Baumwipfelpfad: Businessplan steht

Auf Höhe der Baumwipfel durch den Wald streifen und einmalige An- und Aussichten geniessen: Dies ist das Rezept der Projektgruppe Baumwipfelpfad Neckertal, um die Region wirtschaftlich zu stärken. Am Dienstag präsentierte sie in Mogelsberg ihren Businessplan.

Urs M. Hemm
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MOGELSBERG. Am Dienstagabend präsentierte die Projektgruppe Baumwipfelpfad Neckertal ihren Businessplan für das ambitionierte Vorhaben, das im Steinwäldli ob Mogelsberg entstehen soll. «Wenn wir die ersten mit einem solchen Angebot in der Schweiz sein wollen, müssen wir vorwärts- machen. Der zweite interessiert in der Regel nicht mehr», sagte Projektleiter Werner Ackermann, weswegen die Eröffnung bereits auf Anfang 2016 vorgesehen sei. Während Dölf Fäh, Bereich Administration und Koordination, noch einmal kurz auf das bisherige Geschehen Rückschau hielt, erläuterte Bruno Vogt, verantwortlich für Infrastruktur und Betrieb, das Verkehrskonzept, das den Individualverkehr grösstmöglich vom Dorf fernhalten soll. Die Gesamtkosten des Projekts werden auf 3 Millionen Franken veranschlagt, wovon 1,5 Millionen in Eigenmitteln beizubringen sind. Die andere Hälfte soll durch A-fonds-perdu-Beiträge von Bund und Kanton finanziert werden. Fast hundert Personen verfolgten die Veranstaltung im Saal des Restaurants Löwen in Mogelsberg.

Gute Ausgangslage

Ziel des Projekts Baumwipfelpfad sei es, mit sanftem, naturnahem Tourismus die Wertschöpfung in der Region zu stärken und wichtige Impulse für die Wirtschaft zu geben, sagte Dölf Fäh. «Ähnliche Projekte im nahen Ausland haben gezeigt, welche positiven Auswirkungen diese auf die Region haben.» Nach der Analyse verschiedener möglicher Standorte sei die Wahl auf das Gebiet Steinwäldli gefallen, weil es das grösste Nutzungspotenzial und die beste vorhandene Infrastruktur aufweise, sagte Fäh.

Geplant ist ein Pfad von 460 Metern Länge, führte Fritz Rutz aus, der für die Projektierung verantwortlich ist. Er erläuterte die baulichen Aspekte, wie die Bauelemente des Pfades, die Konstruktion der Stützen sowie das Prinzip der Verankerung derselben. Ausgangs und Endpunkt des Pfades ist das Blockhaus Steinwäldli. In diesem Bereich müssten an Infrastruktur eine Zugangskontrolle, ein Kassenbereich, ein Kiosk sowie WC-Anlagen gebaut werden. «Die Ausgangslage, ein solches Vorhaben in Mogelsberg erfolgreich umzusetzen, ist sehr gut», erläuterte Ulf Zimmermann, Projektberater der Hochschule für Technik Rapperswil, in seiner Präsentation. «Die Fläche, auf welcher der Baumwipfelpfad zu stehen kommen soll, ist im Besitz der Gemeinde, was das Vorgehen erheblich erleichtert. Zudem gehört das Gebiet weder zur Wildschutz- noch zur Naturschutzzone.» Es liege zwar ausserhalb der Bauzone, doch sind die baurechtlichen Abklärungen des Kantons für den Bau des Pfades selbst positiv verlaufen. Auch die Naturschutzorganisationen, die von Anfang an in die Planung eingebunden waren, hätten ihr Wohlwollen signalisiert, so Zimmermann. Der Betrieb ist von April bis Oktober, von Mittwoch bis Sonntag vorgesehen. «Nach Abklärung des Besucherpotenzials und ausgehend von vergleichbaren Angeboten gehen wir von jährlich 30 000 Besuchern aus», sagte Zimmermann. Bei einem Eintrittspreis zwischen 8 und 12 Franken pro Person wären dies jährliche Einnahmen von 180 000 bis 260 000 Franken. «Bei Ausgaben für Personal, Versicherung, Unterhalt und Werbung von 120 000 bis 170 000 Franken pro Jahr wird klar, dass der Baumwipfelpfad kein Renditeobjekt ist», gab er zu bedenken. Würden jedoch die angestrebten 30 000 Besucher erreicht, wäre ein eigenständiger Betrieb möglich. Zu einem späteren Zeitpunkt sei der Ausbau des Angebots, beispielsweise mit einer Erlebnisrutschbahn, möglich.

Verkehr am Dorf vorbei

Werden diese Besucherzahlen erreicht, wäre mit 100 bis 150 Personen pro Tag zu rechnen, die entweder mit dem öffentlichen Verkehr oder dem Privatauto nach Mogelsberg kommen. «Grundlage unserer Überlegungen ist, dass das Dorf so wenig wie möglich vom Verkehr tangiert wird», sagte Bruno Vogt, der das Mobilitätskonzept erläuterte. So soll der bestehende Parkplatz beim Blockhaus nur für Menschen mit Behinderung offen stehen. «Insgesamt sind 120 Parkplätze vorgesehen, wovon 60 befestigt sind», sagte Vogt. Möglich wäre hierfür ein überdachter Parkplatz beim ehemaligen Alters- und Pflegeheim, das sich direkt auf der Achse zwischen Bahnhof und Steinwäldli befindet und somit auf direktem Weg zum Baumwipfelpfad. Ein Ausweichparkplatz wäre bei der alten Deponie, unterhalb der Bahnlinie, denkbar, zeigte Bruno Vogt auf. Der Verkehr würde so hauptsächlich über die Kantonsstrasse und über die Aeschstrasse und so am Dorfkern vorbeigeführt. «Wegen der guten Erschliessung mit der Bahn gehen wir jedoch davon aus, dass viele Besucher mit dem Zug anreisen.»

Nur mit der Bevölkerung

Vreni Wild, Gemeindepräsidentin von Neckertal, sicherte den Projektverantwortlichen die Unterstützung der Politischen Gemeinde zu. «Voraussetzung dafür ist aber ein klares Bekenntnis der Bevölkerung zu diesem Projekt», betonte sie. «Wenn wir diese Region stärken wollen, sind solche Projekte nötig, weil sie überregionale Ausstrahlung haben.» Die Gemeinde selbst verfüge nicht über die Mittel, in dem Masse für das Neckertal zu werben, wie es ein solches Vorhaben bewirken könne. Zudem lege die Gemeinde beim Verkauf der Liegenschaft Aesch darauf Wert, dass das Konzept der potenziellen Käufer nach Möglichkeit ins Konzept des Baumwipfelpfades passe.

In der abschliessenden Diskussion standen vor allem Sorgen wegen des Verkehrsaufkommens im Vordergrund. Zudem wurde bedauert, dass das Blockhaus, welches im Sommer oft für Familien-, Vereins- oder Firmenanlässe benutzt wird, dann nicht mehr zur Verfügung steht. Werner Ackermann appellierte jedoch an die Bevölkerung, genau abzuwägen, denn der Baumwipfelpfad sei für Mogelsberg, vor allem in Verbindung mit dem geplanten Naturpark, eine grosse Chance, die es nicht zu verpassen gelte.

Auf einer Länge von 460 Metern können die Besucher des Baumwipfelpfades verschiedene Baumarten vom Stumpf bis über die Wipfel betrachten. (Bilder: pd)

Auf einer Länge von 460 Metern können die Besucher des Baumwipfelpfades verschiedene Baumarten vom Stumpf bis über die Wipfel betrachten. (Bilder: pd)

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