Urnäsch
«Konservativ, eigenständig und eigensinnig»: So ticken die Bewohner des «Schweizer Dorf des Jahres 2022»

Schwellbrunn wurde im Jahr 2017 zum schönsten Dorf der Schweiz gekürt. Nun gewinnt mit Urnäsch erneut eine Gemeinde aus dem Appenzeller Hinterland die Publikumswahl. Die Freude beim Gemeindepräsidenten und bei Vertretern aus Brauchtum und Tourismus ist gross.

Mea McGhee
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Die Gemeinde Urnäsch hat das Rennen um das Dorf des Jahres 2022 gewonnen. Im Bild: das Weinlokal Engel am Dorfplatz.

Die Gemeinde Urnäsch hat das Rennen um das Dorf des Jahres 2022 gewonnen. Im Bild: das Weinlokal Engel am Dorfplatz.

Bild: Reto Martin

Im Wettbewerb um das «Schweizer Dorf des Jahres 2022» hat die Leserschaft der Zeitschriften «Schweizer Illustrierte», «L'illustré» und «La Domenica» Urnäsch von den acht Finalisten Mulegns/Riom, Guarda, Sobrio, Loco-Valle Onsernone, St-Pierre-de-Clages, La Neuveville und Berneck auf den Spitzenplatz gewählt. Gesucht war im diesjährigen Wettbewerb ein Dorf, das über ein besonderes kulturelles Angebot verfügt.

Starke Bindung zu Landschaft und Kultur

Brauchtum und Traditionen leben, Handwerk pflegen – in Urnäsch sind Kunst und Kultur förmlich greifbar. Dies hat die Abstimmenden überzeugt: Urnäsch darf sich ab sofort mit dem Titel «Schweizer Dorf des Jahres 2022» schmücken.

Für Gemeindepräsident Peter Kürsteiner ist die Auszeichnung eine grosse Freude und eine Ehre: «Das Besondere an Urnäsch ist die starke Bindung unserer Dorfbewohner zu Landschaft und Kultur des Appenzellerlandes. Im ganzen Dorf ist eine tiefe Verwurzelung zu spüren.»

Im Hinblick auf den kulturellen Kern, der im Wettbewerb gesucht war, habe Urnäsch vieles zu bieten. Bloch, Alpfahrt und Silvesterchlausen seien authentische Bräuche, deren Fortbestehen gesichert sei. Kürsteiner sagt:

Peter Kürsteiner, Gemeindepräsident Urnäsch.

Peter Kürsteiner, Gemeindepräsident Urnäsch.

Bild: PD
«Die Urnäscher werden in ihrem Charakter oft als konservativ, eigenständig und eigensinnig bezeichnet. Diese Eigenheiten tragen aber auch viel dazu bei, dass sich Traditionen und Brauchtum entwickeln und bis heute halten konnten.»

Die Auszeichnung zum «Dorf des Jahres» sei eine Anerkennung für alle, welche die Traditionen pflegen. Der Gemeindepräsident hofft, dass möglichst viele Betriebe vom gesteigerten Bekanntheitsgrad profitieren können. Ein Rezept, was Urnäsch aus dem Titel herausholen könne, habe der Gemeinderat noch nicht, zumal der Sieg trotz guter Voraussetzungen eine Überraschung sei.

Brauchtumsmuseum als wichtiger Player

Als wichtigen Player nennt Peter Kürsteiner das örtliche Brauchtumsmuseum. «Hier erhalten die Besucherinnen und Besucher in kompakter Form einen guten Einblick ins Brauchtum.»

In der Medienmitteilung zur Bekanntgabe der Siegergemeinde heisst es denn auch: «Hunderte Hauben und Hüte der bekannten Silvesterchläuse sind hier zu bewundern – genau wie 148 Holzkühe, die aus 143 verschiedenen Holzarten geschnitzt wurden.»

Im Brauchtumsmuseum sind die kulturellen Eigenheiten des Dorfes das ganze Jahr über zu erleben. Entsprechend gross ist die Freude bei Geschäftsführerin Monika Steingruber: «Cool, dass es gereicht hat.» Brauchtum und Kultur gehörten zum Dorf. Alpfahrt oder Silversterchlausen würden gelebt und seien nicht inszeniert.

Monika Steingruber, Geschäftsführerin Brauchtumsmuseum Urnäsch.

Monika Steingruber, Geschäftsführerin Brauchtumsmuseum Urnäsch.

Bild: PD
«Viele Anlässe gehören zum Alltag der Bevölkerung, deshalb sind sie authentisch.»

Monika Steingruber hofft, dass sich die Medienpräsenz auch in den Besucherzahlen des Brauchtumsmuseums niederschlagen wird.

Finalisten aus sechs Kantonen

Voller Lob und Freude ist auch Andreas Frey, Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus AR: «Dass Urnäsch die Wahl gewonnen hat, überrascht mich nicht. Die Urnäscher können mobilisieren.» Die Tourismusorganisation habe über die Social-Media-Kanäle die Wahl unterstützt. Die Publizität sei eine tolle Werbung für Urnäsch und das Appenzellerland, ist Frey überzeugt. Er sagt:

«Der Titelgewinn ist durch das Engagement der Bevölkerung möglich geworden, denn in Urnäsch wird das Brauchtum gelebt.»

Dorffest am Donnerstag

Urnäschs Sieg wird am Donnerstagabend, 18. August, gebührend gefeiert. Die Gemeinde lädt mit den Wettbewerbsorganisatoren und Sponsoren die ganze Bevölkerung zu einem Dorffest ein. Um 19 Uhr beginnt der Festakt in der Mehrzweckhalle Au. Anschliessend wird zur musikalischen Unterhaltung durch die Kapelle Alder, das Jodelchörli am Säntis, das Saienchörli, die Alphorn-Virtuosin Lisa Stoll und das Alphorn-Trio Frick gefeiert.

Ein Plakat beim Bahnhof Urnäsch macht auf das Dorffest aufmerksam.

Ein Plakat beim Bahnhof Urnäsch macht auf das Dorffest aufmerksam.

Bild: PD

Schwellbrunn wurde 2017 zum schönsten Dorf der Schweiz gekürt, nun ist Urnäsch Dorf des Jahres. Welche Ortschaft könnte als Nächstes eine Auszeichnung einheimsen? Urnäschs Gemeindepräsident Peter Kürsteiner gibt sich diplomatisch: «Es gibt viele schöne Dörfer, die viel zu bieten haben. Es kommt halt auch auf die Kriterien an.»