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BAZENHEID: Mit einem mulmigen Gefühl

Seit 23 Jahren veranstaltet der Kulturtreff Bräägg Kleinkunst in der «Traube». Dieses Mal hatte der Anlass einem speziellen Hintergrund.
Michael Hug
Kultur statt Wirteskandal: «Die Exfreundinnen» am Freitag auf der Bühne der «Traube» im Bazenheider Bräägg. (Bild: Michael Hug)

Kultur statt Wirteskandal: «Die Exfreundinnen» am Freitag auf der Bühne der «Traube» im Bazenheider Bräägg. (Bild: Michael Hug)

Michael Hug

redaktion@wilerzeitung.ch

«Seit Monaten ist dieser Anlass ausverkauft», sagte Hans Stadler, Präsident des Vereins Kulturtreff Bräägg bei der Begrüssung. Der «Bräägg» geniesst seit 23 Jahren einen guten Ruf für sein ausgesuchtes und stets unterhaltsames Programm. «Da kann man blind Tickets kaufen und es wird immer gut», meinten Stammgäste. So kann der Vorstand für seine vier Anlässe pro Jahr fast immer frühzeitig «ausverkauft» ausrufen. Das Publikum des «Bräägg» ist ein treues, es schätzt die gemütlichen, unterhaltsamen Abende im alten Saal der «Traube». Es setzt dabei auch keine allzu hohen, intellektuell-verkopften Ansprüche. Es soll einfach nur lustig sein. Ein wenig stolz ist man auch, dass hier Schweizer Comedygrössen wie Daniel Ziegler, Simon Enzler oder Claudio Zuccolini auftreten.

Unabhängig vom Restaurant

Diesmal hätte es durchaus anders sein können. Seit mehreren Wochen wird die «Traube» durch die Medien geschleift: Die Wirtin hat ihr nicht genehmen Gästen den Service verweigert. Auch nationale Medien stürzten sich auf den Vorfall im unteren Toggenburg. Und dann auch noch ein Treffen von Mitgliedern einer ­extrem rechten Partei in einem Hinterzimmer der Beiz. «Ist die ‹Traube› ein Rechtsextremen-Nest?» fragte man sich nicht nur in der Ostschweiz. Nicht abwegig die Vermutung, finden doch im Toggenburg ab und zu Treffen und Feste von einschlägig Gesinnten statt. Wie aber würde das Kulturpublikum des «Bräägg» auf den «Skandal» in ihrer «Traube» reagieren? Gar nicht, so die Quintessenz, es ging am Freitag zur Vorstellung der «Exfreundinnen», als ob nichts gewesen wäre. «Ich bin sicher, unsere Leute wollen damit nichts zu tun haben», sagte Karl Stadler, Kassier beim Kulturtreff. Präsident Hans Stadler hakt ein: «Das sind doch zwei ganz verschiedene Dinge: Wir haben hier im ersten Stock den Saal gemietet, der Wirt hat unten das Restaurant gepachtet.» Man sage doch nicht Veranstaltungen ab, nur weil der Nachbar sein Geschäft nach seinem Gutdünken führe. Auch künftig ändere sich deswegen nichts, ergänzt Stadler: «Wir haben eine langfristige Nutzniessungsvereinbarung mit der Erbengemeinschaft der «Traube». Wir haben auch investiert, damit wir hier unsere Abende durchführen können.» Man habe in 23 Jahren schon mehrere Wirte erlebt und sei eigentlich unabhängig vom Restaurant. Was das Wirtepaar mache, sei seine Sache, so wie der Kulturtreff mache und programmiere, was er wolle, sagt Stadler weiter.

26 reservierte Plätze sind leer geblieben

Wie fühlten sich die Künstlerinnen dabei, an einem im Rest der Schweiz zu einem Rechtsextremen-Treff abgestempelten Ort aufzutreten? Päivi Stalder, Regisseurin des Programms «Zum Fressen Gern», sagte: «Wir haben das auch gehört und gelesen. Wir haben es besprochen, auch mit Hans Stadler. Und wir haben den Eindruck bekommen, dass Verein und Restaurant zwei verschiedene Dinge sind. Deshalb haben wir uns entschieden, den Auftritt für den Verein und für das Publikum durchzuziehen.» Ein mulmiges Gefühl hätten sie aber schon gehabt, meinte die Regisseurin. Doch blieben am Freitag 26 reservierte Plätze leer. Wollte da jemand unter keinen Umständen mehr in der «Traube» gesehen werden? «Blödsinn», sagte Präsident Stadler. «Die Plätze sind von einem Sponsor reserviert worden. Aber der Zuständige hat es den Leuten, die hätten kommen dürfen, nicht gesagt.»

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