Bald neue Hochhäuser in Wattwil?

Verdichtetes Bauen heisst das Gebot der Zeit: Der Wattwiler Gemeinderat hat deshalb eine Hochhausstudie in Auftrag gegeben, steht im Amtsbericht. Öffentlich sind die Ergebnisse noch nicht. Vielleicht kommt nach der Kanti ein Hochhaus.

Hansruedi Kugler
Drucken
Teilen
Silberturm St. Gallen: Wäre auch in Wattwil ein Wahrzeichen – vielleicht auf dem Gelände der jetzigen Kanti? (Bild: Ralph Ribi)

Silberturm St. Gallen: Wäre auch in Wattwil ein Wahrzeichen – vielleicht auf dem Gelände der jetzigen Kanti? (Bild: Ralph Ribi)

WATTWIL. Neue Lust auf Hochhäuser – das gilt nicht nur für Rorschach, Steinach, Wil und St. Gallen: Dort werden markante Hochhäuser gebaut oder sind in Planung. Auch in Wattwil scheint die Lust am Hochhaus wieder grösser. Der Gemeinderat hat eine Hochhausstudie in Auftrag gegeben, liest man im Amtsbericht, der in diesen Tagen in allen Wattwiler Briefkästen liegt. Eine solche Studie liegt voll im Trend: Einerseits hat man in Wattwil schon viel Erfahrung mit Hochhäusern: Schliesslich stehen hier bereits 11 Hochhäuser, was für eine Gemeinde mit gut 8000 Einwohnern ziemlich rekordverdächtig ist. Zum anderen brennt das Thema Richtplanung allen unter den Nägeln. Das Gebot der Zeit heisst: verdichtetes Bauen. Wenn schon die grünen Wiesen geschont werden sollen, müssen die Menschen in den Dörfern und Städten näher zusammenrücken. Neu gebaut wurde in Wattwil zwar schon lange kein Hochhaus mehr. Mal abgesehen vom Hochhaus neben dem Spital, das 2005 abgebrochen und neu aufgebaut worden ist, sind die Wattwiler Hochhäuser mehr als 40 Jahre alt: Sie stehen am nördlichen Dorfeingang, in der Grüenau, in der Schomatten, neben dem Spital und natürlich als «drei Heberlein-Schwurfinger» in Ulisbach. Nur im Dorfzentrum steht noch keines.

Problem Schattenwurf

Die derzeit hitzigen Diskussionen um die neue kantonale Richtplanung ist geprägt von der Angst vor Baulandverlust: Rückzonen heisst das Schreckgespenst. Noch verdichteter Bauen ist auch die Forderung des Kantons an die Gemeinde Wattwil. Gemäss Kantonsplaner Ueli Strauss ist der angestrebte Dichtewert für die Gemeinde Wattwil 54 Einwohner pro Hektar. Davon sei Wattwil noch um einiges entfernt. Hochhäuser wären eine Lösung für die Verdichtung. Nur stellen sich für Hochhäuser in bereits bewohnten Gebieten einige Probleme: Gemäss kantonalem Baugesetz, Artikel 69, sind Hochhäuser «Bauten mit mehr als acht Vollgeschossen oder mit mehr als 25 Metern Gebäudehöhe». Sie seien nur für «besonders geeignete Standorte» und setzten eine ihrer Grösse «entsprechende architektonische Gestaltung voraus». Neben diesem ästhetischen Argument nennt das Baugesetz eine weitere Einschränkung: Massgebend für die Bewilligung ist der auf die umliegenden Gebäude und Parzellen fallende «Dauerschatten». Dieser darf an einem mittleren Sommertag nicht mehr als drei, an einem mittleren Wintertag nicht mehr als zwei Stunden betragen.

Hochhaus am Kantistandort?

Das Atelier Wehrlin, das Hochhausstudien unter anderem für Rorschach und Wil erarbeitet hat, empfiehlt in Wil Hochhäuser in Bahnhofnähe. Wenn man sich die Karte vom Dorf Wattwil ansieht und die Diskussionen um den Bildungsstandort verfolgt hat, drängt sich hier eine leicht andere Variante auf: Falls der Kanton eine neue Kanti baut und das bestehende Gebäude abreisst, wird dort eine Parzelle frei, die sich ideal für einen Hochhausbau eignet: 8145 Quadratmeter, zentrumsnah, der Schatten fällt mit wenig Störung auf Thur, Brücke und Bahnhofstrasse – eigentlich ein idealer Bauplatz. Für die Erstellung eines Hochhauses braucht es einen Überbauungs- oder Gestaltungsplan. Sofern eine nichtöffentliche Nutzung vorgesehen ist, muss in eine Wohnzone umgezont werden. Wann die Hochhausstudie veröffentlicht wird, ist noch unklar.

Einige der bestehenden Hochhäuser in Wattwil: Hochhaus Schmidenbach, Hochhaus in der Schomatten, Heberlein-Hochhäuser Ulisbach, Hochhaus neben dem Spital (von links). (Bilder: Hansruedi Kugler)

Einige der bestehenden Hochhäuser in Wattwil: Hochhaus Schmidenbach, Hochhaus in der Schomatten, Heberlein-Hochhäuser Ulisbach, Hochhaus neben dem Spital (von links). (Bilder: Hansruedi Kugler)

Aktuelle Nachrichten