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AUSSTELLUNG: Neustart im Musikmuseum

Nadja Haab und Eliane Lepri setzen sich für das Lebenswerk ihres verstorbenen Vaters Fredy Künzle ein. Sie bieten nach wie vor Führungen im mechanischen Musikmuseum an, das dieser vor über 40 Jahren in Lichtensteig gegründet hat.
Anina Rütsche
Nadja Haab (links) und Eliane Lepri führen das mechanische Musikmuseum weiter, das ihr Vater Fredy Künzle in den 70er-Jahren eröffnet hat. Hier präsentieren sie ihr Lieblingsobjekt aus der Sammlung, eine holländische Tanzorgel. (Bild: Anina Rütsche)

Nadja Haab (links) und Eliane Lepri führen das mechanische Musikmuseum weiter, das ihr Vater Fredy Künzle in den 70er-Jahren eröffnet hat. Hier präsentieren sie ihr Lieblingsobjekt aus der Sammlung, eine holländische Tanzorgel. (Bild: Anina Rütsche)

«Eigentlich haben wir gar nie aufgehört», sagt Nadja Haab, und ihre Schwester Eliane Lepri nickt. Die beiden Frauen, 37 und 34 Jahre alt, sitzen im gemütlich eingerichteten Partyraum von «Fredy’s mechanischem Musikmuseum», für das sie seit über einem Jahr verantwortlich sind, und erzählen von früher. Früher, das war beispielsweise in den 70ern, als ihr Vater beschlossen hatte, seine Sammlung an mechanischen Musikinstrumenten aus der Zeit von 1780 bis 1946 öffentlich zugänglich zu machen. Spieldosen, Dreh- und Karussellorgeln sowie Plattenspielautomaten mit riesigen, gelochten Blechplatten gibt es im «Haus zur Frohburg» an der Bürgistrasse zu bestaunen. Früher, das waren auch die 80er-Jahre, als die Geschwister im und ums Museum aufgewachsen sind. Und früher, das war die Zeit, als ihr Vater unzählige Gruppen durch die von ihm eingerichteten Räume führte, Melodien erklingen liess und allerlei Wissenswertes zu den Ausstellungsstücken zum Besten gab.

Im Frühling 2016 aber kam der Schock: Der 62-jährige Fredy Künzle, weit über das Städtli hinaus als Original und Experte in Sachen mechanischer Musik bekannt, wurde leblos in seinem Wohnhaus aufgefunden. Offenbar, so berichteten die Medien, war er gewaltsam zu Tode gekommen. Wenig später nahm die Polizei einen Tatverdächtigen fest. Die Umstände sind der Öffentlichkeit bis heute aber nicht bekannt. Nadja Haab und Eliane Lepri legen Wert darauf, die Privatsphäre der Familie zu wahren. «Es folgte eine traurige und anstrengende Zeit», erinnert sich Eliane Lepri. Und ihre Schwester fügt an: «Für uns stand aber schnell fest, dass diese aussergewöhnlichen Instrumente nicht verstummen dürfen.»

«Am Anfang wurde ich ins kalte Wasser geworfen»

Dass der Betrieb in «Fredy’s mechanischem Musikmuseum» weitergeht, ist seit wenigen Wochen auch dem 16-seitigen Flyer zu entnehmen, den die Schwestern herausgegeben haben. «Neustart» steht als Überschrift auf der Seite, auf der sich Nadja Haab und Eliane Lepri als neue Verantwortliche vorstellen. Während Eliane Lepri nach wie vor hauptberuflich ein Coiffeurgeschäft in Ebnat-Kappel führt, hat Nadja Haab im Museum die Rolle der Chefin übernommen. «Damit komme ich mittlerweile gut klar, aber am Anfang wurde ich einfach ins kalte Wasser geworfen», verrät sie. Im Flyer schreiben die Schwestern, dass ihr Ziel darin bestehe, das Lebenswerk ihres Vaters gemeinsam in die Zukunft zu führen. Nadja Haab kann hier auf ihre Erfahrung setzen, hat sie doch bereits vor zehn Jahren begonnen, Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung zu führen. Seit vergangenem Sommer kann Nadja Haab zudem einen Mitarbeiter aufbieten, der nebenberuflich Rundgänge im Museum anbietet. «Bedarf gibt es hierfür regelmässig, da sich zahlreiche Gäste anmelden und ich als Familienfrau nicht immer vor Ort sein kann.»

Zwei Exotinnen in der Branche

Frauen, junge Frauen obendrein, die sich für mechanische Musik engagieren, sind laut Nadja Haab übrigens selten anzutreffen. «Wir sind Exotinnen. Denn die Branche ist überaltert, es mangelt an Nachwuchs», erzählt sie. Anders als ihr Vater können die Schwestern aber keine Reparaturen an den Instrumenten vornehmen. «Wir dürfen hier aber auf die Hilfe von Vaters Kollegen setzen», hebt Eliane Lepri hervor. Die Anteilnahme nach Fredy Künzles Tod sei innerhalb der Musikszene übrigens sehr gross gewesen. Das habe sich auch am diesjährigen Nostalgietag in Lichtensteig gezeigt, zu dem unter anderem das einst vom Städtli-Original initiierte Drehorgeltreffen gehört. Nadja Haab erinnert sich: «Sogar aus Deutschland und den Niederlanden sind Musikfans angereist. Sie unterstützen uns nach wie vor.»

Führungen als Teil der Verarbeitungsstrategie

Laut Eliane Lepri und Nadja Haab sind die Rückmeldungen der Bevölkerung zum Neustart im mechanischen Musikmuseum durchwegs positiv. Zwar stehe die Sammlung nun unter neuer Führung, aber sonst gehe alles in etwa weiter wie bisher. «Wir sammeln allerdings keine neuen Objekte mehr, wir verkaufen aber auch nichts. Der ursprüngliche Zustand der Ausstellung soll erhalten bleiben.» Für Nadja Haab ist ihre Tätigkeit als Museumsleiterin ausserdem eine Möglichkeit, das Erlebte zu verarbeiten: «Hier in der Ausstellung erinnere ich mich immer an unseren Vater. Er ist an diesem Ort so präsent, dass man meinen könnte, er käme sicher bald lachend zur Tür herein.»

«Fredy’s mechanisches Musikmuseum» ist für Einzelpersonen ab fünf Eintritten immer am letzten Samstag und Sonntag im Monat von April bis Dezember geöffnet. Eine Besichtigung ist nur mit Führung möglich. Für Gruppen ab zwölf Personen kann eine Führung jederzeit nach Voranmeldung unter kultur@fredys-mech-musikmuseum.ch gebucht werden. Weitere Infos unter www.fredys-mech-musikmuseum.ch, Telefon 071 988 37 66.

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