AUSSERRHODEN: Zeit für Diskussion ist gekommen

Der Bericht der Staatswirtschaftlichen Kommission zum Spitalverbund ist am Montag traktandiert. Der Kantonsrat kann dazu nichts beschliessen, aber darüber debattieren. Darauf darf man gespannt sein.

Monika Egli
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Die Luft wird langsam dünn. im Bericht der Staatswirtschaftlichen Kommission wird Finanzdirektor Köbi Frei (links) ein falsches Rollenverständnis und Gesundheitsdirektor Matthias Weishaupt unter anderem ungenügende Aufsicht vorgeworfen. (Bild: Michel Canonica (Archiv))

Die Luft wird langsam dünn. im Bericht der Staatswirtschaftlichen Kommission wird Finanzdirektor Köbi Frei (links) ein falsches Rollenverständnis und Gesundheitsdirektor Matthias Weishaupt unter anderem ungenügende Aufsicht vorgeworfen. (Bild: Michel Canonica (Archiv))

Monika Egli

monika.egli@appenzellerzeitung.ch

Kürzlich sagte jemand: «Das Spital Herisau hat 90 Betten und macht pro Tag 2000 Franken Defizit; das Psychiatrische Zentrum hat 170 Betten und macht pro Tag 4000 Franken Defizit; das Spital Heiden hat 65 Betten und macht pro Tag 20000 Franken Defizit.» Diese Zahlen lassen sich gut veranschaulichen: Täglich, auch am Samstag und Sonntag, werden 26 Tausendernoten verteilt. Zwei davon erhält das Spital Herisau, vier das Psychiatrische Zentrum und 20 das Spital Heiden. Ganz schön viel Geld, das sich da zusätzlich zu den 60 Millionen läppert, die der Kanton für die Spitalfinanzierung seiner Bevölkerung ausgeben muss. So weit die heutige desolate Situation des Spitalverbunds.

Am Montag hat der Kantonsrat den Bericht 2016 der Staatswirtschaftlichen Kommission zur Kenntnis zu nehmen. Dieser befasst sich fast ausschliesslich mit dem Spitalverbund: Ungewohnt deutlich, ungewohnt kritisch, ungewohnt ausführlich in einem fast 40-seitigen Papier. Der Bericht zeigt ein lausiges Bild der Akteure. Es sind dies der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung des Spitalverbunds, der Gesundheits- und der Finanzdirektor, der Gesamtregierungs- und der Kantonsrat. Es geht um die schamlosen Griffe des ersten Verwaltungsrats in die Gebührenkasse, fehlende Finanzkontrollinstrumente während Jahren, die hohen Verluste in den letzten zwei Jahren, um eine desinteressierte Aufsicht. Statt nachzufragen, aufzudecken und zu handeln, begnügte man sich mit Abzeichnen und Durchwinken. Es ist die Geschichte von unübersichtlich vielen Wechseln im Kader des Spitalverbunds, von Streitereien, mangelnder Kommunikation, von falschen Einschätzungen, fehlendem Durchsetzungsvermögen, von krudem Rollenverständnis, einem Strategien-Wirrwarr und Dilettantismus. Immerhin hat die neue CEO kürzlich gesagt, sie habe jetzt Hausaufgaben zu erledigen. Da fragt man sich: Und was wurde in den vergangenen fünf Jahren gemacht?

Die verwegene Aussage der Christiane Roth

Den Staatswirtschaftlichen Bericht kann der Kantonsrat nur zur Kenntnis nehmen. Das Papier liefert aber viel Diskussionsstoff und die Bestätigung dafür, dass die zahlreichen Zeitungsartikel, Leserbriefe und sonstigen Kommentare aus der Bevölkerung und aus den Mitarbeiterkreisen nicht einfach Schlechtmacherei waren, dass es nicht die Berichterstattung war, die das Spital Heiden an den Abgrund brachte – auch wenn Verwaltungsratspräsidentin Christiane Roth bis heute an dieser verwegenen Aussage festhält.

Man darf auf die Kantonsratssitzung am Montag gespannt sein, gespannt, ob man einander immer noch lieb hat, vergibt und verzeiht, Vergangenes ruhen lassen und «jetzt vorwärts schauen» will – oder ob irgendjemand endlich den Mut hat, Konsequenzen zu fordern und die Verantwortlichen zu benennen.