Bauliche Anpassungen
Wie ein Bushäuschen und eine Mittelinsel vor der Post Herisau für mehr Sicherheit sorgen sollen

Im Oktober beginnen die Bauarbeiten an der Poststrasse vor dem Postgebäude. Damit soll die unübersichtliche Situation vor dem Gebäude endlich Geschichte sein. Die Gemeinde und der Kanton realisieren dazu parallel je ein Bauprojekt.

Ramona Koller
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Heute müssen Fussgängerinnen und Fussgänger den Gehsteig hinter den rückwärts ausparkierenden Fahrzeugen passieren. Künftig parkieren die Fahrzeuge parallel zur Strasse.

Heute müssen Fussgängerinnen und Fussgänger den Gehsteig hinter den rückwärts ausparkierenden Fahrzeugen passieren. Künftig parkieren die Fahrzeuge parallel zur Strasse.

Bild: Archiv

Heute ist die Situation vor dem Postgebäude an der Poststrasse in Herisau für alle Verkehrsteilnehmer herausfordernd. Die vor der Post parkierten Fahrzeuge müssen rückwärts über einen Trottoir auf die Strasse fahren. Fussgänger müssen die Strasse hinter oder vor dem Bus, der in der Strasse hält, passieren und können sich oftmals keinen Überblick über herannahende Autos verschaffen. Velofahrer fahren auf der Strasse – sie sind besonders von den rückwärts auf die Strasse fahrenden Fahrzeugen gefährdet. Auf Youtube findet sich mit dem Suchbegriff «Verkehr vor Post Herisau» ein Video des Istzustands der Gemeinde Herisau.

Gemeinsames Projekt von Gemeinde und Kanton

2019 lancierte die Herisauer Rentnerin Jutta Barth nach einem Beinaheunfall vor der Post eine Petition, welche 156 Personen unterzeichneten. Nun soll dem Bedürfnis nach mehr Sicherheit Sorge getragen werden. Im Oktober starten zwei Bauprojekte vor der Post. Die Poststrasse ist eine Kantonsstrasse und wird deshalb unter der Bauherrschaft des Kantons angepasst. Die Neuorganisation der Parkplätze vor der Post ist ein Gemeindeprojekt.

Urs Kast, stellvertretender Kantonsingenieur und Leiter der Abteilung Strassen- und Brückenbau, zeichnet sich für die Umsetzung der Massnahmen auf der Kantonsstrasse verantwortlich. «Ausschlaggebend ist die Anpassung der Bushaltestelle an das Behindertengleichstellungsgesetz, kurz BehiG », erklärt Kast. Ausserdem soll die Fussgängersicherheit beim Queren der Poststrasse erhöht werden. Zur Anpassung der Bushaltestelle gehört eine 22 Zentimeter hohe Haltekante, welche allen Personen ein autonomes Ein- und Aussteigen ermöglicht. Diese ist aufgrund der Ein- uns Ausfahrten zu den Parkplätzen neben der Post nur direkt vor dem Gebäude realisierbar. Der Bus und das Postauto halten also künftig vor der Post und auf der gegenüberliegenden Strassenseite vor der Etavis Grossenbacher. Kast erklärt:

«Eine sichere Strassenüberquerung beim Fussgängerstreifen ist nur gewährleistet, wenn der stehende Bus nicht überholt wird. Das wird den Verkehrsteilnehmern mit der Mittelinsel beim Fussgängerstreifen und dem Inselkopf am anderen Ende der Haltestelle signalisiert.»

Die Fläche zwischen der Mittelinsel und dem Inselkopf wird sich farblich von der übrigen Strassenfläche abheben. «Diese Fläche darf befahren werden, wenn es die Situation erfordert», so Kast. Dies sei beispielsweise bei der Wegfahrt von der Etavis in Richtung Süden der Fall.

Farbiger Streifen darf befahren werden

Wegen der Mittelinsel muss die Fahrbahn moderat verbreitert werden. Das Trottoir wird deshalb einige Zentimeter Richtung Post beziehungsweise Etavis und Casino verschoben.

Gemeindeingenieur Guido Lüchinger ist für den Neubau des Bushäuschens und einiger Veloparkplätze, die Anpassung der Pflästerung der Plätze neben dem Trottoir sowie die Verschiebung der Parkplätze zuständig. Das Bushäuschen wird in Richtung Dorf vor die Post verschoben. Man habe verschiedene Varianten geprüft und diese habe sich als die beste herausgestellt. «Die Poststrasse bringt einige Herausforderungen mit sich. Neben der begrenzten Möglichkeit, wo man das Trottoir auf 22 Zentimeter erhöhen kann, sind auch die Sichtverhältnisse nicht überall ideal», so Lüchinger. Ein Bushäuschen werde von Fussgängern angelaufen. Diese benötigen eine Möglichkeit, sicher die Strasse zu überqueren – hier in Form eines Fussgängerstreifens gegeben.

Bushäuschen dient auch als Hindernis

Das Bushäuschen soll künftig auch dazu dienen, die ausparkierenden Autos zu leiten. Die Parkplätze vor der Post werden um 90 Grad gedreht und kommen so im rechten Winkel zum Bushäuschen und den gegenüberliegenden Veloparkplätzen zu liegen. Die Fahrzeuge sollen künftig so ausparkieren können, dass sie schlussendlich in einem rechten Winkel auf die Strasse einbiegen können. Dazu muss der Baum zwischen der Post und dem Gemeindehaus weichen. Lüchinger erläutert, dass für die Postkundinnen und -kunden künftig die gleiche Anzahl an Parkplätzen zur Verfügung stehen wird:

Die sechs Parkplätze vor der Post bleiben bestehen und werden neu angeordnet. Drei Parkplätze neben der Post, die weichen müssen, befinden sich aktuell im Besitz der Assekuranz.

Auch die beiden Parkplätze gegenüber von der Post, vor der Etavis Grossenbacher AG, bleiben erhalten – auch wenn sie nicht mehr markiert sein werden. Die Fahrzeuge könnten das Trottoir vor und nach der Bushaltestelle problemlos überqueren. Auf den Parkplätzen darf künftig nur noch 30 Minuten parkiert werden, was die Parkuhren überflüssig macht. «Bereits heute werden die Parkplätze fast ausschliesslich als Kurzzeitparkplätze genutzt. Ausserdem sind die ersten 30 Minuten sowieso gratis. Dies macht die Parkuhren an dieser Stelle überflüssig», so Lüchinger. Künftig muss bei der Ankunft die Parkscheibe gestellt werden.

Verbesserungen für alle Verkehrsteilnehmer

Auch für die Verkehrsbetriebe Herisau ergibt sich mit den Neuerungen eine Verbesserung, wie Beni Geel, Abteilungsleiter Technische Dienste der Gemeinde, erklärt. Zum einen sei es wichtig, dass gerade die gut frequentierte Bushaltestelle vor der Post, die oft auch von älteren Personen genutzt wird, an das BehiG angepasst und somit die Sicherheit für alle verbessert wird. Geel erklärt:

«Es ist ausserdem wichtig für die Verkehrssicherheit, dass die Autos künftig den Regiobus und das Postauto nicht mehr überholen können.»

Er sieht aber auch einen Nachteil in der Verschiebung der Haltestelle und der damit verbundenen Erhöhung des Trottoirs: «Für Anlässe wie das Dorffest bedeutet das eine Einschränkung.» Lüchinger weist darauf hin, dass die Haltestelle bis im Jahr 2023 angepasst werden muss und eine Erhöhung des Trottoirs unumgänglich sei: «Es kann sein, dass sich für diesen einmal im Jahr stattfindenden Anlass ein gewisser Nachteil ergibt. Dafür erfahren viele Verkehrsteilnehmer eine Verbesserung.»

Dies kann auch René Städler von der VCS-Ortsgruppe Herisau bestätigen. Man betrachte die Situation vor der Post heute als gefährlich und unbefriedigend. Im Rahmen der Möglichkeiten seien die geplanten Änderungen ein annehmbarer Kompromiss. Ein Wermutstropfen sei einzig, dass der Baum weichen müsse. «Im Idealfall wäre der Platz vor der Post komplett autofrei. In der Nähe lassen sich aber wahrscheinlich keine Ersatzparkplätze realisieren», erklärt Städler. Dass die Fahrzeuge künftig nicht mehr rückwärts auf die Strasse fahren müssten, betrachte er als eine grosse Erleichterung.

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