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Bach und mehr – mit Leib und Seele

Im Wattwiler «Klösterli» spielte die junge Cellistin Chiara Enderle ein Soloprogramm. Das Programm wurde zur Demonstration dessen, was musikalischer Gestaltungswille vermag – und wie der Wille sich auf den Nachwuchs auswirkt.
Peter Küpfer
Solistin Chiara Enderle. (Bild: alttoggenburger)

Solistin Chiara Enderle. (Bild: alttoggenburger)

WATTWIL. «Ich hätte mir keinen schöneren Ort vorstellen können, um Bach-Suiten zu spielen.» Mit diesem Bekenntnis eröffnete die junge, bereits international mit beachtlichen Preisen ausgezeichnete Solistin Chiara Enderle ihr Konzert in der Klosterkirche St. Maria der Engel. Die herrliche Barockkirche war im Schiff bis zum letzten Platz besetzt. Die Solistin überzeugte nicht nur durch ihr ausgereiftes Spiel, sondern auch durch ihre ausdrucksstarke Mimik und Körpersprache. Sie wirkte zeitweise wie verwachsen mit ihrem Instrument.

Ausgeloteter Bach

Schon die Eröffnung mit Bachs Suite Nr. 4 in Es-Dur (BWV 1010) war ausgereift. Hier wurde Bach in seiner atemraubenden Dynamik wiedergegeben, Note für Note, Lauf für Lauf. Oft waren die tiefen Grundtöne das betont herausgehobene Gerüst, über das flinke Läufe und tänzerische Variationen hinwegstürmten wie aufgewirbelte Kirschblüten im Frühlingssturm.

Man glaubte es der Interpretin, dass für sie Bachs Suiten in der abschliessenden 6. kulminierten (BWV 1012). Hier war noch einmal alles vereint: Tiefgang und Jubel, choralhafte Frömmigkeit und tänzerischer Glaube an das Heil. Diesen Spannungsbogen hielt die Interpretin in jedem Detail durch. Fast dumpf vibrierten die dunklen, tiefen Töne – mit grosser Energie und Intensität zum Klingen gebracht – in ihrer Kraft und ihrem Gebrause die Orgel imitierend. Darüber erhoben sich violinhafte Melodien und Kapriolen, in Tempo und Geschmeidigkeit ausgelassene Tänze evozierend, bald als Echo, bald als neuer Impuls.

Die ganze Welt im Cello

Die beiden Bach-Suiten rahmten moderne und zeitgenössische Kompositionen ein. Da war die Suite von 1926 von Gaspar Cassadò, Schüler von Pablo Casals. Gleich vom ersten Satz an war man hier mit dessen ganzer iberischer Leidenschaft konfrontiert. Die Sardana war ein entfesselter Tanz, im abschliessenden Intermezzo und Danza finale hörte man nicht nur aufpeitschende Gitarrenklänge, sondern auch sehnsüchtige Violinen. Ein ganzes Klanguniversum intonierte die Cellistin mit Krysztof Pendereckis Capriccio per Siegfried Palm aus dem Jahr 1968.

Trotz ihrem einleitendem Hinweis auf die Kompromisslosigkeit dieser Komposition musste man noch bestehende Rest-Erwartungen in Richtung Harmonie oder zumindest Musikalität zurückschrauben. Hier imitierte das Instrument kreischende Sägegeräusche so gut wie knirschende, schlecht geölte Zahnräder, der ganze Hexenkessel übertönt von schrillen Klängen, wie Etuden eines Violinanfängers aus dem obersten Stock eines Reihen-Mehrfamilienhauses. Die tonale Bandbreite des Instruments und die technische Ausgefeiltheit der Interpretin faszinierten. Als Zugabe trat die Solistin zusammen mit acht jungen Nachwuchstalenten aus der Kanti Wattwil auf.

Chiara Enderle hatte dort in der Woche vor dem Konzert ein Atelier für Musikschülerinnen und Musikschüler angeboten. Zusammen mit ihnen hatte sie ein melodiöses Stück von Casals einstudiert, das nun den festlichen Abschluss des Konzertes bot. Das Atelier sei auch für sie ein grosses Erlebnis gewesen, sagte die Künstlerin. Sie bedankte sich bei den initiativen Musiklehrkräften der Schule, insbesondere bei Hermann Ostendarp.

Schlussapplaus mit den Cellistinnen und Cellisten des Ateliers an der Kantonsschule Wattwil. (Bilder: Peter Küpfer)

Schlussapplaus mit den Cellistinnen und Cellisten des Ateliers an der Kantonsschule Wattwil. (Bilder: Peter Küpfer)

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