Balance zwischen Kirche und Familie

WILDHAUS. Der 46jährige Michael Nolle, aus dem süddeutschen Raum stammend, hat nicht den schnurgeraden Weg zum Pastoralassistenten gewählt. Nach dem Dienst bei der Bundeswehr war er sich sicher, dass er Priester werden wollte, und begann ein Theologiestudium.

Beatrice Bollhalder
Merken
Drucken
Teilen
Bischof Markus Büchel heisst Michael Nolle im Bistum willkommen. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Bischof Markus Büchel heisst Michael Nolle im Bistum willkommen. (Bild: Beatrice Bollhalder)

WILDHAUS. Der 46jährige Michael Nolle, aus dem süddeutschen Raum stammend, hat nicht den schnurgeraden Weg zum Pastoralassistenten gewählt. Nach dem Dienst bei der Bundeswehr war er sich sicher, dass er Priester werden wollte, und begann ein Theologiestudium. Allmählich zweifelte er seine Entscheidung an. Deshalb absolvierte er eine Krankenpflegeausbildung. Trotzdem hat er sich nach einer gewissen Zeit wieder dem kirchlichen Dienst zugewandt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ihm das Nachdenken und die Diskussionen zu gewissen Themen fehlten.

Interesse für Heilkunst

Wichtig war ihm seit seiner Kindheit auch die Natur und der Umgang mit ihr. Michael Nolle kennt viele Kräuter und deren Verwendungszweck. Eine Wallfahrt nach Lourdes brachte den jungen Mann, der das Studium wieder aufgenommen hatte, erneut ins Grübeln. «Ich war mir einfach nicht schlüssig, wie es weitergehen soll», erinnert er sich an diese Zeit. Ich habe damals auch das Mönchdasein und das Leben in einem Kloster in Betracht gezogen. Die Zeit des Studiums in Freiburg, während der er seine heutige Frau Anne kennenlernte, brachte dann eine Entscheidung. In Basel absolvierte Nolle ein Praktikum, das er heute als grossartige Erfahrung betitelt. Seinen damaligen Vorgesetzten hat er zum Vorbild genommen. «Besonders eindrücklich waren die Abdankungen, die er jeweils zelebrierte», erinnert sich Nolle.

Vom Hausmann in die Pfarrei

In Adliswil, das zum Bistum Chur gehört, absolvierte Michael Nolle in den Jahren 2006 bis 2008 die Berufseinführung als Pastoralassistent. Dabei wurde Wert auf Unterrichtsvorbereitung, Predigt, aber auch Trauerarbeit gelegt. Grosses Interesse zeigte er an der Psychologie. Weitere drei Jahre arbeitete Michael Nolle in Adliswil. Dann wählte er die Rolle des Hausmanns und betreute die beiden Kinder, während seine Frau Anne ihrem erlernten Beruf als Lehrerin nachgehen konnte. Mit der Ankündigung des dritten Kindes ging das Ehepaar Nolle noch einmal über die Bücher. Wie soll es weiter- gehen? Da ihm das Hausmann-Dasein inzwischen etwas zu eintönig geworden war, haben sich Nolles entschlossen, die Rollen erneut zu tauschen. Zur Wahl standen ihm Stellen als Pastoralassistent im Appenzellerland sowie im Toggenburg. Letztere wurde bevorzugt, da es ländlicher war. Der Wechsel des Bistums hat es mit sich gebracht, dass Michael Nolle die zweijährige Einführung in den pastoralen Dienst absolvieren musste. Diese Zeit habe ihm viel gebracht, er lernte unter anderem wichtige Personen des Bistums kennen. Zudem beschreibt er den Kontakt innerhalb des Bistums St. Gallen näher, als er ihn im Bistum Chur erlebt habe. Als nicht ganz einfach empfindet er, die richtige Balance zwischen Familie und Arbeit zu finden. Michael Nolle möchte nämlich als Seelsorger eine genauso gute Arbeit leisten, wie er sich um seine Kinder kümmern will.