Bärner Rock made in Walzenhausen

Es gibt Dutzende Musiker in der Berner Mundart-Rock-Szene, aber nur einen, der in Walzenhausen lebt – und das seit bald zehn Jahren. Sein Name: Dänu Wisler.

Benno Gämperle
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Waschechter Berner: Dänu Wisler in einem Übungsraum der Arts Ministry School in Walzenhausen – beobachtet vom Wandbild des Gitarristen Stevie Ray Vaughan. (Bild: gä)

Waschechter Berner: Dänu Wisler in einem Übungsraum der Arts Ministry School in Walzenhausen – beobachtet vom Wandbild des Gitarristen Stevie Ray Vaughan. (Bild: gä)

Walzenhausen. Alter: 44. Zivilstand: verheiratet mit Viviane, drei Söhne. Berufe: Musiker, Schulleiter, Theologe, Familienvater – und «Berner». «Wenn ich Songs komponiere, dann auf Berndeutsch», sagt Dänu Wisler. Und Lieder schreibt er oft und gerne. «Ein guter Song ist ein Film für die Ohren», sagt er, «der Songwriter ist der Regisseur, jedes Wort im Text eine Kameraeinstellung.» Und die Bilder? Die würden im Kopf der Zuhörer entstehen.

Man teste selbst: «I d Chäsi mit äm Hung» oder «Dr Himu het dr Blues», heissen zwei Stücke auf Dänu Wislers CD «D Jahr hei Flügu». Es stimmt: Die Bilder dazu stellen sich schon beim Lesen der Songtitel ein, erst recht aber beim Hören der Stücke.

Gesucht, gefunden

Wie aber kommt ein waschechter Berner ins Appenzeller Vorderland und wird hier mit seiner Familie sesshaft? «Wir suchten nach einer geeigneten Liegenschaft für unsere Schule – und wurden am Sonnenberg in Walzenhausen relativ rasch fündig», erklärt Dänu Wisler.

Das war im Jahr 2000. Mit Schule meint Wisler die Arts Ministry School (AMS), die er zusammen mit seiner Frau Viviane damals gründete und die er seither mit ihr zusammen leitet (siehe «Stichwort»).

Geboren worden und aufgewachsen ist Wisler in Sumiswald im Emmental. Heimweh? «Ich bin schon früher viel umgezogen, lebte einige Jahre in Spanien», gibt er indirekt Antwort auf die Frage.

Die Ostschweiz habe ihm schon vor dem Herzug gut gefallen, die hügelige Landschaft des Appenzellerlandes, dessen Musik, der weite Blick vom Vorderland über den Bodensee. Und zudem: Der Alpstein! «Dort klettere ich oft und gerne.»

«Super Beziehung»

Inzwischen, so ist der Musiker überzeugt, seien er und seine Familie in Walzenhausen gut integriert.

Möglicherweise habe die Dorfbevölkerung schon eine gewisse Zeit gebraucht, um «mit uns warm zu werden», was vielleicht auch mit der Vorgeschichte der Liegenschaft am Sonnenberg zu tun habe. Dass er und seine Familie heute eine «super Beziehung» zu den Walzenhauserinnen und Walzenhausern hätten, hänge sicher auch mit seiner Musik – genauer gesagt: mit diversen Auftritten im Dorf – zusammen.

«Wichtiger Teil meines Lebens»

Die Musik begleitet Dänu Wisler, seit er denken kann. «Musik war auch dann ein wichtiger Teil meines Lebens, wenn ich die Prioritäten mal auf anderes legte», sagt er, «durch die Musik habe ich über mich selbst viel Erkenntnis gewonnen.» Den Mut allerdings, ganz von der Musik zu leben, habe er auch nach einigen Semestern Studium an der Jazzschule Luzern nicht gehabt.

Theologie hat er studiert, als Jugendpastor gearbeitet oder als Jugendarbeiter im Hafenviertel einer spanischen Stadt. Heute bindet er all diese Fähigkeiten in seinen Alltag ein, einen Alltag, der seiner Familie gehört, der Tätigkeit als Schulleiter der AMS – «ich unterrichte dort Gitarre, Rhythmik und Bandcoaching und gebe Songwriting-Workshops» – sowie dem Komponieren, Arrangieren und Produzieren seiner eigenen Musik.

Unterhaltende Süffigkeit

Inzwischen hat Dänu Wisler die Gitarre geholt und spielt ein paar Takte. «Ab und zu spiele ich auch Alphorn oder Bass oder Percussion», sagt er, «aber die Gitarre ist mein Hauptinstrument.» Und auch wenn seine eigene Band – Markenzeichen: «Satter Berner Mundartrock» – nach wie vor existiere, wende er sich heute vermehrt anderen Stilrichtungen wie Folk, Bluegrass oder Flamenco zu, gespielt nicht auf der E-, sondern der akustischen Gitarre. Er arbeite stetig darauf hin, dass seine Musik «etwas Spezielles sei», verrät der gebürtige Berner.

Dieses Ziel verfolgt er mit Solo-Auftritten, aber auch im Trio mit «Rio Grappa» oder im Duo mit Peter Fürst; mit Letzterem stellt Wisler derzeit ein Programm zusammen. «Unterhaltende Süffigkeit mit eigenständigen Einlagen; das Publikum soll Musik hören, die es so noch nie gehört hat», umschreibt der Musiker seine Arbeit. Wer mehr hören will, der klicke sich in den Download-Bereich auf seiner Homepage oder besuche einen seiner Auftritte.

Tönender Jugendroman

Bereits erschienen ist eine ganz andere Hörprobe Wisler'scher Art. Denn dem seit Herbst 2009 erhältlichen fünften Band der Jugendroman-Reihe «Maya und Domenico» der Basler Schriftstellerin Susanne Wittpennig ist eine CD mit ein paar zum Buch passenden Liedern und Melodien beigelegt. «Spontaneous Inspirations (Hendriks Song)» heisst die Instrumentalnummer, die Dänu Wisler dem Brunnen-Verlag für die genannte CD zur Verfügung stellte – und die sich inzwischen Tausende Jugendlicher im deutschsprachigen Raum angehört haben dürften.

Denn glaubt man den Informationen auf der Homepage der Schriftstellerin, ging das Buch samt CD weg wie warme Weggli; schon zehn Tage nach Veröffentlichung seien fast 9000 Exemplare verkauft gewesen.

«Spontaneous Inspirations» ist nicht der Titelsong dieser «Maya und Domenico»-CD. «Der Verlag hat mich angefragt, den Titelsong <Fly Brother fly> (Flieg Bruder flieg) zu komponieren. Ich habe abgelehnt», so Dänu Wisler. Grund sei gewesen, dass er keine Songs auf Hochdeutsch machen wolle.

«Meine Sprache ist das Berndeutsch.» Und das wird selbst in Walzenhausen «gäng» so bleiben.

www.daenuwisler.ch Susanne Wittpennig: Maya und Domenico – Schatten der Vergangenheit, Brunnen-Verlag, ISBN 978-3-7655-4082-0

Bild: Benno Gämperle

Bild: Benno Gämperle

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