maria Bagdasarjanz gegründete und seither geleitete Kammerensemble Il Piacere wurde seinem Namen einmal mehr gerecht: Es versprühte durch sein seelenvolles Spiel, sein hohes Niveau und seine Musikalität von den ersten Takten an Freude. Die beiden Solisten musste man nicht lange vorstellen. Anne-Maria Bagdasarjanz (Violine, Leitung) und Michele Croce (Klarinette) haben sich beide durch ihr langjähriges Wirken in die Herzen vieler Musikfreunde gespielt: als gefragte Solisten, durch ihr prägendes Mitwirken in Ensembles, dazu auch in ihrem Bemühen um musikalischen Nachwuchs.

Die Eröffnung mit dem ersten Konzert aus Albinonis Kompositionskreis «Sinfonie et concerti a cinque» (op. 2, Nr. 2) beeindruckte durch die hohe Qualität des Miteinander-Spielens aller Beteiligten. Neben Anne-Maria Badasarjanz’ leitender 1. Violine waren das Maria Bischof und Ruth Baltensperger (ebenfalls 1. Violinen), Susanne Falkner und Ursina Faoro-Rupli (2. Violinen), Johannes Pfister (Viola), Marianne Leuenberger-Rascher (Violoncello) und Linus Kempter an einem herrlich klingenden Neupert-Cembalo, Modell Bach.

Es folgte ein erster Programmhöhepunkt, Mozarts Klarinettenquintett. Michele Croce verlieh ihm mit seinem italienischen Temperament und seiner warm-melancholischen, dann wieder ausgelassen jubelnden Klarinette besonders viel Leichtigkeit – mit Tiefgang. Das Wechselspiel zwischen der Klarinette und den Streichinstrumenten war beeindruckend. Zum Beifall trug das präzise Spiel des Streichquartettes viel bei (Anne-Maria Bagdasarjanz, Maria Bischof, Johannes Pfister, Marianne Leuenberger-Rascher).

Eines von Alibinonis berühmtesten Violinkonzerten ist das Violinkonzert in A-Dur für Solovioline und Kammerensemble. Im seelenvollen, bald rasanten, dann wieder lyrisch-verhaltenen Spiel der Solovioline im Dauerdialog mit dem Ensemble erahnte man, warum. Hier werden alle Register des an Ausdrucksformen so reichen Instruments im Wechselspiel mit dem Ensemble ausgelotet. Die Ecksätze des Konzertes enthalten eine Vielzahl rasanter Sechzehntel-Läufe, welche an die Solistin auch technisch höchste Anforderungen stellen. Im melodischen Mittelsatz (Adagio) kam dessen tiefe Melancholie zum Ausdruck. Zeitweise schien die Solistin mit ihrem Instrument verwachsen zu sein. Solistin und Ensemble erreichten Höchstform. Das Konzert schloss mit viel Temperament: dem Allegro assai aus Telemanns Violinkonzert in A-Moll, das noch einmal alle Eigenheiten dieses berührenden Konzerts in sich vereinigte. Den bravourösen Schlusspunkt setzte die Solistin mit ihrer Zugabe: dem bei Violinisten «gefürchteten», unbarmherzig schnellen Presto aus Bachs Violin-Solosonate in D-Moll.

Peter Küpfer

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