Bald kein Kinderhotel mehr im Appenzellerland

GAIS. Es ist Ferienzeit und die fünf Zimmer im kleinen Hotel Sternen, das zwischen Gais und dem Stoss gelegen ist, sind alle besetzt. Dieser Sommer wird jedoch der letzte sein, in dem hier oben Gäste wohnen. Ab November bleibt der Betrieb geschlossen.

Karin Erni
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Ursula und Martin Zwyssig freuen sich auf die neue Herausforderung. (Bild: ker)

Ursula und Martin Zwyssig freuen sich auf die neue Herausforderung. (Bild: ker)

GAIS. Es ist Ferienzeit und die fünf Zimmer im kleinen Hotel Sternen, das zwischen Gais und dem Stoss gelegen ist, sind alle besetzt. Dieser Sommer wird jedoch der letzte sein, in dem hier oben Gäste wohnen. Ab November bleibt der Betrieb geschlossen. Der «Sternen» in Gais ist das einzige offizielle Swiss-Family-Hotel im Appenzellerland. Geführt wurde es während 21 Jahren von der Familie Zwyssig. Sie will sich nun neu orientieren.

Nach einem Umbau wird das Gebäude von Sohn Raphael und seiner Familie privat genutzt. Vater Martin wird als Monteur von Elektrogeräten für den Haushalt und für Gastrobetriebe arbeiten.

Grosse Aufbauarbeit

Vor 21 Jahren haben die Zwyssigs den Sternen gekauft. Sie wollten gemeinsam arbeiten und die Kinder bei sich haben. Die Gastronomie schien ihnen geeignet dafür. «Wir haben damals mit nichts angefangen», erinnert sich Ursula Zwyssig «Es war nur eine einfache Beiz ohne Küche, die schon ein halbes Jahr geschlossen war.» Und ihr Mann Martin ergänzt: «Zu Beginn habe ich zur Sicherheit noch halbtags als Dachdecker im Dorf gearbeitet.» Jedes Jahr haben die beiden am Haus etwas umgebaut. Ihr Ziel war, das erste Kinderhotel im Appenzellerland zu führen. Das bedeutet, familiengerechte Zimmer, einen eigenen Spielplatz und tägliche Kinderbetreuung vorweisen zu können. Das Label «Kids-Hotel» bescherte ihnen Gäste aus der ganzen Schweiz. Viele kamen aus dem Welschland. In all den Jahren hätten sich zahlreiche schöne Kontakte ergeben, sagt Ursula Zwyssig. «Wir haben Stammgäste aus der näheren Umgebung, aber auch solche, die von weit her zu uns reisen.»

Investitionen nötig

Um den Betrieb langfristig zu sichern, wäre wieder ein Investitionsschub nötig gewesen. Da aber keines ihrer Kinder ins Geschäft einsteigen wollte und sie den Verkauf der Liegenschaft als unrealistisch beurteilten, entschlossen sich die Zwyssigs zur Betriebsaufgabe. Es wird ein Abschied in Raten: Am 9. September organisieren die Zwyssigs einen Flohmarkt für Kinder- und Dekoartikel. Noch bis zum 8. November bleibt das Gasthaus geöffnet. Die traditionelle Metzgete bildet den feierlichen Abschluss. Am 14. und 16. November steht von 9 bis 16 Uhr das Inventar zum Verkauf. Die Tradition des Samichlaus-Besuchs im Häuschen in der Brunnenau führen die Zwyssigs weiter. Vom 4. bis 6. Dezember 2015 lädt der Samichlaus dort Besucher in seine warme Stube ein. Anmelden kann man sich unter der Telefonnummer 071 793 11 24.

Die Zwyssigs bedanken sich bei ihren Gästen für die langjährige Treue. Ihrem Personal möchten sie ebenfalls ein Kränzchen winden. «Wir hatten immer langjährige Mitarbeiter, die einen super Job gemacht haben», sagt Ursula Zwyssig. Nun freuen sich die beiden Gastgeber schon auf den nächsten Sommer: «Einfach ein normales Leben zu führen, auch einmal ein paar Tage frei zu haben und ein Schwingfest geniessen zu können, das wünschen wir uns schon lange.»