Autopilot an die Macht

Wenn einem das Blut in den Adern gefriert

Patrik Kobler
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Glück gehabt, nichts passiert. (Bild: PK)

Glück gehabt, nichts passiert. (Bild: PK)

Nicht bei allen sorgt die Aussicht auf selbstfahrende Autos für Begeisterung. Schliesslich ist man hinter dem Steuer noch König. Vielleicht ist es aber gar nicht so schlecht, wenn der Computer die Regentschaft übernimmt. Denn im Strassenverkehr tummeln sich viele fragwürdige Zeitgenossen. Alleine an der Kasernenstrasse im beschaulichen Herisau lassen sich beinahe täglich Situationen beobachten, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Beispiele aus dieser Woche: Es ist Morgen, kurz vor Schulbeginn, viele Kinder sind unterwegs, vor dem Fussgängerstreifen beim Schulhaus Landhaus (!) hält ein Auto, das nächstfolgende Fahrzeug bremst nicht etwa ab, sondern überholt, während zwei Kindergärtler die Strasse überqueren... Liebe Mobiliar, Glück gehabt – nichts passiert.

Anderer Tag, 200 Meter weiter vorne Richtung Sportzentrum. Der Bus hält bei der Haltestelle «Kaserne», ein Auto überholt an der Mittelinsel beim Fussgängertreifen vorbei den Bus sowie die wartenden Autos.

Anderer Tag, 100 Meter weiter vorne: Ein Fahrzeuglenker beabsichtigt vom Dorf herkommend, links zum Militärparkplatz abzubiegen. Statt 30 Sekunden abzuwarten überholen die nachfolgenden Fahrzeuge rechts via Trottoir. Die Liste liesse sich fortsetzen. Verlieren diese ungeduldigen Autofahrer wenigstens den «Check», wenn sie von der Polizei erwischt werden? Gemäss Polizeisprecher Marcel Wehrlin hätte dieses Verhalten eine Verzeigung bei der Ausserrhoder Staatsanwaltschaft samt Busse oder sogar Ausweisentzug zur Folge. Denn an der Mittelinsel vorbei zu überholen, sei genauso verboten, wie aufs Trottoir auszuweichen. Es komme vor, dass Leute wegen solcher Rechtswidrigkeiten verzeigt würden, sagt Marcel Wehrlin.

Aber selbstverständlich kann die Polizei nicht immer und überall zum Rechten schauen. Vielmehr wäre der gesunde Menschenverstand gefragt, aber dieser scheint bei manchen hinter dem Steuer stark eingeschränkt.

Eine verkehrsberuhigende Massnahme konnte dieser Tage übrigens auch beobachtet werden. Bei einer Bushaltestelle wartete eine junge Frau mit langen Beinen und kurzem Rock. Die Geschwindigkeit der Fahrzeuge verringerte sich wie von Zauberhand auf gefühlte 20 Stundenkilometer.

Patrik Kobler

patrik.kobler@appenzellerzeitung.ch