Appenzeller Bahnen bauen mit Hochdruck, um behindertengerecht zu werden

Bis 2023 müssen alle Haltestellen in der Schweiz barrierefrei sein. Die Appenzeller Bahnen leisten dafür einen Effort, denn die Perrons sind auch zu kurz für die neuen Züge.

Karin Erni
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Im Bereich der Haltestelle Zürchersmühle soll mit dem Umbau gleichzeitig die Sicherheit der Fussgänger verbessert werden.

Im Bereich der Haltestelle Zürchersmühle soll mit dem Umbau gleichzeitig die Sicherheit der Fussgänger verbessert werden.

Bild: Karin Erni

Derzeit liegen die Pläne für den Umbau der Bahnhaltestelle Zürchersmühle öffentlich auf. Sie soll grösser und behindertengerecht werden, denn gemäss Bundesgesetz über die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen müssen bis im Jahr 2023 sämtliche Bahnhöfe und Haltestellen der Schweiz barrierefrei ausgebaut sein. Schweizweit werden für drei Milliarden Franken rund 580 Bahnhöfe modernisiert. Für die Appenzeller Bahnen (AB) bedeutet das Gesetz eine grosse Herausforderung, verfügen sie doch auf ihrem Streckennetz über mehr als 50 Haltestellen. Der zuständige Projektleiter Manfred Guntlin sagt:

«Wir gehen dennoch davon aus, dass wir bis zum Ablauf der Frist alle Arbeiten ausgeführt haben.»

«Die Haltestelle Zürchersmühle ist nicht mehr zeitgemäss und erfüllt auch die gesetzlichen Vorgaben bezüglich Sicherheit nicht mehr», sagt Manfred Guntlin. Das neue Rollmaterial der AB verfüge zwar über stufenfreie Zustiege, diese erforderten aber um 30 Zentimeter höhere Perrons, damit Rollstühle und Kinderwagen ebenerdig hineinfahren können. Auch die Beleuchtung auf den Perrons müsse vorschriftsgemäss angepasst werden, sodass sehbehinderte Personen die Perronkante gut erkennen können, so Guntlin.

Bahnperrons müssen länger werden

Ausserdem sei für die neuen Züge, die auf der Strecke Gossau Wasserauen teilweise als Doppelkomposition unterwegs sind, eine Perronlänge von 120 Metern nötig, damit alle Fahrgäste sicher und bequem ein- und aussteigen können. «Ein Teil der Bauten des Projekts Zürchersmühle liegt in einer Grundwasserschutzzone, was das Bauen zusätzlich erschwert», erklärt Guntlin. Ausserdem müssen für die Bauarbeiten 114 Quadratmeter Wald gerodet werden. Dabei handle es sich aber nicht um einen eigentlichen Wald, sondern lediglich um ein kleines Gehölz, das als Wald klassifiziert sei, so der Projektleiter. Ein Teil der Fläche wird nach den Bauarbeiten vor Ort wieder aufgeforstet, für den Rest auf einer geeigneten Parzelle in Herisau Realersatz geleistet.

Das Bahnhofsgebäude der Zürchersmühle bleibt unverändert, da es sich in Privatbesitz befindet. Das bestehende Wartehäuschen bleibt ebenfalls erhalten. Läuft die Auflagefrist für das Umbauprojekt ohne Einsprache ab, geht das Dossier anschliessend ans Bundesamt für Verkehr (BAV). Bis zur Genehmigung dauerte es in der Regel ein Jahr. Weil die Appenzeller Bahnen oft nur über wenig Land rund um die Gleisanlagen verfügen, muss für die Erweiterung der Stationen Boden zugekauft werden. Die Landbeschaffungen gehen gemäss Guntlin nicht immer ohne Enteignungen vonstatten.

«Zudem kommt es im Rahmen des Bewilligungsprozesses häufig zu Einsprachen, was immer wieder zu Verzögerungen im Planungsprozess führt.»

Bei 16 Stationen ist der Umbau bereits abgeschlossen, so beispielsweise in Gossau und Weissbad. Bei einer ist das Genehmigungsverfahren abgeschlossen. Dies ist in Schwende der Fall, wo der Umbau dieses Jahr erfolgt. Bei zwölf Haltestellen ist das Auflageprojekt beim BAV eingereicht und es wird auf eine Verfügung gewartet. 30 Projekte sind noch in der Planungsphase, wie der Umbau des Bahnhofs Appenzell. In Herisau besteht bis zum Bahnhofsneubau ein Provisorium.

Die Kosten für die Infrastrukturmassnahmen, welche aufgrund des Gesetzes anfallen, liessen sich nicht konkret in Zahlen ausdrücken, teilen die Appenzeller Bahnen mit. «Bei vielen Haltestellen waren sowieso bauliche Massnahmen nötig, weil sie am Ende der Lebensdauer waren.»

Noch Ungewissheit bei Zahnradbahnen

Wie es mit den Haltestellen der Vorderländer Zahnradbahnen und der Linie Altstätten-Gais weitergeht, ist noch unklar. Zurzeit laufe unter der Leitung des Kantons Appenzell Ausserrhoden eine Studie zu alternativen Betriebsformen, teilen die Appenzeller Bahnen mit. «Die zu treffenden Massnahmen lehnen sich an die Ergebnisse der Studie an.»