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BAZENHEID: Die Stille der Nacht

Nicole De Marianis arbeitet seit 18 Jahren als Hebamme am Kantonsspital Frauenfeld. 1200 Kindern hat sie auf die Welt geholfen.
Beat Lanzendorfer
Fernando und Lena Garcia, hier noch beim Untersuch, sind mittlerweile zum dritten Mal glückliche Eltern geworden. Nach Sohn Joan und Tochter Zoé gab es jetzt erneut ein Mädchen mit Namen Estelle. (Bilder: Beat Lanzendorfer)

Fernando und Lena Garcia, hier noch beim Untersuch, sind mittlerweile zum dritten Mal glückliche Eltern geworden. Nach Sohn Joan und Tochter Zoé gab es jetzt erneut ein Mädchen mit Namen Estelle. (Bilder: Beat Lanzendorfer)

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer@

toggenburgmedien.ch

Den Eingangsbereich durchschreiten, rechts die Treppe hoch (es geht auch mit dem Lift), dann zweimal links, und man steht vor der Geburtenabteilung des Kantonsspitals in Frauenfeld. Ein kurzer Weg, der ganz schön lang sein kein – dazu später mehr.

Als ich vor der Geburtenabteilung stehe und die Klingel betätige, heisst mich kurz darauf die Bazenheiderin Nicole De Marianis willkommen. Sie hat vor 18 Jahren die Ausbildung zur Hebamme absolviert und blieb mit Ausnahme eines kurzen Abstechers dem Frauenfelder Kantonsspital treu. «Ich wollte die Welt entdecken und wechselte ins Triemli nach Zürich. Nach zwölf Monaten war das Heimweh zu gross, ich kehrte zurück», erzählt sie mit einem Schmunzeln. Heute, es ist Samstag, hat die 36-Jährige ihre Schicht um 14.45 Uhr begonnen. Enden wird sie um 23 Uhr, aber das kann man nicht so genau abschätzen. «Wenn ich oder eine meiner Kolleginnen eine Frau schon vor der Geburt intensiv betreut haben, möchte man das Ereignis vollenden, da schaut man nicht, ob die Schicht vorüber ist.» Und weiter: «Es kann sein, dass bei Dienstantritt die Gebärsäle leer sind. Zwei Stunden später sind fünf Frauen hier.» Jeder Dienst sei anders, das mache es ungemein spannend. Heisse Tage mit einem abendlichen Gewitter seien gute Indizien, dass die Nacht hektisch werden könnte. Fünf Gebärsäle, drei Gebär­badewannen, ein Familienzimmer und weitere Räumlichkeiten gehören zur Abteilung. Bei der Wand, an der die vielen Dankeskarten angebracht sind, bleibt fast jeder Besucher stehen – auch ich. Nach der Besichtigung der Abteilung bleibt Zeit für die weitere Unterhaltung. «Es ist immer wieder von Neuem beeindruckend, wenn ein kleines Geschöpf zur Welt kommt. Das erfüllt mich jedes Mal mit Stolz, bei solch einem Ereignis dabei sein zu dürfen», erklärt Nicole De Marianis die Faszination ihres Berufes. Selber dreifache Mutter von Delia (10) sowie den achtjährigen Zwillingen Nevio und Lauro, erwähnt sie das gute Verhältnis im Team. «Bei einer Nachtschicht sind zwei diplomierte Hebammen plus eine Hebamme in Ausbildung vor Ort. Hinzu kommt eine Pflegeassistentin. Sollte es einmal eng werden, dürfen wir jederzeit eine unserer Kolleginnen anrufen. Der Teamgedanke ist super.» Etwa 30 Prozent der Arbeitszeit wendet sie für den administrativen Bereich auf, denn jeder Arbeitsschritt muss nachverfolgbar sein. Dazu gehören etwa das Bestellen der Medikamente und das Studium der Akten.

Die Festtage sind sehr produktiv

Ob es eine Zeit gebe, die besonders intensiv ist? «Die gibt es, neun Monate nach Weihnachten und Neujahr steigt die Geburtenrate spürbar an», meint sie lachend. Ihr Arbeitspensum beträgt 60 Prozent. In ihrer 18-jährigen Zeit als Hebamme hat sie 1200 Kindern auf die Welt geholfen. «Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, wenn alles gut gegangen ist.» An der Nachtarbeit schätzt sie «die Stille der Nacht», in der in der Abteilung häufig eine Kerze brennt, um die besinnliche Stimmung zusätzlich zu betonen. Nach einer Geburt ist für sie die Betreuung noch nicht abgeschlossen. Zwei bis drei Stunden nach der Niederkunft wird die Frau ins Wochenbett verlegt. «Dort besuche ich sie und ihr Neugeborenes und erkundige mich nach ihrem Wohlbefinden.» Ein späteres, privates Telefonat gehört nicht selten auch dazu. «Wenn wir durch ein spezielles Ereignis eine engere Beziehung aufgebaut haben, hat es sich schon ergeben, dass es zu einem privaten Besuch gekommen ist.»

Wenn es nicht mehr in den Gebärsaal reicht

Ob sie sich an eine besondere Geburt erinnern könne? «Vor kurzem schaffte es eine Frau nicht mehr zu uns nach oben. Sie hat ihr Kind auf der Bank vor dem Haupteingang zur Welt gebracht», womit erklärt ist, weshalb der eingangs erwähnte Weg zur Geburtenabteilung manchmal ganz schön lang sein kann.

Wenn sie keinen Dienst leistet, ist Nicole De Marianis gerne sportlich mit dem Bike unterwegs oder geht ins Fitnessstudio. Die Mithilfe auf dem Bauernhof von Lebenspartner Silvan empfindet sie als guten Ausgleich zum Beruf. Beim Abschied müssen solche Gedanken aber vorerst hintenanstehen, denn zurzeit sind vier Frauen auf der Geburtenabteilung, die, so Gott will, mit Hilfe von Nicole De Marianis in den kommenden Stunden Mami werden.

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