Baba Dunjas letzte Liebe

«Wenn ich mich in meinem Alter noch über Menschen wundern würde, käme ich nicht mehr zum Zähneputzen.» Alina Bronsky lässt in ihrem neuen Roman eine untergegangene Welt wieder auferstehen.

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«Wenn ich mich in meinem Alter noch über Menschen wundern würde, käme ich nicht mehr zum Zähneputzen.» Alina Bronsky lässt in ihrem neuen Roman eine untergegangene Welt wieder auferstehen. Komisch, klug und herzzerreissend erzählt sie die Geschichte eines Dorfes, das es nicht mehr geben soll– und einer aussergewöhnlichen Frau, die im hohen Alter ihr selbstbestimmtes Paradies findet.

Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 29 Jahren ist die ehemalige Krankenschwester Baba Dunja die erste, die wieder in ihr eigenes Haus in der Todeszone zurückkehrt. Dieser unkonventionelle Schritt macht die betagte Frau weithin bekannt, ihrem Beispiel folgen weitere Nachbarn wie etwa der sterbenskranke Petrov und die schroffe Melkerin Marja, die schliesslich einen Heiratsantrag des fast hundertjährigen Sidorow annimmt. Sie leben friedlich nebeneinander, verbunden durch das Schicksal der Katastrophe und isoliert von der Aussenwelt. Besucht werden sie nur von Forschern in Schutzanzügen, die mutierte Pflanzen und Tiere untersuchen, wie etwa die Vögel, die plötzlich lauter singen als anderswo, oder die Spinnen, die ganz eigenartige Netze weben. Für Baba Dunja steht die Zeit still, sie ist mit ihrem Leben zufrieden und geniesst die Ruhe und Langsamkeit in ihrer alten Heimat, einzig der Kontakt zu ihrer Enkelin Laura im fernen Deutschland fehlt ihr.

Als auf einmal ein Fremder mit seiner kleinen Tochter im Dorf auftaucht, gerät die labile Schicksalsgemeinschaft aus dem Gleichgewicht. Baba Dunja handelt einmal mehr mutig und entschlossen, und bald scheint für sie das Paradies, das sie zurückerobert hat, wieder verloren.

Der Roman von Alina Bronsky ist eine Lebensgeschichte, die vor einem doch tragischen, historischen Hintergrund für den Leser auch viel Humoristisches und Poetisches bereithält.

Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe, Roman, Kiepenheuer & Witsch, 160 Seiten Stadtbibliothek Wil Öffnungszeiten: Montag geschlossen Dienstag 9 bis 19 Uhr, durchgehend Mittwoch 14 bis 18 Uhr Donnerstag 9 bis 11 Uhr und 14 bis 18 Uhr Freitag 14 bis 18 Uhr Samstag 8.30 bis 13 Uhr www.stadtwil.ch/bibliothek

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