«Babelis» Geburtshaus steht noch

Das frühere Bauernhaus im Bendel, das Ende August abgebrannt ist, darf wiederaufgebaut werden, obwohl es als Ferienhaus diente und obwohl es in der Landwirtschaftszone liegt. Das Raumplanungsgesetz und die Zweitwohnungs-Initiative gewährleisten den Bestandesschutz.

Martin Knoepfel
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EBNAT-KAPPEL. Am frühen Mittwochmorgen des 28. August brannte ein ehemaliges Bauernhaus mit angebauter Scheune im Bendel in der Gemeinde Ebnat-Kappel weitgehend nieder (Toggenburger Tagblatt vom 29. August). Das Haus diente zuletzt als Ferienhaus.

Zwei Häuser kommen in Frage

Die Vermutung wurde laut, es handle sich beim abgebrannten Gebäude um das Geburtshaus der bekannten Bauernmalerin Anna-Barbara Aemisegger-Giezendanner, genannt «Babeli». Das dürfte jedoch falsch sein. Davon jedenfalls ist der Wattwiler Hans Büchler, früherer Geschichts- und Lateinlehrer an der Kantonsschule und Autor der Biographie von Anna-Barbara Aemisegger-Giezendanner, überzeugt. Büchlers Biographie ist 2004 im Toggenburger-Verlag erschienen. Als Geburtshaus von «Babeli» kämen zwei Häuser in der unmittelbaren Nachbarschaft in Frage, sagt Büchler.

Büchlers Werk kann man weiter entnehmen, dass Josef und Anna-Barbara Giezendanner zwei Häuser im Bendel besassen. In welchem ihre Tochter Anna-Barbara 1831 geboren wurde, ist nicht bekannt. Sicher ist hingegen, dass die spätere Künstlerin nur kurz im Bendel lebte: Als sie erst einjährig war, zügelten die Eltern in eine andere Liegenschaft im Steintal in Ebnat.

Stichtag im Jahr 1972

Auf den ersten Blick sieht das abgebrannte Haus irreparabel beschädigt aus. Die angebaute Scheune ist nur noch als Skelett erkennbar. Doch darf man überhaupt neu bauen? Das Gebiet Bendel ist Landwirtschaftszone. Dort dürfen lediglich Bauern bauen. Neue Ferienhäuser sind hingegen nicht mehr erlaubt, Erstwohnungen für Nicht-Bauern ebenso wenig.

Der Kanton ist zuständig für die Bewilligung von Bauten ausserhalb der Bauzonen. Jakob Ruckstuhl ist Leiter der Abteilung für Bauen ausserhalb der Bauzonen im Amt für Raumentwicklung und Geoinformation.

Er hat das Dossier noch nicht gesehen. Wesentlich sei, ob das Haus vor oder nach 1972 erstellt worden sei. Anfang 1972 brachte das Gewässerschutzgesetz die Trennung von Baugebiet und Nichtbaugebiet. Die Bestandesgarantie erlaube den Wiederaufbau zerstörter Gebäude aus der Zeit vor 1972.

Abweichungen möglich

Man müsse ein altes Haus nicht in jedem Fall so aufbauen, wie es vor der Zerstörung ausgesehen habe, sagt Ruckstuhl. Abweichungen seien möglich, zum Beispiel, wenn das Landschaftsbild verbessert werde. Man müsse schauen, ob das Gebäude nach 1972 verändert worden sei.

Wenn das Haus nach 1972 erbaut worden sei, komme es unter anderem darauf an, ob es der Ersatz für ein älteres Gebäude war oder nicht. Ausnahmsweise sei ein Wiederaufbau möglich. Denkbar sei ebenfalls, dass künftig wieder ein Bauer das Haus als Wohnhaus nutze.

Zweitwohnungs-Initiative gilt

Bendel liegt in der Gemeinde Ebnat-Kappel, und die fällt ganz knapp in den Geltungsbereich der Zweitwohnungs-Initiative. Der Erstwohnungsanteil beträgt gemäss Bundesamt für Statistik 79 Prozent. 80 Prozent müssten es mindestens sein.

Die Verordnung über die Zweitwohnungen gewährt Wohnungen, welche am 11. März 2011 schon bestanden, grundsätzlich einen sogenannten Bestandesschutz. Das antwortet der Jurist und Raumplaner Thomas Kappeler, Sektionschef im Amt für Raumentwicklung.

Der Bestandesschutz bedeute, dass auch in Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil über 20 Prozent ein Ersatzbau erstellt werden dürfe. Das gelte insbesondere, wenn der Altbau durch ein Feuer zerstört wurde. Der Ersatzbau dürfe ebenfalls als Zweitwohnung genutzt werden.

Ähnliche Gestaltung

Die Bruttogeschossfläche des Ersatzbaus dürfe jedoch nicht grösser sein als die des zerstörten Gebäudes, hält Kappeler fest. Der Ersatzbau sollte zudem vom Aussehen her ähnlich sein wie der zerstörte Bau, zum Beispiel in bezug auf die Zahl der Stockwerke oder auf die Dachform. Wenn ein Haus ein Giebeldach hatte, dürfe man beim Wiederaufbau nicht einfach ein Flachdach erstellen.

Die Verordnung über die Zweitwohnungen gilt, bis das entsprechende Gesetz in Kraft tritt. Das ist im Moment in der Vernehmlassung. Hier gibt es gemäss Kappeler zwei Varianten bei der Nutzung von Zweitwohnungen aus der Zeit vor dem 11. März 2011. Die eine entspricht etwa der Verordnung über die Zweitwohnungen, die andere ist strenger.