BAZENHEID: «Einfach mal nichts tun»

Mit dem letzten Schultag am 8. Juli endet auch die 40jährige Lehrerkarriere von Fredy Burkhalter. Der 64-Jährige freut sich auf seine Pensionierung und blickt gleichzeitig auf eine schöne und befriedigende Zeit als Lehrer zurück.

Beat Lanzendorfer
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Als Mensch, der sich gerne im Freien aufhält, hat Fredy Burkhalter bald mehr Zeit für den eigenen Garten. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Als Mensch, der sich gerne im Freien aufhält, hat Fredy Burkhalter bald mehr Zeit für den eigenen Garten. (Bild: Beat Lanzendorfer)

BAZENHEID. Als Gesprächsort hat Fredy Burkhalter den Garten seines Hauses, das er mit seiner Frau Esther bewohnt, ausgesucht. Dort möchte er sich auch nach seiner Pensionierung vermehrt aufhalten. «Am liebsten lesend und bei einem Glas Wein», bemerkt er schmunzelnd. Nebst Fachbüchern haben es ihm zurzeit Krimis angetan. Er freut sich auf die Zeit ohne fixen Stundenplan, in der er sich nebst dem erwähnten Garten auch vermehrt der Wetterkunde widmen möchte. «Gerne würde ich mich auch bei Uni-Vorlesungen weiterbilden und dann sind ja noch unsere zwei Enkelkinder Rosa und Rona.»

Ein Städter auf dem Land

Der künftige Pensionär wuchs im St. Galler Quartier St. Otmar auf und besuchte nach der obligatorischen Schulzeit das Lehrerseminar in Rorschach. «Meine Karriere als Lehrer begann in Muolen mit einem Dreiklassensystem. Ich unterrichtete 30 Schüler der 4. bis 6. Klasse. Der dortige Schulpräsident war in einem Engpass, es herrschte Lehrermangel. Da er meinen Eltern als Bauer jeweils Äpfel verkaufte, kam die Verbindung zustande und ich trat die Stelle an.»

Nach neun Monaten war der Engpass behoben. Vater Staat rief, der junge Fredy Burkhalter absolvierte in Frauenfeld die Rekrutenschule. Anschliessend begann in Zürich das Studium des Sekundarlehrers. Nach dessen Abschluss, nach drei Jahren, wandte er das erworbene Wissen während zwölf Monaten in Schwamendingen an. 1977, mit knapp 25 Jahren, zog es ihn in die Ostschweiz zurück. Er erhielt eine Stelle als Sekundarlehrer in Bazenheid, damals noch im alten Sekundarschulhaus an der Wilerstrasse (heute Kindergarten). Schulbeginn war zu jener Zeit noch im Frühling. In den Ferien davor traten Esther und Fredy vor den Traualtar. Esther, die Schule in Abtwil gab, musste beim dortigen Schulrat ein Gesuch um Weiterbeschäftigung stellen. Es war damals nicht die Regel, dass verheiratete Frauen weiter ihrem erlernten Beruf nachgehen. Später, als die eigenen Kinder kamen, gab sie ihre Anstellung in Abtwil auf und unterrichtete ausländische Kinder zu Hause in deutscher Sprache. Lachend erzählt Fredy Burkhalter: «Wir waren einmal bei Nebel auf der Durchfahrt Richtung oberes Toggenburg. Hier werde ich nie Lehrer, waren meine Gedanken.» Das Leben hatte Anderes im Sinn.

Neues Oberstufenschulhaus

Nach der Eröffnung des neuen Oberstufenschulhauses an der Flurstrasse hiess es von der Wilerstrasse Abschied nehmen. Vier Jahre vorher hatten sich Fredy und Esther Burkhalter mit dem Hausbau an der Hofmattstrasse für einen längerfristigen Verbleib in Bazenheid ausgesprochen.

Mittlerweile sind knapp vier Jahrzehnte daraus geworden. «Wir haben nicht vor, von hier wegzugehen. Das Dorf und die Menschen sind uns ans Herz gewachsen.» Auf die Frage, welche Ereignisse ihm spontan in den Sinn kommen, fallen ihm mehrere ein: «Der Bau eines Schulbiotops im Eichbüel. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten mit Begeisterung, auch in der Freizeit, und waren fast nicht zu bremsen. Das muss Anfang der Achtzigerjahre gewesen sein.» In Erinnerung bleiben auch die Skilager im Bündnerland oder die Schulverlegungen im Appenzellerland. Am Ende des Gesprächs betont Fredy Burkhalter: «Ich war immer sehr gerne Lehrer, nun freue ich mich auf den neuen Lebensabschnitt, in dem ich vorerst einfach mal nichts tun möchte.»

Andere Kontinente entdecken

Allzu lange dürfte dieser Zustand nicht andauern. Burkhalters haben kürzlich E-Bikes gekauft, mit denen es im Sommer Richtung Italien geht. Und weil sie auch noch etwas von der Welt sehen möchten, halten sie es wie bisher: Alle paar Jahre geht es auf grosse Reise. In Asien und Afrika waren sie schon, andere Kontinente sollen folgen.