«Bachforellen sind scheue Tiere»

Klaus Signer aus Stein war einer der ersten mit einer Bio-Bachforellenzucht gemäss Knospe von Bio Suisse. Heute vermarktet er rund 3000 dieser Fische pro Jahr. Die Tiere werden vorwiegend an die Gastronomie und an Privatpersonen verkauft.

Martin Brunner
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Klaus Signer nimmt die Bachforellen selber aus.

Klaus Signer nimmt die Bachforellen selber aus.

STEIN. Die Bachforellen zeigen sich nicht gerne. Entweder sie schwimmen tief im Wasser oder sie verstecken sich. Sie sind farblich perfekt an ihre Umgebung angepasst, so dass sie selbst im Zuchtbecken von Klaus Signer in Stein kaum auszumachen sind. «Die Bachforellen sind scheue Tiere und tarnen sich, sobald sich ihre Umgebung verändert», erzählt er. «Im Becken sind sie dunkel. Nehme ich sie in einen weissen Eimer, so wechseln sie ihre Farbe innert einiger Minute zu Silbergrau.»

18 Kilo pro Kubikmeter

Die Arbeit mit den Fischen ist für Klaus Signer nach wie vor ein Hobby. Er füttert sie täglich von Hand mit Biofutter, kontrolliert das sprudelnde Wasser, das für den Sauerstoff im Teich sorgt, und reinigt die Becken. Er verwendet Biofutter, in dem keine Wachstumsförderer, keine Antibiotika und keine Farbstoffe enthalten sind. Rund 18 Kilo Fisch hält er pro Kubikmeter Wasser, was immer noch den Biovorschriften entspricht, obwohl er die Knospe abgegeben hat. Die Jungfische bezieht er im Alter von vier bis fünf Monaten von Fredi Rüesch in Montlingen. Die Tötung erfolgt rasch und möglichst schmerzlos. «Ich beschäftige mich lieber mit den Tieren und der Natur, als Ferien zu machen», sagt er schmunzelnd. «Zum Beruf soll mein Hobby aber nicht werden.»

Spontaner Entscheid

Begonnen hat Klaus Signer mit der Fischzucht vor 15 Jahren. Möglich war dies, weil eine eigene Quelle mit 110 Litern pro Minute reichlich Wasser liefert und weil Signers Freude an der Natur ständig wuchs. «Als Knabe drehte ich in der Kiesgrube meines Grossvaters mit alten Autos meine Runden», erzählt er. «Als Erwachsener stellte ich fest, wie wertvoll dieses Gebiet für die Natur ist.» Weil die Fischerei in den schon damals bestehenden Seen schon immer bestanden hatte, kam er eines Tages spontan zusammen mit einem Kollegen auf die Idee der Fischzucht in Bioqualität. Nach dem langwierigen Zertifizierungsverfahren erhielt er im Jahr 2000 tatsächlich die Bio-Knospe. «Damit waren meine Helfer und ich die ersten, die damals Bio-Bachforellen züchteten.»

Steiniger Weg

Einfach wurde es nicht, weil sich kaum jemand auskannte in der Fischzucht und Signer seine Erfahrungen selber sammeln musste. Er setzte die Fische zum Beispiel in einem der drei bestehenden Seen aus, brachte sie danach aber fast nicht mehr aus dem Wasser. Sechs kleine Zuchtweiher mussten deshalb her, mit einer Besatzung von 20 000 bis 30 000 Fischen. Das funktionierte. «Schnell merkten wir aber, dass diese Grösse im Hobbybetrieb zeitlich gar nicht zu bewältigen ist», erzählt er. «Dazu kam, dass uns Fische starben und die Weiher zweimal von Fremden geleert worden waren.» Er verkleinerte deshalb die Zucht und verlegte sie in die Nähe des Wohnhauses. Rund 3000 junge leben im einen, 2000 bis 3000 fangfertige Fische im anderen Zuchtbecken. Letztere verkauft er in der Gastronomie und an Private. Er nimmt die Fische selber aus. Filettieren kann er sie in der Gastronomieküche seines Nachbarn Sepp Dähler. Das Geschäft ist heute zumindest selbsttragend.

So hat sich der List, offiziell Blindenau genannt, immer mehr verändert. Zusätzlich zur Bachforellenzucht leben in den drei Seen Zander, grosse Forellen, Futterfische wie Rotfeder und Schleien. In diesen Seen wird nur einzeln gefischt. Dazu kommen Schweizer Edelkrebse, die auch zum Geschäft gehören. Ein Teil des Gebietes soll neu ein Naturschutzgebiet des Kantons Appenzell Ausserrhoden werden. Denn Gelbbauchunken, Geburtshelferkröten, verschiedene Salamanderarten, Eisvögel, Milane, Fischreiher kommen vor. Ausserdem hat Signer 34 Hochstammobstbäume wie Kastanien-, Aprikosen-, weisse Zwetschgen-, weisse und orange Pflaumen-, Kirschen-, Apfelbäume und vieles mehr von Pro Specie Rara gepflanzt.

Erst kürzlich hat der Steiner Klaus Signer seine Zuchtbecken fertig ausgefischt. (Bilder: Martin Brunner)

Erst kürzlich hat der Steiner Klaus Signer seine Zuchtbecken fertig ausgefischt. (Bilder: Martin Brunner)

Im See leben unter anderem Zander, grosse Forellen und Futterfische.

Im See leben unter anderem Zander, grosse Forellen und Futterfische.

Die Edelkrebse gedeihen in den Seen sehr gut.

Die Edelkrebse gedeihen in den Seen sehr gut.