Ausserrhoder Gemeindefinanzstatistik 2019: Die Verschuldung geht zurück

Beim Blick in die neuste Gemeindefinanzstatistik 2019 von Appenzell Ausserrhoden zeigt sich: Die Gemeinden konnten mehrheitlich Schulden abbauen. Investiert wurde nach wie vor gering. Und Teufen ist nicht mehr länger diejenige Gemeinde mit dem höchsten Pro-Kopf-Vermögen im Kanton.

Astrid Zysset
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Die Vorderländer Gemeinde Wolfhalden ist neu diejenige Gemeinde mit den höchsten Pro-Kopf-Nettovermögen.

Die Vorderländer Gemeinde Wolfhalden ist neu diejenige Gemeinde mit den höchsten Pro-Kopf-Nettovermögen.

Bild: Martina Basista

Den Ausserrhoder Gemeinden geht es finanziell gar nicht mal so schlecht. Vielen zumindest. Das lässt sich der aktuellen Gemeindefinanzstatistik entnehmen. Denn der Selbstfinanzierungsgrad ist gestiegen, die Verschuldung konnte abgebaut werden.

Grund für diese finanziell rosige Entwicklung: Die ordentlichen Steuereinnahmen sind gestiegen. Der Fiskalertrag aller Ausserrhoder Gemeinden betrug im Rechnungsjahr 2019 insgesamt 219,7 Millionen Franken und ist somit um vier Prozent höher als im Vorjahr. Die Ausserrhoder Gemeinden haben kumuliert einen operativen Gewinn von 22,3 Millionen Franken erwirtschaftet. Lediglich zwei – Heiden und Schönengrund – mussten einen operativen Aufwandüberschuss 2019 hinnehmen. Die überwiegende Mehrheit erzielte hingegen einen Ertragsüberschuss auf operativer Ebene.

Selbstfinanzierungsgrad ist angestiegen

Der durchschnittliche Selbstfinanzierungsgrad hat sich gegenüber dem Vorjahr 2018 von 146,0 auf 167,3 Prozent verbessert. Dies bedeutet, dass die Gemeinden 2019 im Schnitt ihre Investition aus eigener Kraft finanzieren konnten. Die 167,3 Prozent entsprechen einem kommunalen Mittelwert. Ausreisser ist Schönengrund mit einem Wert von 2135,1 Prozent. Verwundern mag dieser hohe Wert nicht, hatte die Hinterländer Gemeinde 2019 doch gerade einmal 1920 Franken investiert. Den geringsten Selbstfinanzierungsgrad weist Heiden mit 27,0 Prozent aus.

Der Selbstfinanzierungsgrad stellt die Selbstfinanzierung in Prozenten der Nettoinvestitionen dar. Ein Wert unter 100 Prozent führt zu einer Neuverschuldung, über 100 Prozent zum Schuldenabbau. Der Durchschnitt des Selbstfinanzierungsgrades der vergangenen fünf Jahre zeigt bei der Hälfte der Gemeinden einen Wert über 100 Prozent. Der Mehrjahreswert vor allem bei Heiden, Hundwil, Trogen, Stein und Wald liegt teilweise deutlich darunter. Wie das Finanzdepartement in der Gemeindestatistik festhält, sei dies mittelfristig «nicht tragbar».

Nach wie vor wird gemäss Statistik in den Ausserrhoder Gemeinden aber wenig investiert. Die Nettoinvestitionen gingen im Jahr 2019 um insgesamt 2,1 Millionen auf 23 Millionen Franken zurück. Zum Vergleich: 2015 investierten die Gemeinden noch 33,9 Millionen Franken.

Wolfhalden ist neu diejenige Gemeinde mit dem höchsten Nettovermögen pro Einwohner

Der höhere Selbstfinanzierungsgrad führte 2019 auch zu einem Abbau der Schulden. Zum Vergleich: In Appenzell Ausserrhoden sank die Nettoschuld pro Einwohner im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um 209 auf 862 Franken. Erstmals wird sie vom Finanzdepartement als «geringe Verschuldung» eingestuft. Die Bandbreite zwischen den Gemeinden ist allerdings hoch. Spitzenreiter ist Trogen mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 5523 Franken. Auffallend ist auch Heiden. Die Vorderländer Gemeinde ist die einzige, in welcher die Pro-Kopf-Verschuldung angestiegen ist, und zwar von 1908 Franken im 2018 auf 2745 Franken im vergangenen Jahr.

Das höchste Nettovermögen pro Einwohner weist hingegen, für einmal nicht Teufen, sondern Wolfhalden mit 4056 Franken aus. Zu den Gemeinden mit einem Pro-Kopf-Vermögen zählen weiter, wie im Vorjahr: Gais (3140 Franken), Grub (36), Lutzenberg (3948), Schönengrund (3523), Teufen (4005) und Walzenhausen (649).

Pro-Kopf-Verschuldung durchschnittlich um 40 Prozent gesunken

Aussagekräftiger als ein Jahresvergleich ist die Analyse über einen längeren Zeitraum. Betrug die Pro-Kopf-Verschuldung 2015 noch 1387 Franken, ist sie heute um fast 40 Prozent gesunken. Stark verbessert hat sich in dieser Zeitspanne Teufen. Die Pro-Kopf-Verschuldung stieg am meisten in Trogen, dicht gefolgt von Heiden und Reute. Am stärksten konnte sie Waldstatt abbauen. 2015 betrug sie noch 2643 Franken pro Kopf, 2019 ist sie bei 782 Franken.

Der durchschnittliche Nettoverschuldungsquotient betrug im vergangenen Jahr 21,8 Prozent. Ausreisser ist hier Trogen mit 144,8 Prozent. Das Finanzdepartement hält in der Statistik jedoch fest, dass dieser Wert um 15,5 Prozent tiefer ist als im Vorjahr und darum gemäss Richtwerten als «genügend» erachtet werden kann.