BAZENHEID: «Diese Welt ist mir zu eng»

In der Alten Zwirnerei Mühlau in Bazenheid brachten Lehrpersonen der Musikschule Toggenburg Ausschnitte aus der Lebensgeschichte Ulrich Bräkers zur Aufführung, für einmal musikalisch. Das bewegte Lebensbild beeindruckte.

Peter Küpfer
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Viele Kräfte vermittelten in einem Gemeinschaftswerk das bewegte Leben des "armen Mannes im Tockenburg". (Bild: Peter Küpfer)

Viele Kräfte vermittelten in einem Gemeinschaftswerk das bewegte Leben des "armen Mannes im Tockenburg". (Bild: Peter Küpfer)

BAZENHEID. Als «Kritzeleien und Hirngeburten» bezeichnete Ulrich Bräker selbst seine schriftstellerischen Versuche. Doch der arme Mann aus dem Toggenburg ist mit seiner bewegten Lebensgeschichte zum eindrücklichen Zeugen seiner Zeit geworden. Die Hauptthemen aus Bräkers autobiographischen Schriften, die von beissender Armut über die ahnungslose Einschreibung in die militärischen Dienste des preussischen Königs bis hin zum gottergebenen Lebensende Bräkers handeln, wurden mit Titeln aus dem eben fertiggestellten Musical aus der Hand von Roman Bislin beschworen. Bislins Bräker-Musical, das er für das Gymnasium Friedberg geschrieben hat, wird dort demnächst zur Aufführung gelangen.

Hochgefühle und Schlachtgetümmel

Bei diesen Titeln überraschten die Lehrpersonen mit ihrem kräftigen, aber auch die leisen Töne meisternden Chor sowie mit dem diskret groovenden Instrumentalensemble, bestehend aus Michele Croce, Klarinette, Maria Geiger, Violine, Hanspeter Schoch, Bassgitarre, und dem Komponisten Roman Bislin am Flügel.

Am 3. November 1761 läuteten in Wattwil die Hochzeitsglocken für Ueli und Salome. Bräker erinnert sich in seiner Biographie allerdings wenig hochgestimmt: «Herr Pfarrer Seelmatter hielt uns einen schönen Sermon und knüpfte uns zusammen. So nahm meine Freyheit ein Ende, und das Zanken gleich den ersten Tag seinen Anfang – und währt noch bis auf den heutigen.» Das Lehrerorchester der Musikschule liess in Erinnerung daran Mendelssohns Hochzeitsmarsch erklingen. Das Arrangement von Michel von Niederhäusern versteckte darin einen Strauss von Liebesliedern des 20. Jahrhunderts, vorgetragen von Teresa Kressig.

Donnernde Paukenschläge und schmetternde Trompeten beschworen die Schlacht bei Lobositz, der sich Bräker dann durch eine gewagte Flucht entzog. Dabei kamen nicht nur die «kriegerischen» Instrumente zum Einsatz, zwei aufreizende Trompeten (Daniel Bietenhader und Michel von Niederhäusern) sowie die bedrohlich anschwellende Kesselpauke (Martin Flüge), sondern auch feinere, verhaltenere: Blockflöten (Annelise Bolt, Michaela Bietenhader, Irma Diethelm, Irene Keller), Violinen (Daniel Treyer, Maria Geiger, Sara Huber, Sarah Bietenhader), die Basso-continuo-Gruppe (Ursula Petith, Katharina Pavoni und Kurt-Pius Koller) sowie das Hackbrett (Daniela Höller) und das Cembalo (Rita Hemmi).

Das barock-toggenburgische Klassikensemble intonierte in diesem Programmteil unter die Haut gehende Kompositionen aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges von Samuel Scheidt (Galliarda battaglia), Johann Christian Schickhardt und Ferdinand Tobias Richter.

Bewegende Lebensgeschichte

Wiederum feine, auch reibende Töne wurden in einem Hackbrettarrangement angeschlagen: Da erklang Heimisches, gespielt von Walter Märki, dann das Salzburger Hackbrett (Daniela Höller) sowie das ungarische Zimbal (Urs Grob). Einen Kontrapunkt zur Perspektive des Geschehens setzte Schauspielerin Seraina Kobelt mit eindrücklich gestalteten Monologen. Seraina Kobelt verlieh der Figur von Bräkers Ehefrau Salome, musikalisch begleitet von Maria Geiger, menschlich-ergreifende Züge.

Das, sowie die beiden Sprecherinnen (Bettina König und Marta Baumgartner), welche das Geschehen packend erläuterten und lebendig zitierten, trug ebenfalls viel zum Gelingen dieses einzigartigen Konzertes bei: dass eine bewegte Lebensgeschichte nicht nur musikalisch erklang, sondern auch bewegend wurde.