«Aussetzer» mit dem Theater Bilitz

Am Dienstagnachmittag und Mittwochmorgen gastierte das Theater Bilitz an der Oberstufe Wier in Ebnat-Kappel mit dem Stück «Aussetzer». Das Stück thematisiert Druck und Gegendruck.

Ivo Stäger
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Am Dienstagnachmittag und Mittwochmorgen gastierte das Theater Bilitz an der Oberstufe Wier in Ebnat-Kappel mit dem Stück «Aussetzer».

Das Stück thematisiert Druck und Gegendruck. Die zwei Protagonisten in Lutz Hübners Stück, der Jugendliche Chris und seine Lehrerin Frau Stöhr – von Anja Tobler und Gábor Németh hervorragend gespielt, sind im System Schule und mit den Mechanismen unserer Leistungsgesellschaft komplett überfordert. Sie können auf Druck nur mit Gegendruck reagieren. Chris, der in seinem letzten Schuljahr lieber boxt als lernt, hat Angst, wegen seiner schlechten Noten keine Lehrstelle zu erhalten. Er spürt auch den Druck seitens seiner Eltern. Die Situation in der Schule eskaliert, als Frau Stöhr, seine junge und engagierte Lehrerin, sich weigert, ihm als Gegenleistung für besseres Benehmen im Unterricht eine genügende Note in Mathematik zu setzen. Chris schlägt zu. Der Oberstufenschüler rechnet fest damit, dass ihn seine Lehrerin wegen seines Aussetzers anzeigt und er des-wegen von der Schule fliegt. Die Lehrerin wählt einen anderen Weg. Als Gegenleistung für den Verzicht auf eine Anzeige, die Chris' Schullaufbahn beenden würde, verlangt sie von ihm Leistung. Sie bietet ihm Nachhilfeunterricht in einem Café an. Das Angebot irritiert Chris sichtlich. Was will seine Lehrerin von ihm? Trotzdem stimmt er dem Plan zu. Eine andere Möglichkeit sieht er nicht. Verzweifelt versucht er, wieder Herr der Lage zu werden, er fühlt sich überfordert und möchte sich von der Lehrerin nicht fremdbestimmen lassen. Der Plan, im Café mit seinem Handy von sich und seiner Lehrerin ein zweideutiges Foto zu schiessen, scheitert. Der Versuch, die körperliche Attacke und den Nachhilfeunterricht geheim zu halten, misslingt. Frau Stöhr be-kommt eines Tages eine anonyme Nachricht, in der ihr eine sexuelle Affäre mit Chris angedichtet wird. Vom Schulleiter erfährt die Lehrerin zudem, dass zwei Schülerinnen zusammengeschlagen wurden. Ihr wird klar: Die Gewaltspirale dreht sich weiter. «Aussetzer» beschreibt eine Schwierigkeit des heutigen Schulalltags: Kann die Schule auffangen, was die Gesellschaft an anderen Orten nicht mehr leisten kann? Das Stück präsentiert keine fertigen Lösungen, es gibt auch kein Happy End. Das Ende ist offen, Ausgangslage für spannende Diskussionen im Schulzimmer.

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