Barfusswandern 2.0

Dieses Paar hatte Imelda Marcos bestimmt nicht in ihrer berühmt-berüchtigten Schuhsammlung. Die «Fivefingers» sind sogenannte Barfussschuhe. Wobei der Name etwas irreführend ist, denn sie haben nicht fünf Finger, sondern zehn Zehen.

Karin Erni
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In einem Steinbruch machen die Teilnehmer erste Bekanntschaft mit dem ungewohnten Schuhwerk. (Bild: ker)

In einem Steinbruch machen die Teilnehmer erste Bekanntschaft mit dem ungewohnten Schuhwerk. (Bild: ker)

Dieses Paar hatte Imelda Marcos bestimmt nicht in ihrer berühmt-berüchtigten Schuhsammlung. Die «Fivefingers» sind sogenannte Barfussschuhe. Wobei der Name etwas irreführend ist, denn sie haben nicht fünf Finger, sondern zehn Zehen.

Im Gegensatz zu den High-Heels der Diktatorengattin, die die weiblichen Reize betonen sollen, zählt bei den «Fivefingers» in erster Linie die Funktion. Eine Probewanderung auf den Gäbris soll die Teilnehmer von den Vorzügen dieses neuartigen Schuhwerks überzeugen.

«Ziel der Zehenschuhe ist es, dem Träger den Bewegungsablauf und das Gefühl des Barfusslaufens zu ermöglichen und gleichzeitig den Fuss vor Verletzungen zu schützen», sagt Kurt Graf, Inhaber des Sportgeschäfts in Heiden. «Dafür sorgt eine dünne und flexible Kautschuk-sohle. Es gibt die <Fivefingers> in mehreren Ausführungen für unterschiedliche Anwendungen, von Wandern über Jogging bis hin zu Yoga.»

Kurt Graf verteilt die Zehenschuhe an die Teilnehmer der Wanderung. Die Optik des Schuhs ist gewöhnungsbedürftig. Er sieht ein bisschen aus wie der amputierte Fuss des legendären Yeti. Eine Herausforderung ist das Anziehen. Während die ersten fünf Zehen locker in ihre angestammten Abteile schlüpfen, sträubt sich der andere Fuss gegen die ungewohnte Bekleidung. «Am besten geht‘s, wenn du leicht draufstehst, dann spreizen sich die Zehen etwas», sagt Kurt Graf. Und tatsächlich – jetzt ist auch der zweite Fuss eingepackt. Die Schuhe sind federleicht und sitzen wie eine zweite Haut. Man bekommt Lust, loszulaufen. Das tun wir denn auch. Zuerst geht es in einen kleinen Steinbruch. Wir steigen über loses Nagelfluhgeröll und kantigen Schotter. Die Füsse klettern locker und beginnen tatsächlich, sich ein wenig wie Hände zu gebärden. Sie «greifen» in die Steine und suchen sich einen sicheren Weg über den Fels.

Die anwesende Physiotherapeutin bestätigt den Eindruck: «Der Fuss ist in diesen Schuhen frei beweglich und passt sich perfekt dem jeweiligen Untergrund an.» Nur dann, wenn die Zehen sich frei bewegen können, hat der Körper die Möglichkeit, die natürlichen Bewegungsabläufe voll zu entfalten. Die Muskeln und Gelenke arbeiten wieder so, wie sie es von Natur aus sollten.» Tatsächlich: Die Zehen geben beim Abstossen zusätzlichen Schub. Kindheitserinnerungen an das unbeschwerte Herumrennen in Feld und Wald werden wach. Das Gehen wird zum sinnlichen Erlebnis. Weniger angenehm fühlt sich dagegen das längere Laufen auf Asphalt an. Aber das ist wohl ohnehin nicht besonders gesund.

Unterdessen ist die Dunkelheit über die Barfusswanderer hereingebrochen. Der Weg führt bergab über Stock und Stein, Wurzeln liegen im Weg. Dennoch tritt man mit den «Fivefingers» jederzeit sicher auf. Der Fuss «liest» gewissermassen das Gelände, und der Körper federt mit.

Am Ziel angekommen, mag die Schreibende sich gar nicht mehr von den neuen «Füssen» trennen und setzt sich gleich damit ins Auto. Und siehe da: Sogar die Kupplung betätigt sie jetzt mit mehr Gefühl als zuvor.

Carve Sport in Heiden bietet am Mittwochabend, 29. April, einen weiteren Kennenlern-Event für Fivefinger-Zehenschuhe an. Anmeldung unter 071 891 22 11.