Babysitting à la Grosspapi

Zugegeben, Babies hüten ist nicht unbedingt mein Ding. Die Kleinen können noch nicht Zuhören beim Geschichtenerzählen, sie können auf Fragen noch keine Antwort geben, sie reagieren noch nicht auf ein «Schau, dort!».

Peter Abegglen
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Zugegeben, Babies hüten ist nicht unbedingt mein Ding. Die Kleinen können noch nicht Zuhören beim Geschichtenerzählen, sie können auf Fragen noch keine Antwort geben, sie reagieren noch nicht auf ein «Schau, dort!». Kurz, Babies sind mir zu genügsam mit ihren Grundbedürfnissen Essen und dessen Folgen Schreien und Schlafen. Dennoch war kürzlich ein Hütedienst der jüngsten, kaum zwei Monate alten Enkelin angesagt. Die Liebste, die so gerne die Kleinsten hütet, war zu ihrem Bedauern genau zu diesem Zeitpunkt für eine gute Stunde ausser Haus. «Ist doch kein Problem, mach ich schon alleine», gab ich den umsorgenden Grosspapi. «Am liebsten hat sie den <Flieger>, und zudem ist es ratsam, auf und ab zu gehen, wenn sie getragen wird», verabschiedete sich die Tochter, nachdem sie der Kleinen noch die Windeln gewechselt hatte. Ich nahm sie also bäuchlings auf den Arm und zeigte ihr die Wohnung: Am Büchergestell vorbei, zum Pult mit dem glitzernden Bildschirm, vor dem Mobile im Kinderzimmer verharrend, weiter zum Fenster, wieder zum Büchergestell und so weiter, Runde um Runde. Als ich ein Ziehen im Arm verspürte, setzte ich mich, um die Verkrampfung zu entspannen, was offensichtlich keine gute Idee war, die Kleine verlangte Bewegung. So wiederholte ich denn das Programm nochmals von vorne. Nach der gefühlt zehnten Wiederholung schien mir, dass die Körperspannung der Kleinen nachlasse, der Atem ging ruhiger, das Köpfchen kaum noch in Bewegung. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir dann, dass sie die Augen geschlossen hatte und offenbar in tiefen Schlaf verfallen war. Jetzt war endlich Gelegenheit, im Relaxsessel etwas zu entspannen. «Ein Bild für Götter!», hörte ich weit entfernt die Stimme meiner Liebsten und schlug die Augen auf. «Was, du bist schon zurück?» – «Wie war's?» – «Völlig problemlos, wir haben es richtig genossen zusammen», antwortete ich, mit der Kleinen immer noch auf dem Arm. Der Duft, der sich von dort verbreitete, war dann allerdings weniger genussvoll: ein klarer Fall für Grosi.