Bauprojekt gerät unter Druck

WOLFHALDEN. Die Medizinaltechnik-Firma Medicel AG hat Platznöte und will ausbauen. Unterstützt wird sie durch den Gemeinderat Wolfhalden. Hängige Einspracheverfahren könnten das Bauvorhaben aber verhindern. Diskussionen sind im Gange.

Roman Hertler
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Die Bauvisiere stehen in Wolfhalden auf weniger wackligen Beinen als das Bauprojekt der Medicel AG selbst. Einsprachen sind noch hängig. (Bild: rh)

Die Bauvisiere stehen in Wolfhalden auf weniger wackligen Beinen als das Bauprojekt der Medicel AG selbst. Einsprachen sind noch hängig. (Bild: rh)

WOLFHALDEN. Die Emotionen gingen hoch in Wolfhalden, als das Traktandum «Teilzonenplan Luchten» an der öffentlichen Versammlung vom Mittwochabend zur Sprache kam. Im Luchten will es der Gemeinderat vier Gewerbebetrieben ermöglichen, einen vierstöckigen Neubau zu realisieren.

«Firma platzt aus allen Nähten»

Die Firma Medicel AG, die sich auf die Herstellung von Instrumenten für Augenoperationen spezialisiert hat, zog 2007 nach Wolfhalden. Seit zwei Jahren ist das Unternehmen im Besitz einer englischen Investmentgesellschaft. Geschäftsführer ist Emil Hohl, der an der öffentlichen Versammlung das Wort ergriff: «Wir sind ein sehr erfolgreiches Unternehmen und in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Mittlerweile platzen wir aus allen Nähten.» Hohl beklagt Raumnot, was zu logistischen Problemen führe. «Wir müssen expandieren», so der Betriebsleiter. Er will in Wolfhalden bleiben, sagte aber auch, dass man sich einen «Plan B» zurechtlege, falls man im Luchten nicht bauen könne. Die eng mit Medicel zusammenarbeitende Plasticspritzerei AG würde ebenfalls wegziehen, müsste Medicel einen neuen Standort suchen. Die Medicel verfügt über etwas mehr als hundert Arbeitsplätze und bezahlt nach Angaben von Emil Hohl mehrere hunderttausend Franken an Gemeindesteuern. Das möchte der Wolfhäldler Gemeinderat nicht aufs Spiel setzen. Das Vorgehen sei klar gewesen, sagt Gemeindepräsident Max Koch. Zunächst deponierte der Grundbesitzer, ein Landwirt, ein Gesuch zur Umzonung der fraglichen Landwirtschaftszone in eine Gewerbezone (siehe Grafik). Der Kanton bestätigte dann in einer Vorprüfung die Gesetzeskonformität. Da es bei der geplanten Umzonung um eine Fläche von über 3000 Quadratmetern geht, kommt es am 24. November zu einer Volksabstimmung. «Dabei wird nur über die Zonenplanänderung befunden», betont Gemeindepräsident Koch. Ein Baugesuch sei noch nicht eingegangen.

Einsprachen hängig

Indes sind die Absichten der beteiligten Firmen und der Gemeinde augenscheinlich. Die Bauvisiere für den Neubau sind bereits aufgestellt. Gegen das Bauvorhaben seien sechs Einsprachen eingegangen. Diese sind vom Gemeinderat erstinstanzlich allesamt abgelehnt worden. Die öffentlichen Interessen seien höher zu bewerten als Partikularinteressen, verlautete der Gemeinderat. Claudia Wüst, Anwohnerin und Hobby-Imkerin, war die einzige Votantin an der Gemeindeversammlung, die sich vehement gegen das Bauvorhaben aussprach. Sie befürchtet, dass sie ihre Bienenzucht aufgeben müsste, weil der geplante Parkplatz in der Einflugschneise der Honigtierchen liege. Das könne zu Konflikten mit Firmenangestellten führen, wenn sie ihr Auto dort abstellen. Ausserdem wirft Wüst dem Gemeinderat vor, alle Einsprachen kategorisch abgelehnt zu haben, ohne auf die einzelnen Einsprachepunkte einzugehen. Das Verfahren sei eine «Farce» gewesen, und sie werde die Einsprache so oder so an die nächste Instanz, den Regierungsrat, weiterziehen. Damit könnte sie das Bauvorhaben zum Scheitern bringen, selbst wenn sich das Stimmvolk letztlich dafür entscheidet. Denn Medicel steht unter zeitlichem Druck. Mit weiteren Einsprachen beim Baubewilligungsverfahren und dem Weiterziehen der aktuellen Einsprache würde das Projekt entscheidend verzögert.

Gemeinde 2014 im Plus

Wenig zu diskutieren gab am Mittwoch der Voranschlag 2014. Die Gemeinde steht auf einer soliden finanziellen Basis. Trotz einer Steuersenkung um 0,1 auf 4,0 Einheiten budgetiert die Gemeinde einen Ertragsüberschuss von 59 200 Franken bei einem Gesamtaufwand von rund 8,2 Millionen Franken. Investitionen sind vor allem für Gemeindestrassen, im Ressort Wasser und im Rückbau der Schiessanlage geplant. Ausserdem soll im Bereich Bildung die Informatikinfrastruktur der Mittelstufe erneuert werden.

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