Bauherr Sutter gerät unter Druck

Mehrfach wird Innerrhodens Bauherr Stefan Sutter an einer Podiumsdiskussion zur Baukultur aufgefordert, Gestaltungsrichtlinien zu erlassen. Sutter entgegnet, dass man erst Erfahrungen mit dem neuen Baugesetz sammeln wolle.

Roger Fuchs
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Podium zur Baukultur in Appenzell Innerrhoden: Hansueli Rechsteiner, Vorstandsmitglied des Heimatschutzes SG/AI, Paul Knill, Präsident der kantonalen Fachkommission Heimatschutz, Kathrin Hilber, Präsidentin Heimatschutz SG/AI, Innerrhodens Bauherr Stefan Sutter sowie Niklaus Fritsche und Sebastian Fässler, Mitglieder Gruppe «Appenzellisches Baugesetz». (Bild: rf)

Podium zur Baukultur in Appenzell Innerrhoden: Hansueli Rechsteiner, Vorstandsmitglied des Heimatschutzes SG/AI, Paul Knill, Präsident der kantonalen Fachkommission Heimatschutz, Kathrin Hilber, Präsidentin Heimatschutz SG/AI, Innerrhodens Bauherr Stefan Sutter sowie Niklaus Fritsche und Sebastian Fässler, Mitglieder Gruppe «Appenzellisches Baugesetz». (Bild: rf)

APPENZELL. Im Jahr 2012 hat die Landsgemeinde ein neues Baugesetz angenommen mit dem Paradigmenwechsel vom Verunstaltungsverbot hin zum Gestaltungsgebot. Am Mittwoch wurden an einem vom Heimatschutz St. Gallen/Appenzell organisierten Podium die Protagonisten nicht müde, während der ersten halben Stunde primär den guten Start dieses Baugesetzes zu betonen. Richtig in Fahrt kam das von der Heimatschutzpräsidentin Kathrin Hilber geleitete Gespräch, als es um nächste Schritte ging. Niklaus Fritsche und Sebastian Fässler von der Gruppe «Appenzellisches Baugesetz» forderten Bauherr Stefan Sutter auf, Gestaltungsrichtlinien zu erlassen. «Bauwillige brauchen eine Handhabe, an der sie sich orientieren können», so Fritsche. Als konkrete Möglichkeit nannte er Fotodokumentationen. Fässler ergänzte, dass sich eine solche Handhabe auch stets weiterentwickeln müsse.

Bewusst zugewartet

Bauherr Stefan Sutter konterte mit dem Hinweis, dass man mit solchen Gestaltungsrichtlinien bewusst zugewartet habe. Man habe erst der neuen zentralen Baukommission im Inneren Land Zeit geben wollen, sich zu finden. Keinesfalls verschliesse sich die Standeskommission gegenüber dieser Arbeit. «Es ist aber ein Stein von vielen und es wäre falsch, sich nur noch darauf zu verlassen».

Auch aus dem Publikum wurden die Richtlinien aufgegriffen: «Investoren wollen Ideen vorliegen haben», so Grossrat Ueli Manser. Er hiess den Bauherrn, nicht länger zu warten. Anders beurteilt die Wichtigkeit eines Regelwerks Publikumsgast Urs Möckli, CEO der Zielbau AG, welche den Gasthof Weissbadbrücke neu erstellen will. «Es braucht kein Regelwerk, es braucht Liebe zum Detail», so Möckli.

Bankrotterklärung

Grundsätzlich drang beim Podium durch, dass sich die einzelnen Mitspieler in Innerrhoden in unterschiedlichen Leitplanken bewegen. Auf die Frage nach dem Charakteristikum der Innerrhoder Baukultur fokussierte Niklaus Fritsche auf die Fassade. «Das tönt wie eine Bankrott-Erklärung der Baukultur», entgegnete Paul Knill, Präsident der kantonalen Fachkommission Heimatschutz. Baukultur sei ein Geflecht von verschiedenen Bedingungen. Denke man nicht hinter die Fassade, gehe typisch Appenzellisches verloren.

Da hakte auch Podiumsteilnehmer Hansueli Rechsteiner, Mitglied im Vorstand Heimatschutz SG/AI, ein. Für ihn gibt es zweifellos eine hiesige Baukultur. Gleichzeitig beobachte er aber Tendenzen für Neuinterpretationen. Diesen Spagat zusammenzubringen, so dass die Bauten identifikations-stiftend blieben, sei die grosse Herausforderung.

Bauherr Stefan Sutter erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass Innerrhoden, so wie man es heute kenne, ohne jegliche Vorschriften entstanden sei. Heute dagegen gebe es andere Möglichkeiten in Sachen Bauart und Materialisierung. «Wir müssen zum Alten schauen und gleichzeitig eine Entwicklungskultur finden», brachte Sutter die Problematik auf den Punkt.