Bauernmetzgerei sucht Gönner

Seit über 20 Jahren führen Bauern aus der Region in Ebnat-Kappel eine eigene Schlachtungsanlage. Diese garantiert kurze Wege für die Direktvermarkter. Die finanzielle Zukunft des Betriebs kann nur durch Gönner sichergestellt werden.

Sabine Schmid
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Im eigenen Räucherofen werden Spezialitäten hergestellt.

Im eigenen Räucherofen werden Spezialitäten hergestellt.

EBNAT-KAPPEL. Herbstzeit ist an vielen Orten die Zeit der «Metzgete». Dies merken auch Alfred Meier, der Betriebsleiter der Bauernmetzgerei Toggenburg in Ebnat-Kappel, und seine beiden Helfer André Gämperle und Oswald Stauffacher. Jeweils am Freitag fahren mehrere Bauern aus der Region mit ihren Tieren vor dem Schlachtlokal in Ebnat-Kappel vor. Nach einer Untersuchung durch den Tierarzt werden die Tiere geschlachtet. Am Montag erfolgt die Weiterverarbeitung. Dann zerteilen Alfred Meier und seine Helfer die Tiere. «Im Durchschnitt verarbeiten wir hier 15 Tiere in der Woche», schätzt Alfred Meier. Darunter sind Rinder, Kälber und Schweine, aber auch Ziegen, Schafe und Geflügel.

Aus der Region, für die Region

Zu Alfred Meiers «Kunden» zählen die über 230 Mitglieder des Vereins Schlachtungsanlage der Region Ober- und Neutoggenburg. Sie schätzen die Möglichkeit, die Tiere entsprechend den gesetzlichen und hygienischen Vorschriften schlachten und verarbeiten zu lassen. Alfred Meier zerlegt die Tiere so, wie es die Bauern wünschen. Einige von ihnen nutzen das Fleisch für sich, andere verkaufen ihre Produkte als sogenannte Direktvermarkter weiter. Das heisst, nach einer ersten Lagerung holen die Bauern das Fleisch, verpacken und vakuumieren es und liefern es gemäss den Bestellungen an ihre Kunden. Diese wohnen oftmals in der Region und schätzen es, zu wissen, woher ihr Fleisch stammt und wie die Tiere gehalten wurden.

Betriebsleiter Alfred Meier verarbeitet in der Metzgerei jeweils ein Tier nach dem anderen. Dies garantiert den Bauern, dass sie das Fleisch ihres Tieres wiederbekommen. Da die Metzgerei nach den Richtlinien von Bio Suisse zertifiziert ist, können auch Biobauern ihre Tiere in der Schlachtungsanlage verarbeiten lassen.

Ganzes Tier wird verwertet

Nicht nur die Nähe zwischen Produzent und Konsument ist den Vereinsmitgliedern ein Anliegen. Ihnen ist es auch wichtig, dass möglichst das ganze Tier verwertet wird. Aus diesem Grund stellt Alfred Meier am Dienstag selber Würste her. Das sind nicht nur die gängigen Würste wie Bratwurst, Wienerli und Cervelat. Im betriebseigenen Rauchofen hängen immer wieder Landjäger, Mostbröckli und Rauchwürste oder auch Speckseiten. Auf Wunsch von Direktvermarktern hat Alfred Meier eigene Wurstrezepte ausprobiert. Eine Kreation von Alfred Meier, die Rauchwurst, wurde am Worscht-Chäs-Fescht sogar mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Überdies erlaubt es die Einrichtung der Schlachtanlage, Fleisch in Dosen abzufüllen. Gerade bei Bauern, die im Sommer z'Alp gehen, sei diese Art von Convenience Food sehr beliebt, sagt Alfred Meier.

Unterstützung durch Gönner

Betrieben wird die Bauernmetzgerei durch die Vereinsmitglieder. Sie zahlen jährlich einen Mitgliederbeitrag, zudem wird jede Schlachtung verrechnet. Es können aber auch Nichtmitglieder die Dienstleistungen der Metzgerei in Anspruch nehmen. Sie bezahlen einen kleinen Aufpreis auf die Schlachtung. Dieses Geld, wie auch die Mitgliederbeiträge, werden dafür verwendet, die Infrastruktur in Schuss zu halten. Der Verein hat nun aber finanzielle Probleme, denn es stehen dringend nötige Investitionen und Erneuerungen an. Aus diesem Grund wurde ein Gönnerverein ins Leben gerufen, der Spenden für den Erhalt der Schlachtungsanlage sammelt. Damit, so sind die Direktvermarkter der Region überzeugt, werde die Landwirtschaft gestärkt. Denn in diesem Fleisch steckten viel Stolz und Eigenarbeit der Bauern, sagen sie.

Metzger Alfred Meier zerteilt im Zerlegeraum ein Tier, das von einem Vereinsmitglied zur Verarbeitung abgegeben wurde. (Bilder: Sabine Schmid)

Metzger Alfred Meier zerteilt im Zerlegeraum ein Tier, das von einem Vereinsmitglied zur Verarbeitung abgegeben wurde. (Bilder: Sabine Schmid)