«Bahnnostalgie geht verloren»: Touristiker bedauern, dass die Zahnradbahnlinie Altstätten-Gais 2035 durch einen Busbetrieb ersetzt werden soll

Die Kantone Appenzell Ausserrhoden und St.Gallen wollen in 15 Jahren auf der Linie Gais-Altstätten die Bahn durch Busse ersetzen. Die Meinungen dazu sind unterschiedlich. Kosten lassen sich sparen, Attraktivität geht verloren, zeigt eine Umfrage.

Mea McGhee
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Mit Hilfe eines Zahnrades bewältigt die Komposition der Appenzeller Bahnen die Steigung von Altstätten zum Stoss.

Mit Hilfe eines Zahnrades bewältigt die Komposition der Appenzeller Bahnen die Steigung von Altstätten zum Stoss.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (5. Juni 2019)

Von Pendlern wird die Zahnradbahnlinie Altstätten–Gais der Appenzeller Bahnen (AB) wenig genutzt. Vielmehr fahren Schulkinder aus dem Gebiet Rietli mit der Bahn nach Gais oder Wanderer steigen am Stoss aus.

Die geringe Auslastung der Zahnradlinie führt dazu, dass deren Kostendeckungsgrad unter 30 Prozent liegt. Die Kantone Appenzell Ausserrhoden und St.Gallen kommen nach Abklärungen mit den Appenzeller Bahnen und dem Bund gestützt auf externe Studien zum Schluss: Die Linie Altstätten–Gais soll längstens bis 2035 mit Zügen abgedeckt werden. Dannzumal wird das Rollmaterial das Ende seiner Lebensdauer erreicht haben. Der hohe touristische Wert der Linie, auf den Lokalpolitiker und Bahnfans hingewiesen haben, bestätigte sich laut den Kantonen nicht.

Ernst Koller, Gemeindepräsident Gais.

Ernst Koller, Gemeindepräsident Gais.

Bild: PD

Den Gaiser Gemeindepräsidenten Ernst Koller erstaunt der Entscheid nicht:

«Aus Kostengründen ist ein Busbetrieb wohl die beste Lösung.»

Der finanzielle Beitrag an die Verkehrsverbindung würde mit einem Busbetrieb kleiner. «Wichtig ist, dass die Strecke weiter durch den öffentlichen Verkehr abgedeckt wird», betont Koller.

Bahnfahrt ein Erlebnis für Familien und Sportler

«Eine Attraktion wird verloren gehen», findet hingegen die Gaiser Gemeinderätin Doris Oetiker. Die Präsidentin der Tourismuskommission denkt insbesondere an die offenen Panoramawagen, die im Sommer zum Einsatz kommen. Die Zahnradbahn sei nostalgisch und mit Kindern biete sie eine schöne Ausflugsmöglichkeit. Weiter würden der Velo- und Schlittentransport rege genutzt. Während Letztere wohl in einem Busanhänger transportiert werden könnten, sieht Oetiker den Velotransport im Bus erschwert.

Doris Oetiker, Gemeinderätin Gais.

Doris Oetiker, Gemeinderätin Gais.

Bild: PD

Sie werde das Thema Zahnradlinie in die Tourismuskommission einbringen, sagt die Gemeinderätin. Allerdings sehe sie nach dem Entscheid der Kantone nur geringe Chancen, den Bahnbetrieb zwischen Gais und Altstätten über 2035 hinaus aufrecht zu halten.

Wichtiger Bestandteil des Streckennetzes

«Wir sind froh, geht es für unsere drei Zahnradbahnen weiter. Sie sind ein wichtiger Bestandteil unseres Streckennetzes und haben eine schöne Angebotspalette», sagt Erika Egger-Fässler, Medienverantwortliche der AB.

Erika Egger-Fässler, Marketing-Leiterin der Appenzeller Bahnen.

Erika Egger-Fässler, Marketing-Leiterin der Appenzeller Bahnen.

Bild: Benjamin Manser (12. August 2019)

Nun habe das Unternehmen eine Planungsbasis. Egger ist zuversichtlich, dass das Rollmaterial bis mindestens 2035 betriebsfähig ist.

Mit dem Zug zur Schule fahren

Aktuell ist das Gaiserbähnli für knapp zehn Kinder aus dem Gebiet Rietli ein wichtiges Transportmittel. Sie legen einen Teil ihres Schulweges mit dem Zug zurück. Die Schule Gais zahlt allen Familien ab einer bestimmten Länge des Schulweges eine finanziellen Beitrag. Würden die Appenzeller Bahnen die Linie einstellen, müsste die Schule allenfalls das Angebot eines Schulbusses prüfen, beantwortet Schulleiter Marco Zehnder eine entsprechende Frage. Die Schule Gais passe ihren Stundenplan wenn möglich dem Fahrplan an, verschiebe zum Beispiel den Schulstart morgens. Doch nicht immer könne die Schule auf den Fahrplan Rücksicht nehmen. Momentan gebe es zum Beispiel am Mittag keine sinnvolle Zugverbindung und die Eltern müssten sich untereinander organisieren.

Gemeinden sollten sich engagieren

«Das Bähnli ist ein Stück Kulturgut», findet der Präsident des Vereins Langlaufzentrum Gais, Markus Buschor. Auch ein Teil der Sportler reise mit dem Zug an, andere Leute würden am nahen Hang schlitteln. Er findet, die Gemeinden sollten einen Beitrag leisten, um die Zahnradbahn zu erhalten.