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BAZENHEID: Der König war schon da

In den Wirren des Zweiten Weltkrieges gegründet, feiert die Grastrocknungsgenossenschaft ihr 75-Jahr-Jubiläum. König Hakon VII. von Norwegen soll die «Graströchni» 1945 besucht haben.
Beat Lanzendorfer
Im Herbst ein gewohntes Bild über der Grastrocknungsanlage im Bazenheider Bräägg: Wasserdampf, erzeugt durch den Trocknungsprozess, steigt gegen den Himmel auf. (Bilder: Beat Lanzendorfer)

Im Herbst ein gewohntes Bild über der Grastrocknungsanlage im Bazenheider Bräägg: Wasserdampf, erzeugt durch den Trocknungsprozess, steigt gegen den Himmel auf. (Bilder: Beat Lanzendorfer)

Beat Lanzendorfer

beat.lanzendorfer@

toggenburgmedien.ch

Die Geschichte der Grastrocknung reicht bis in die 1920er-Jahre zurück. In Amerika, England und Deutschland wurde erstmals mit koks- oder ölbeheizten Trommeln und Darren Heugras getrocknet. In den 1930er-Jahren wurde sowohl in der Schweiz als auch im Ausland daran gearbeitet, den Trocknungsablauf zu verkürzen. Es entstand die Technik des Trommeltrockners, die heute noch angewendet wird und den Vorteil hat, dass Nährwert, Mineralstoffe und Vitamine mit wenig Verlust konserviert werden können. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (1939 bis 1945) versiegten die Eiweissimporte, was in der Schweiz die Produktion von betriebseigenem Kraftfutter in Schwung brachte. Schweizweit wurden mit der Förderung des Bundes Grastrocknungsgenossenschaften gegründet. Eine davon war diejenige von Bazenheid, dessen Gründung auf den 23. April 1942 zurückgeht. Kurze Zeit später waren bereits Anteilscheine im Wert von 41000 Franken gezeichnet. Nach dem Erwerb von 98 Aren Land in der heutigen Waldegg erfolgte noch im selben Jahr der Bau einer Grastrocknung, die im Herbst ihren Betrieb aufnahm und innert vier Wochen 153 Tonnen Gras zu 28 Tonnen Trockengut verarbeitete.

König Hakon VII. war inkognito zu Besuch

Vom System der Bazenheider Grastrocknung liess sich am 25. Oktober 1945 eine norwegische Delegation überzeugen. Laut Aussagen des im Jahre 2010 verstorbenen Zeitungsverlegers Rolf Kalberer war unter den Delegationsteilnehmern der norwegische König Hakon VII. (1872 bis 1957). Der nebenstehende Zeitungsartikel im Alttoggenburger vom 26. Oktober 1945 weist auf den Besuch des Vortages hin. Gefunden hat den Artikel der pensionierte Lehrer und heutige Dorfarchivar Josef Moser.

23 Jahre nach dem Bau zerstörte ein Grossbrand die Grastrocknungsanlage in der Waldegg. Die Verantwortlichen entschieden sich zum Neubau, allerdings nicht mehr am ursprünglichen Ort. Sie wählten den heutigen Standort ausserhalb des Dorfes kurz nach dem Weiler Bräägg. Wer heute im Herbst von Bütschwil kommend Richtung Bazenheid fährt, sieht häufig Wasserdampf in den Himmel steigen. Ein Zeichen, dass die Grastrocknungsanlage auf Hochtouren läuft. In dieser Jahreszeit praktisch im 24-Stunden-Betrieb. Verantwortlich für den reibungslosen Ablauf ist eine fünfköpfige Crew, der Betriebsleiter Ruedi Fässler vorsteht.

Kontinuität in der Führungsriege

In der 75-jährigen Geschichte der Grastrocknungsgenossenschaft Bazenheid und Umgebung finden sich zehn Namen, die das Präsidium inne hatten. Darunter Gründungspräsident Josef Rüttimann, der das Amt 1943 an Zeitungsverleger Emil Kalberer, Vater des oben erwähnten Rolf, weiterreichte. Emil Kalberer gehörte als Vorstandsmitglied auch dem Verband Schweizer Trocknungsbetriebe an. Vorläufig letzter Präsident der Bazenheider «Graströchni» ist Franz Wick, der 2009 die Nachfolge von Franz Sennhauser antrat. Eine grosse Treue zur Trocknungsanlage bekundeten die bisherigen fünf Betriebsleiter. Alle hielten die Fäden jeweils mindestens zehn Jahre in Händen. Angefangen von Josef Lieberherr (1942 bis 1956), Karl Hinder (1956 bis 1971), Albert Keller (1971 bis 1981), Heinz Huber (1981 bis 1997) geht der Reigen bis zu Ruedi Fässler, der seit zwei Jahrzehnten mit seinem Team die Maschinen am Laufen hält. Fast schon unglaublich mutet die Kontinuität in der Geschäftsführung an. Mit Pius Kopp (1942 bis 1966) sowie Ralf Grämiger (1966 bis 1982) benötigte es in den ersten vier Jahrzehnten des Daseins des Betriebs gerade einmal zwei Geschäftsführer. Mit Margrit Stadler übernahm 1982 erstmals eine Frau. Sie fühlt sich allein unter Männern äusserst wohl. «Mir bereitet die Arbeit auch nach 35 Jahren immer noch sehr viel Spass.» Die «Graströchni» feiert ihren Geburtstag mit einem Jubiläumsabend am 10. November.

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