Bambina schreibt Jersey-Geschichte

Am vergangenen Wochenende war zum zweiten Mal die Nationale Jersey-Ausstellung in der Wattwiler Markthalle zu Gast. Speziell zum Europäischen Jersey-Treffen veranstaltet, amtierte hierbei auch ein Gastexperte aus dem Ausland.

Nadine Rydzyk
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WATTWIL. Anders Levring aus Dänemark zeigte sich begeistert von den Schweizer Jerseykühen, wie auch die anderen ausländischen Gäste, für welche die Kommentare zum Geschehen extra in englische Sprache übersetzt wurden. Das erstaunt umso mehr, da die Rasse erst seit vergleichsweise kurzer Zeit in der Schweiz gezüchtet wird. Wie OK-Präsident Peter Sprecher erklärte, hat man die Kuh von der britischen Kanalinsel hierzulande erst 1995 entdeckt. Seither erfreut sie sich aber einer schnell wachsenden Beliebtheit. «Mittlerweile haben wir über 1000 Tiere in der Schweiz», berichtete Peter Sprecher.

Klein, aber effizient

Diese Entwicklung wundert nicht, ist doch die Jerseykuh in vielerlei Hinsicht besonders gut für die Schweiz geeignet. Denn auch wenn viele Betriebe in den Tälern und Ebenen die Tiere für sich entdeckt haben, so sind sie doch auch besonders für Bergbetriebe geeignet, wie Peter Sprecher wissen liess: «Das liegt daran, dass sie relativ klein und deutlich leichter als viele andere Kuhrassen sind. Dementsprechend richten sie auf den Bergwiesen weniger Schaden an, und die Grasnarbe kann schneller nachwachsen.»

Hinzu kommt, dass die Jerseys nicht nur kompakt, sondern auch sehr effizient in ihrer Milchleistung sind. «Auch der Anteil der Milchinhaltsstoffe ist deutlich höher als bei anderen Rassen», so Peter Sprecher weiter. Deshalb ist die Milch der Jerseys bei den Abnehmern sehr gefragt und hervorragend für die Käseproduktion geeignet.

Wie hoch die Leistungsfähigkeit ist, zeigte anlässlich der Show besonders eine spezielle Kuh: Bambina aus dem Stall von Manfred Baumann aus Mühlrüti. Als erste Jerseykuh in der Schweiz hat sie die magische Marke von 100 000 Kilogramm Milch überschritten und dabei 9100 Kilogramm Fett und Eiweiss produziert. «Ein geschichtsträchtiger Moment in der Schweizer Jerseyzucht», hob Kommentator Christian Manser diese enorme Lebensleistung hervor. Dem Tier und der Züchterfamilie zollte man entsprechend mit Hymne und einer Ehrenrunde unter anerkennenden Applaus Tribut.

Hohe Qualität

Damit bestätigte sich auch, was Peter Sprecher feststellen konnte: «Man sieht bereits die Zuchterfolge und die deutliche Verbesserung der Qualität der Kühe.» Exemplarisch hierfür waren auch die anderen Siegertiere der mittlerweile vierten Nationalen Jersey-Ausstellung. Neben Manfred Baumann hatte unter anderem auch Martin Zemp aus Ebnet viele Tiere auf den ersten Rängen der verschiedenen Abteilungen als Zuchterfolge zu verbuchen. Diese beiden machten auch die Schöneuterpreise bei den älteren Kühen und die Champion-Titel der älteren Tiere untereinander aus.

Hier lag jeweils Martin Zemps Leila vor den Tieren von Manfred Baumann. Jane aus der Zucht von Hubert Nussbaumer aus Oberägeri wurde mit dem Schöneutertitel der jüngeren Kühe und als Champion jüngere Kühe ausgezeichnet. Rinder-Champion wurde Seraphine von Bruno Schär aus Adlikon. Die Nationale Jersey-Ausstellung glänzte aber nicht nur mit den gezeigten Zuchterfolgen, sondern auch durch eine hervorragende Organisation. In einem angenehm unaufgeregten Ambiente, mit leiser Musik untermalt und in nahezu feierlicher Grundstimmung präsentierten sich der Verein und die Züchtergruppe Ostschweiz bestens. Angesichts des aber doch grossen Aufwandes für Organisatoren und Züchter, welche eine teilweise weite Anreise auf sich genommen hatten, hofft Peter Sprecher, dass in zwei Jahren die nächste Nationale Jersey-Ausstellung stattfinden wird. Vielleicht ja wieder in Wattwil.

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