Bäuerinnen reisten nach Romoos

Am Dienstag, 25. August, um 7.30 Uhr starteten 30 reiselustige Bäuerinnen aus der Gemeinde Kirchberg eine Carfahrt Richtung Entlebuch. In der Gemeinde Romoos, auf dem Bramboden, genossen wir zuerst den ersehnten Kaffee.

Rosmarie Segmüller
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Die Reisegruppe vor der Tellskapelle in der Hohlen Gasse. (Bild: pd)

Die Reisegruppe vor der Tellskapelle in der Hohlen Gasse. (Bild: pd)

Am Dienstag, 25. August, um 7.30 Uhr starteten 30 reiselustige Bäuerinnen aus der Gemeinde Kirchberg eine Carfahrt Richtung Entlebuch.

In der Gemeinde Romoos, auf dem Bramboden, genossen wir zuerst den ersehnten Kaffee. Anschliessend führte uns Herr Renggli in die Kunst der Köhlerei ein. Schon im frühen 15. Jahrhundert wurde im Entlebuch für die Glasbläserei geköhlert. Die heutige Glasi Hergiswil hatte ihren Platz früher im Bramboden. Damals gab es über 200 Kohlplätze im Napfgebiet. Joseph Duss hat 1941 im 2. Weltkrieg die Köhlerei Entlebuch gegründet. Heute gibt es noch neun Köhler im Napfgebiet. Bei einigen Bauern macht die Köhlerei fast die Hälfte des Einkommens aus. 1986 kam für die Köhler eine schwierige Zeit, da die Industriekohle aufkam. Glücklicherweise kam gleichzeitig Otto Ineichen nach Romoos und bot an, die Kohle als Grillholzkohle in den Ottos-Läden zu vermarkten, was bis heute geschieht.

Interessant ist auch der Aufbau eines Kohlenmeilers. Während zweier bis dreier Wochen beigen die Rengglis mit 60 Ster Holz einen Meiler auf. Auf dem Boden entsteht zuerst ein Rost, damit das Holz unten nicht in einem See liegt. In der Mitte kommt ein langes Rundholz zu stehen, welches am Ende den ganzen Haufen überragen soll. Dieses wird dann herausgezogen, damit ein Füllloch, das sogenannte Füllihaus, entsteht. Um dieses Rundholz herum werden zuerst blosse Tannenholzscheiter gestellt, aussenherum dann verschiedenes Laub- und Nadelholz aus der Region.

Danach wird der Haufen mit einem Tannenreisigmantel eingekleidet und mit einem «Löschimantel», bestehend aus mit Wasser angerührtem Kohlenrestabfall des letzten Meilers, eingestrichen und angeklopft, was eine etwa 20 bis 40 cm dicke Schicht ergibt. Dann kommt noch ein Gerüst aus aufgestellten Rundhölzern und Querbrettern darum herum, dieses wird mit Drahtseilen umspannt, die ein Bearbeiten jeder Stelle des Meilers ermöglichen. Eine Holzleiter wird an den Haufen gelehnt, und dann ist der feierliche Moment des Anzündens da. Mit einer Schaufel voller Kohlenglut und Holzspänen wird die Leiter hochgestiegen und das Material ins Füllihaus geschüttet. Nun wird die Öffnung mit einem Eisendeckel verschlossen. Mit einem Eisenstab werden oben zwei bis drei Reihen Löcher durch den Löschimantel gestochen. Ist der Rauch weiss, bedeutet das Feuchtigkeitsentzug. Wird er bläulich und dünner, so ist an dieser Stelle die Verkohlung abgeschlossen. Ein Kohlenmeiler brennt von oben nach unten und von innen nach aussen. Sind die Gase weg, bleiben nur noch die Zellwände. Der Löschimantel muss feucht und dicht gehalten werden, er darf keine Risse haben. In der ersten Woche muss alle zwei bis drei Stunden nach dem Meiler geschaut werden, auch nachts. Deshalb schläft Herr Renggli während dieser Zeit in einer Hütte neben dem Meiler. Nach zwei Wochen ist die Verkohlung abgeschlossen. Der Meiler muss ohne Luftzufuhr auskühlen, was nach etwa drei Wochen passiert ist. Während nochmals dreier Wochen wird nun mit vier Personen die Holzkohle in gegen 1000 Säcke abgefüllt. Bei Rengglis stehen im Jahr zwei Kohlenmeiler. Ein Meiler gibt etwa sechs Tonnen Holzkohle. Nach diesem interessanten Vormittag wurden für die Frauen Steaks auf der Holzkohle zubereitet, welche zum bereitgestellten Salatbuffet hervorragend schmeckten. Zu Fuss wanderten wir dann etwa eine Stunde durch Wald und Wiese, bevor wir wieder in den Car stiegen. In Küssnacht am Rigi hiess es dann bereits wieder aussteigen, da wir noch durch die Hohle Gasse schreiten wollten.

Hier soll Tell mit einem Pfeil den habsburgischen Landvogt Gessler erschossen haben. Um viele Eindrücke reicher trafen wir am Abend wieder in Kirchberg ein.