Aussichten für die Schweizer Wirtschaft

KIRCHBERG. Kürzlich fand das traditionelle Herbstgespräch der Clientis Bank Toggenburg im Restaurant Toggenburgerhof statt. Dieses Mal war eine bekannte Grösse aus der Wirtschaft zu Gast: Beat Kappeler. Der Anlass war wie immer mit rund 150 Personen gut besucht.

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Beat Kappeler referierte am Herbstgespräch anschaulich. (Bild: pd)

Beat Kappeler referierte am Herbstgespräch anschaulich. (Bild: pd)

Der freie Wirtschaftsjournalist und Buchautor Beat Kappeler vermochte dem Publikum ein schwieriges Thema anschaulich und verständlich zu machen. Auch nach dem Referat wurde er noch bis 21.30 Uhr belagert und befragt. «In der Region Bern ist das Publikum selten so offen und stellt so viele intelligente Fragen», lobte er im Anschluss.

Gefühlter Aufschwung

Kappeler hielt fest, vielleicht stünde man derzeit, was die Schweizer Wirtschaft angehe, an einer gewissen Trendwende, nicht nur geopolitisch. Sondern die Zeit sinkender Zinsen (eigentlich seit 1982) und hoher Geldschöpfung zeige ihre Grenzen, ja ihre kontraproduktiven Wirkungen. Ausserdem sei der Konjunkturaufschwung seit dem Tief der Finanzkrise im März 2009 nun schon sechs Jahre alt.

In Deutschland und in der Schweiz herrsche (gefühlter) Aufschwung. Doch die US-Konjunktur bliebe zögernd, nur der Arbeitsmarkt habe sich deutlich verbessert, nicht aber die Löhne.

In China zeigten sich immer mehr Disparitäten zwischen der enormen Investitionstätigkeit in Infrastrukturen und Wohnungen und dem Konsum. Die Ersparnisse gingen in Wohnungen oder in Luxus oder in die Kapitalflucht.

Folgen zeigen sich mit der Zeit

In der Schweiz habe die Frankenaufwertung die Beschäftigungszunahme hart gestoppt. Die Gewinnlage der Metall- und Maschinenindustrie sei prekär, die Uhrenexporte spüren Währung und Konjunktur. Die Preise «ab Fabrik» seien im Schnitt seit einem Jahr um 4,8 Prozent gesunken. Die Folgen würden sich für die Schweiz erst mit der Zeit zeigen – weniger Stellen, mehr Auslagerungen und Outsourcing, weniger Belegung von Geschäfts- und Wohnhäusern, dann ein gedämpfter Bau. «Der Detailhandel hat Konkurrenz in Grenznähe, und in noch weiterem Horizont werden aus all diesen Entwicklungen die öffentlichen Finanzen knapper.»

Die Preise der Rohstoffe fallen auch, die Staatsschulden steigen in Europa, den USA, Japan, und die enorme Geldschöpfung enteignet mit Nullzinsen die Sparer, Versicherungen, Pensionskassen der ganzen Welt.

Die Politik der Notenbanken sei denn auch zum Hauptproblem der weltweiten Wirtschaft geworden. «Sie traten an, das Problem der Finanzkrise zu lösen. In einem System, wo die Banken Einlagen entgegennehmen, daraus viel mehr Kredite erteilen und durch diese Verbuchungen Geld schöpfen, gibt es einen Geldmarktinfarkt des Systems, wenn die Einleger ihr Geld wollen. Die Notenbanken leihen dann neues Geld aus und stabilisieren. Das ist ihre Rolle.» Viel Geld liege irgendwo auf den Konten der Grossbanken, auch jenes der von ihnen der Zentralbank abgetretenen Staatstitel. Deshalb senkten die Notenbanken die Zinsen weiter, bis ins Negative.

Ratschläge mitgebracht

Das alles sei kein schönes Bild. Es werde nicht gerade morgen schon schwarz werden vor den Fenstern und eine Weltkrise geben. Sondern es sei zu erwarten, dass ein Hängen und Würgen weite Teile der Weltwirtschaft, und damit auch der Schweiz, während einiger Zeit umtreibe. «Der Volkswirtschafter ist kein Betriebswirt», sagte Kappeler. Daher habe er nur einige allgemeine Ratschläge: im Export auf Diversifikation nach Währungen und Ländern achten, im Inland vorsichtig investieren und einstellen, und Eigenkapital könne nicht schaden. Fünf Prozent Rendite auf dem Kapital, anstelle der von jungen Analysten in den USA verlangten 18 Prozent, seien auch schon was. Und bei Renten solle man sich nicht scheuen, auch eine nominelle Senkung ins Auge zu fassen. (pd)