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Was mit Roman Signers Zündschnur-Aktion begann: Ausserrhodische Kulturstiftung jubiliert

Die Ausserrhodische Kulturstiftung wurde 1989 gegründet, um die kulturelle Landschaft im Kanton zu erweitern.
Alessia Pagani
Verkörpern die Kulturstiftung in ihrer ganzen Bandbreite: Jürg Waidelich (Angewandte Kunst/Design), Vera Marke (Bildende Kunst/Architektur), Barbara Auer und Peter Surber (Literatur/Theater/Tanz).Bild: PAG

Verkörpern die Kulturstiftung in ihrer ganzen Bandbreite: Jürg Waidelich (Angewandte Kunst/Design), Vera Marke (Bildende Kunst/Architektur), Barbara Auer und Peter Surber (Literatur/Theater/Tanz).Bild: PAG

Die Zündschnur-Aktion von Roman Signer, wer kennt sie nicht? Der Künstler hatte damit 1989 im Rahmen der Olma für Aufmerksamkeit gesorgt. Und er verhalf so auch der Ausserrhodischen Kulturstiftung zum Durchbruch. Im Januar desselben Jahres gegründet, kam die Institution mit Signers Kunstaktion erstmals richtig zum Vorschein. Heute, 30 Jahre später, gehört die Ausserrhodische Kulturstiftung nebst dem kantonalen Amt für Kultur und den privaten Vergabestiftungen zu den wichtigsten Kulturförderern in Ausserrhoden. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung finanzielle Unterstützung in Form von Werkbeiträgen an rund 200 Kunstschaffende geleistet. Dazu gehören unter anderem der Puppenspieler Kurt Fröhlich, die Autorin Laura Vogt, der Schauspieler Philipp Langenegger, Hackbrettspieler Walter Alder, Komponist Paul Giger, aus der Bildenden Kunst David Berweger und Caro Niederer oder aus der Sparte Design Urushi-Künstlerin Salome Lippuner sowie Möbelbauer Ueli Frischknecht. «Es ist erstaunlich, wie vielfältig das kulturelle Leben im Kanton trotz dessen Übersichtlichkeit und Kleinräumigkeit ist», sagt Stiftungspräsidentin Barbara Auer. Diesen Samstag feiert die Stiftung ihr Jubiläum mit einem grossen Fest in Teufen.

Das volkstümliche Image erweitern

Gemäss Peter Surber, seit 1998 Mitglied des Stiftungsrats, wurde die Ausserrhodische Kulturstiftung 1989 aus dem Bedürfnis gegründet, das kulturelle Leben im Kanton in seiner ganzen Breite zu fördern, insbesondere auch das zeitgenössische Kulturschaffen. Damit sollte das vorwiegend volkstümliche Image des Kantons erweitert werden. Federführend waren Ratsschreiber Hans-Jürg Schär, der das Präsidium übernahm, und Regierungsrat Hans Höhener.

Der Stiftungszweck hat sich in den vergangenen 30 Jahren nicht geändert. Noch immer steht die Förderung des kulturellen Lebens in Ausserrhoden im Vordergrund. Dafür vergibt die Kulturstiftung jährlich bis zu elf Werkbeiträge in fünf Sparten (siehe Zweittext). Bei der Gründung war das Aufgabengebiet noch weiter gefasst. So gehörten damals gemäss Stiftungsurkunde auch das Erteilen von Aufträgen an Künstler und Wissenschafter, der Ankauf von Kunstwerken, die Förderung und Durchführung von Ausstellungen, Konzerten und anderen Veranstaltungen sowie künstlerische Wettbewerbe dazu. Diese Aufgaben übernimmt seit seiner Gründung 2008 das Amt für Kultur. Heute beschränkt sich die Stiftung auf die Werkbeiträge und Artist-in-Residence-Stipendien. Zudem stellt sie in unregelmässigen Abständen eigene Projekte auf die Beine. Dazu gehörten etwa die Baukultur-Recherche «Bauen im Dorf», ein Mentoring-Projekt für junge Musiker oder die Herausgabe der «Appenzeller Anthologie».

Das Finanzielle ist nur ein Aspekt

Auch wenn der Stiftungszweck noch immer gleich ist, hat sich die Kulturförderung im Laufe der Jahre doch verändert. So galt bis vor einigen Jahren in der Bildenden Kunst eine Altersgrenze von 40 Jahren. «Das Augenmerk galt in erster Linie jungen Künstlern, im Zentrum stand das Entdecken», sagt Vera Marke, Leiterin der Fachgruppe Bildende Kunst und Architektur. «Werkbeiträge sind eine Möglichkeit, die Wege von Künstlerinnen und Künstlern mitzuverfolgen und ihnen Rückhalt zu geben.» Ums Finanzielle allein gehe es dabei nicht, ergänzt Barbara Auer: «Wertschätzung ist ein rares Gut. Das kann man mit Geld nicht aufwiegen.»

Im Laufe der Jahre ist so ein grosses Netzwerk entstanden, das immer weiter anwächst. «Der Kreis an Kunstschaffenden wird grösser und grösser. Und viele kommen dank der Förderung wieder in engeren Kontakt mit dem Kanton oder realisieren hier Projekte», sagt Marke. Das sei umso wichtiger, als dass Ausserrhoden im Hinblick auf kulturelle Institutionen nicht reich gesegnet sei: Ein Theaterhaus, ein Kunstmuseum, grössere Konzertsäle oder Studiengänge fehlten. Die Kulturstiftung sieht darin allerdings durchaus auch einen Vorteil. «Das Fehlen fester kultureller Häuser schafft Platz für Innovation und regt dazu an, andere Wege zu finden, um Künstler und die Bevölkerung in Kontakt zu bringen.» Dies halte die Kultur lebendig und bringe sie immer wieder an ungewohnte Orte. So hat die Fachgruppe Bildende Kunst und Architektur 2016 aus der Not an mangelnden Ausstellungsräumen heraus das Projekt «À discrétion» auf die Beine gestellt, bei dem Restaurants als Galerie dienten. Jürg Waidelich, seit kurzem Leiter der Fachgruppe Angewandte Kunst und Design, erinnert zudem an die Publikationsreihe «Feuilles»: Auch sie diente als Plattform für zeitgenössisches Design. Mut zum Risiko gehörte bereits für die Gründer der Kulturstiftung zur Kulturförderung dazu. «Es hat immer ein sehr freier Geist geherrscht», sagt Surber. Barbara Auer umschreibt die eigenen Projekte der Stiftung mit dem Leitsatz: «Wir machen nicht, was andere auch machen könnten, oder anders ausgedrückt: Wer würde das sonst machen, wenn nicht wir?» Dazu gehöre es, auch unkonventionelle Ideen zu realisieren wie etwa das Jubiläumsfest. Es verspricht unter anderem 30 Kurzauftritte von Künstlern, die dereinst einen Werkbeitrag erhalten haben.

Jährlich rund 90000 Franken an Fördergeldern

Bei der Gründung vor 30 Jahren belief sich das Kapital der Ausserrhodischen Kulturstiftung auf 550000 Franken. Heute beträgt es rund das Doppelte. Jährlich werden durchschnittlich 90000 Franken an Werkbeiträgen ausgezahlt. Der Hauptteil der Mittel stammt vom Kanton per Leistungsvereinbarung, hinzu kommen Gelder von Spenden oder Legaten sowie der Gemeinden. Mit wenigen Ausnahmen unterstützen diese die Ausserrhodische Kulturstiftung, Richtwert sind 50 Rappen pro Einwohner. Die Arbeitsteilung mit dem Kanton ist klar geregelt: Das Amt für Kultur ist für Projektförderung und Institutionen zuständig, die Kulturstiftung für Personenförderung. Für Bildende Kunst und Architektur werden jährlich maximal drei Werkbeiträge vergeben, in den anderen Sparten (Angewandte Kunst und Design, Musik, Literatur Theater Tanz sowie Film) sind es je maximal zwei. Allein in der Bildenden Kunst bewerben sich jährlich bis zu 30 Personen für einen Werkbeitrag. Die Jurierung wird durch die jeweilige Fachgruppe vorgenommen. Diese eigenständigen Gremien bestehen aus bis zu acht Mitgliedern. Bei Bedarf können externe Fachpersonen hinzugezogen werden. Als oberstes Bewertungskriterium gilt die Qualität der Arbeit. Hinzu kommen die Professionalität, das künstlerische Entwicklungspotenzial, die Kontinuität des Schaffens sowie die Eigenständigkeit als Künstler. Die Werkbeiträge werden an Einzelpersonen oder im Einzelfall an Gruppen vergeben. Für einen Werkbeitrag kann sich jeder Kunstschaffende mit Ausserrhoder Bezug bewerben: Wer seinen Wohnsitz in Ausserrhoden hat, einen wesentlichen Lebensabschnitt im Kanton verbracht hat oder das Bürgerrecht besitzt. Eine Alterslimite gibt es nicht, einen Werkbeitrag kann man maximal dreimal erhalten. Als Ausschlusskriterium gilt die Mitgliedschaft im Stiftungsrat oder in der eigenen Fachgruppe. Damit wird verhindert, dass sich die Stiftung selber finanzielle Beiträge auszahlt. Nebst den Werkbeiträgen kennt die Kulturstiftung als Fördermittel die Artist-in-Residence-Stipendien. Damit wird maximal zwei Kunstschaffenden jährlich ein Auslandaufenthalt ermöglicht. Dieser dauert zwischen vier bis acht Monate. (pag)

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