Baby im Bauch – Vokabeln im Kopf

Die Organisation Arge Integration Ostschweiz bietet in Wil neu den Kurs «Deutsch rund um die Geburt» für Migrantinnen an. Er soll helfen, Sprachbarrieren abzubauen und damit die Gesundheit von Mutter und Kind zu verbessern.

Ursula Ammann
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Im Kurs «Deutsch rund um die Geburt» werden verschiedene Themenbereiche behandelt – von der Vorsorgeuntersuchung bis zur Verhütung. (Bild: Themenbild: fotolia)

Im Kurs «Deutsch rund um die Geburt» werden verschiedene Themenbereiche behandelt – von der Vorsorgeuntersuchung bis zur Verhütung. (Bild: Themenbild: fotolia)

WIL. Ob Komplikationen in der Schwangerschaft, Fehlbildungen oder ein zu tiefes Geburtsgewicht: Um die Gesundheit von Neugeborenen und Müttern mit Migrationshintergrund steht es erwiesenermassen schlechter als um jene von Schweizerinnen und ihren Babies. Grund dafür sind oft sprachliche Barrieren, die Ausländerinnen den Zugang zu Informations- und Beratungsangeboten erschweren. Das Staatssekretariat für Migration SEM hat deshalb ein Projekt für Sprachkurse im Bereich Schwangerschaft/Geburt/Frühe Kindheit initiiert. In der Westschweiz wurde bereits eine erste Pilotphase durchgeführt.

Mit Kinderbetreuung

Im Auftrag des SEM bietet auch die Organisation Arge Integration Ostschweiz einen Kurs an – unter dem Titel «Deutsch rund um die Geburt». Er findet voraussichtlich ab dem 1. September im alten Zeughaus in Wil statt. Dass Arge den Kurs ausgerechnet in der Äbtestadt durchführt, liegt einerseits daran, dass hier Deutschkurse für Eltern mit gleichzeitiger Kinderbetreuung seit Jahren zum festen Kursangebot gehören. Anderseits pflegt die Organisation eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt.

Tabus ansprechen

Im Kurs üben die Teilnehmerinnen verschiedene Handlungsszenarien – seien es Vorsorgeuntersuchungen vor und nach der Geburt oder die Spitalanmeldung. Geplant ist auch die Einbindung von Fachpersonen, wie beispielsweise der Hebamme, der Kinderärztin oder der Mütter-Väter-Beraterin. «Auch die Besichtigung des Gebärsaals gehört dazu», erklärt Arge-Schulleiterin Nelly Langenegger. Ziel ist es, dass die Frauen die wesentlichen sprachlichen Begriffe rund um die Geburt kennen und anwenden können. Zudem erfahren sie, an welche Beratungsstellen sie sich wenden können. Auch Themen wie Schwangerschaftsbeschwerden, Krisen nach der Geburt oder Verhütung werden angegangen, falls die Teilnehmerinnen das wünschen. Dabei gelte es, kulturelle Unterschiede zu berücksichtigen, sagt Nelly Langenegger. So wisse man beispielsweise, dass die Anzahl der Abtreibungen bei Migrantinnen höher sei wie bei Schweizerinnen, weil sie, nebst anderen Faktoren, weniger Zugang zu Verhütungsmitteln haben. «Auch solche Tabus können wir im Kurs achtsam ansprechen und bei Bedarf auch eine interkulturelle Dolmetscherin einsetzen», sagt Nelly Langenegger. Grundsätzlich stimme man den Kursinhalt aber immer auch auf die Bedürfnisse der Teilnehmerinnen ab. Unterstützt wird das Kursangebot vom Bund, dem Kanton St. Gallen und der Stadt Wil. Ob der Startschuss bereits am 1. September fällt, ist noch unklar, da für die Durchführung noch zusätzliche Anmeldungen erforderlich sind.

Infos und Anmeldung: www.integration-sg.ch, sekretariat@integration-sg.ch oder 071 228 33 99