AUTONOM: Lokführer ausrangieren

Der technologische Fortschritt macht auch vor dem Personenverkehr nicht Halt. Die Südostbahnen planen die ersten Tests von selbstfahrenden Zügen. Bei den Appenzeller Bahnen setzt man vorerst noch auf den traditionellen Lokführer.

Jonas Manser
Drucken
Teilen
Das «Smart Shuttle» dreht seine Runden. (Bild: Manuel Lopez/Keystone)

Das «Smart Shuttle» dreht seine Runden. (Bild: Manuel Lopez/Keystone)

Jonas Manser

jonas.manser

@appenzellerzeitung.ch

Die Zukunft ist jetzt. Was vor einigen Jahren noch als Träumerei galt, ist und wird bald schon zur Wirklichkeit. Im Wallis gibt es bereits selbstfahrende Postautos, in Zug werden autonome Busse Teil des Fahrplans, und die Südostbahn (SOB) plant einen Testversuch mit einem Zug ohne Lokführer auf der Strecke Mogelsberg und Wattwil.

Im vergangenen Jahr kündigte Thomas Küchler, Direktor der Südostbahn, einen Pilotversuch an. Nun wird es ein wenig konkreter: Es sollen auf normalen Bahnstrecken selbstfahrende Züge eingesetzt werden. Bis spätestens 2020 sollen zwischen Mogelsberg und Wattwil die roten Flirt-Züge ohne Lokführer die Strecke bedienen. Neue Züge seien dabei nicht nötig, die bestehenden Lokomotiven können mit neuer Technologie ausgerüstet werden. Markus Barth, Leiter Infrastruktur und Mitglied der Geschäftsführung der SOB, sieht auch für die Kunden einen Vorteil darin. Durch die Automatisierung würden die Züge pünktlicher fahren, und die Wendezeiten an den Endbahnhöfen würden sich verkürzen.

Details zu den ersten Testfahrten werde die Südostbahn in den nächsten paar Wochen an einem Presseanlass bekannt geben, sagt Tim Büchele, Mediensprecher der SOB, gegenüber der «Appenzeller Zeitung». In der Schweiz werden bereits Züge ohne Lokführer am Flughafen Zürich und in der Lausanner U-Bahn betrieben. Im Gegensatz zum geplanten selbstfahrenden Zug der SOB verkehren diese jedoch in einem geschlossenen System. Es besteht dort keine Gefahr vor Gleisüberschreitungen oder Zügen, die sich auf dem Weg kreuzen.

Auch zukünftig mit Lokführer

Bei den Appenzeller Bahnen (AB) sind im Moment keine selbstfahrenden Züge geplant, teilt die stellvertretende Mediensprecherin Sabrina Huber mit. Auf den grössten Linien (Gossau–Appenzell–Wasserauen sowie Trogen–St. Gallen–Appenzell) werde ab 2018 eine komplett neue Zugflotte in Betrieb genommen. Die neuen Züge seien für den Betrieb mit Lokführer konzipiert und würden rund 25 Jahre im Einsatz sein.

Bezüglich der potenziellen Vorteile einer Automation seien sich die AB nicht sicher, ob die Personaleinsparungen auch wirklich im Verhältnis stünden. Die Appenzeller Bahnen sehen keinen Grund, ihre Lokführerinnen und Lokführer zu ersetzen, denn im persönlichen Kontakt zur Kundschaft liege eine Chance für die AB. Sie würden auf den touristischen Linien auch oft als Ansprechperson für unter anderem Reiseauskünfte oder Billette fungieren. Was die Sicherheit von selbstfahrenden Zügen anbelange, so hänge diese nicht nur vom Fahrzeug ab, sondern auch vom Überwachungssystem und vom Streckennetz.

Bereits erste Shuttlebusse im Einsatz

Nicht nur auf Schienen wird ohne Chauffeur gefahren: Im Walliser Hauptort Sitten läuft seit dem Sommer 2016 der Testbetrieb des «Smart Shuttle» der Schweizerischen Post in Zusammenarbeit mit dem Mobility Lab Sion-Valais. Zwei autonome Postautos sind auf einer eineinhalb Kilometern langen Rundstrecke unterwegs. Die Benutzung der gelben «Roboterbusse» ist kostenlos.

In Zug werden die SBB ab diesem Sommer zwei selbstfahrende Shuttlebusse testen. Mit der Unterstützung des Bundesamtes für Strassen werden die schwarz-weissen, viereckigen Fahrzeuge mit dem Namen «Olli» in den normalen Busfahrplan eingebunden. Vorerst solle «Olli» an definierten Haltestellen zwischenhalten. Später sollten Fahrgäste innerhalb eines Gebietes an beliebigen Orten den Halt verlangen können. Das Projekt wird im nächsten Jahr in die zweite Phase übergehen. Ende 2018 wird entschieden, ob «Olli» definitiv in das Zuger ÖV-Netz integriert werden soll.