BAHNGESCHICHTE: Innerrhoder Pläne und Projekte der Appenzeller Bahnen

Der Historische Verein Appenzell gab kürzlich Einblick in die bewegte Vergangenheit der Appenzeller Bahnen. Die Referentin brachte auch bisher weitgehend unveröffentlichte Archivalien zum Vorschein.

Achilles Weishaupt
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1872 liess die Schweizerische Gesellschaft für Localbahnen einen Gepäckwagen anfertigen. (Bild: PD)

1872 liess die Schweizerische Gesellschaft für Localbahnen einen Gepäckwagen anfertigen. (Bild: PD)

Referentin war Gerda Leipold Schneider, Historikerin, Archivarin und Museologin aus Romanshorn. Leipold hat von 2013 bis 2016 die Bestände der Appenzeller Bahnen im Ausserrhoder Staatsarchiv geordnet.

Die 1872 gegründete Schweizerische Gesellschaft für Localbahnen plante ein Schmalspurnetz im Voralpenraum. Wegen Finanzierungsproblemen wurde nur die Appenzeller Bahn (AB) realisiert, die 1885 in Appenzellerbahn-Gesellschaft umbenannt wurde. Zur Verspätung der Erschliessung trugen in Innerrhoden Konflikte zwischen Konservativen und Liberalen bei. Zur Sprache kam eine Variante nach Appenzell über Hundwil, Stein und Haslen, die aber nicht weiterverfolgt wurde. Am 28. Oktober 1886 dampfte mit der Lokomotive Waldstatt der erste Zug zu den Eröffnungsfeierlichkeiten in Appenzell. Dort bestand die erste Station aus einfachen und meist hölzernen Gebäuden. Im Zusammenhang mit den ersten Bahnbauten in Appenzell wurden Vermessungen gemacht, die heute in anderen Bereichen von Nutzen sind. Die Bahn war auch wichtig für Innerrhodens touristische Entwicklung. Der Güterverkehr war mit Ausnahmen von Holztransporten bis 1907 nie besonders erfolgreich. Ein spezielles und teures Bauwerk war die Kaubachtobelbrücke, die eine Höhe von 23 Metern aufwies und zehn Jahre nach Erstellung (1886) verstärkt werden musste. Nach der Sanierung weiterer Brücken verkürzte sich die Fahrzeit von Appenzell nach Herisau.

Längste Schmalspurbrücke der Schweiz

Am 1. Oktober 1889 eröffnete die Appenzeller Strassenbahngesellschaft die Bahnlinie zwischen St. Gallen und Gais. Dafür entwickelte der Sachse Adolf Klose (1844–1923) eine Lokomotive mit Verbundwirkung, getrennten Triebwerken für Zahnrad und Adhäsion sowie radial einstellbaren Achsen. Am 1. Juli 1904 wurde der fahrplanmässige Kurs nach Appenzell aufgenommen.

Für die Planung des Sitterviadukts bei Appenzell war der in Gais geborene Ingenieur Louis Kürsteiner (1862–1922) zuständig. Es ist mit 296 Metern die längste Schmalspurbahnbrücke in der Schweiz. Nicht vollends in Erfüllung gingen die Pläne für eine Bahn auf den Säntis auf Inner­rhoder Territorium. Am 12. Juli 1912 wurde nur deren erste Sektion von Appenzell nach Wasserauen mit der elektrisch betriebenen Säntisbahn eröffnet. Unruhige Zeiten und wirtschaftliche Rückschläge liessen die Weiterführung der Säntisbahn nicht zu. Angesichts der Krisenzeiten kam es zwischen 1922 und 1928 zu einer Betriebsgemeinschaft der drei Bahngesellschaften. Der elektrische Betrieb wurde am 22. Januar 1931 respektive am 22. April 1934 fahrplanmässig aufgenommen. Als Illustration dazu wurde den Teilnehmern am Vortrag der Plan für ein Gleichrichterhäuschen in Gonten gezeigt.

Komfort dank Buffetwagen und Bahnhofbuffets

Anstrengungen im Tourismus waren die Erstellung von Buffetwagen (1945) und Bahnhofbuffets, so in Wasserauen anlässlich des Baus der Luftseilbahn auf die Ebenalp (1955–56).

In Sachen Modernisierung wurde viel unternommen: die Entfernung von Zahnstangenabschnitten (1966–88), die Erneuerung des Rollmaterials (1968) sowie der Bau von Brücken im Bezirk Gonten (1969, 1971) und einer neuen Brücke über den Kaubach (1974). Die Panoramakurve am Hirschberg bei Appenzell ist ein technisches Nebenprodukt und nicht auf Bodenverhandlungen zurückzuführen. Erwähnenswert sind die Umbauten an den Bahnhöfen in Appenzell, Wasserauen, Jakobsbad, Gonten und Jakobsbad. Letzterer wurde 1980 in eine unbediente Station umgewandelt. Auch in Gontenbad arbeitete früher ein Bahnhofvorstand.

Modernisierung, Busbetrieb und Fusionen

Trotz Modernisierungen konnte in Wasserauen der Fallwind Laseyer immer wieder zuschlagen. Seit dem Ereignis vom 19. Januar 2007, als ein Triebwagen aus den Schienen gehoben wurde, stellt man bei dieser Wetterlage auf Busbetrieb um.

Unbefriedigende Betriebsergebnisse führten zu Fusionierungen. Am 1. Januar 1947 schloss sich die AB mit der Appenzell-Weissbad-Wasserauen-Bahn, der ehemaligen Säntisbahn, zusammen. 1949 tat dies die St. Gallen-Gais-Appenzell-Bahn, ehemals Appenzeller Strassenbahn, mit der am 17. November 1911 eingeweihten Altstätten-Gais-Bahn. Am 1. Juli 1970 bildete sich eine Verwaltungsgemeinschaft zwischen den beiden Unternehmungen, die auf den 1. Januar 1980 zu den Appenzeller Bahnen fusionierten. 26 Jahre später erfolgte die Fusion mit der Rorschach-Heiden-Bergbahn, der Bergbahn Rhein­eck–Walzenhausen und der Trogenerbahn .

Abschliessend wurde am Vortrag eine Kinderzeichnung zum 100-Jahr-Jubiläum der AB im Jahr 1975 gezeigt. Es fällt auf, dass – obwohl das Dampf-Zeitalter vorbei ist – Kinder die Triebwagen oft als Dampflokomotiven darstellen.

Achilles Weishaupt

redaktion@appenzellerzeitung.ch