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Auf Wachstumskurs, aber immer noch deutlich abgehängt - Wie sich Appenzell Ausserrhoden bevölkerungsmässig entwickelte

Der Kanton verzeichnet für 2018 ein Bevölkerungswachstum von 0,1 Prozent. Nicht nur für das letzte Jahr fällt das Wachstum gering aus. Eine historische Analyse zeigt, wie Ausserrhoden hinterherhinkt.
Martin Schneider

Die Bevölkerung von Appenzell Ausserrhoden wächst. 55234 Personen lebten Ende des vergangenen Jahres im Kanton und damit leicht mehr als noch 2017. Mit den aktuellsten Zahlen ist Appenzell Ausserrhoden bevölkerungsmässig an einem Punkt angelangt, an welchem der Kanton 1900 (55281 Personen) bereits einmal war. Und auch wenn die Zahlen für den Kanton Appenzell Ausserrhoden nach Jahren des Rückgangs in letzter Zeit wieder nach oben zeigen, war man 1910 sogar einmal auf einem bevölkerungsmässig noch höheren Stand.

Für den Regierungsrat geht die Entwicklung der Bevölkerungszahlen, wenn auch nur in kleinen Schritten, in die gewünschte Richtung. Denn klar ist: Ausserrhoden soll auch in Zukunft weiter wachsen. Allerdings zeigen die Zahlen des Bundesamts für Statistik auch, dass das Wachstum mit 0,1 Prozent respektive einer Zunahme der Bevölkerung um 56 Personen im Vergleich zu 2017 deutlich unter der gesamtschweizerischen Zunahme von 0,7 Prozent liegt. Zudem beruht die Zunahme für das Jahr 2018 nicht auf einen positiven Wanderungssaldo – 2664 Personen verliessen den Kanton, während 2588 zuzogen – sondern vor allem auf einen Geburtenüberschuss (Differenz zwischen der Anzahl Geburten und der Anzahl Todesfälle).

Alfred Stricker. (Bild: PD)

Alfred Stricker. (Bild: PD)

Bereits im Monitoring-Bericht des Ausserrhoder Regierungsrates aus dem Jahr 2016 wurde auf die «Trendwende» hingewiesen, die man in Bezug auf die Bevölkerungszahlen geschafft habe. Gleichzeitig wurde schon damals auf die unterdurchschnittliche Zunahme im Vergleich mit dem Rest der Schweiz hingewiesen. «Eine stärkere Zunahme der Bevölkerung ist seit längerem das Ziel», erklärt denn auch Landammann Alfred Stricker und fährt weiter fort: «Obwohl im Regierungsprogramm 2016-2019 diverse Teilziele umgesetzt wurden, ist deren Wirkung bis heute erst schwach erkennbar.» In diesem Programm formulierte die Regierung unter anderem das Ziel, «attraktive Rahmenbedingungen für Familien mit Kindern und Jugendlichen» zu schaffen und damit dem Kanton zu einem Bevölkerungswachstum zu verhelfen. Inwiefern die eingeleiteten Massnahmen mit dem Ziel, für Familien attraktiver zu werden, tatsächlich Wirkung zeigten, werde sich erst mittelfristig zeigen.

Auch die Frage, ob die Regierung für das über 2019 hinausreichende Regierungsprogramm auf dieselbe Strategie setzt, um ein Bevölkerungswachstum zu erreichen, muss der Landammann vorerst unbeantwortet lassen. Das Regierungsprogramm 2020 bis 2023 werde derzeit noch erarbeitet. Für Alfred Stricker ist jedoch klar: «Für eine gute Zukunft brauchen wir mehr Leute, Familien und Singles, Büezerinnen und Büezer sowie Akademikerinnen und Akademiker gleichermassen.»

Zürich erlebt enormes Bevölkerungswachstum

Der kantonale Richtplan sieht vor, dass Appenzell Ausserrhoden dereinst die Heimat von 60000 Personen sein soll – 2040 könnte es soweit sein. Damit würde das Allzeithoch aus dem Jahr 1910 übertroffen, als sich Ausserrhoden mit 57973 Einwohnerinnen und Einwohnern bevölkerungsmässig im Zenit befand. Doch nicht nur zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiesen die Bevölkerungszahlen des Kantons Beeindruckendes auf. Auffallend ist insbesondere, dass Ausserrhoden bereits vor 1800 eine im Vergleich mit anderen Schweizer Regionen hohe Bevölkerungsdichte aufwies, wie Historikerin Heidi Eisenhut ausführt.

Heidi Eisenhut. (Bild: Benjamin Manser)

Heidi Eisenhut. (Bild: Benjamin Manser)

Ausschlaggebend dafür war vor allem die Protoindustrialisierung, etwa das Vorhandensein von Leinwand- und Baumwollgewerbe. «Appenzell Ausserrhoden hat um 1800 zu den dichtest besiedelten ländlichen Gegenden der Schweiz wie auch Europas gehört», erklärt die Leiterin der Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden. Als bis 1850 wirtschaftlich unsichere Zeiten folgten, verliessen viele Leute die Schweiz und auch Appenzell Ausserrhoden. Gedrosselt wurde diese Entwicklung erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als unter anderem die St.Galler Stickereiblüte wieder Arbeit im Textilgewerbe ermöglichte. Verbunden mit dem wirtschaftlichen Wachstum war auch eine markante Zunahme der Bevölkerung von 43621 Personen im Jahr 1850 bis annähernd 58000 im Jahr 1910. Mit dem Niedergang der Textilindustrie ab den 1920er-Jahren, den Wirren zweier Weltkriege, die auch zu einem Einbruch des seit 1880 für das Appenzellerland wichtigen Tourismus führte, folgte eine markante Abnahme der Bevölkerung bis in die 1940er-Jahre hinein. Von ähnlichen Faktoren ist auch die Bevölkerungsentwicklung in Innerrhoden geprägt, wodurch beide Kantone einen vergleichbaren Verlauf aufweisen.

In mehreren darauffolgenden Jahrzehnten setzte in Ausserrhoden zwar wieder ein kleines Bevölkerungswachstum ein. So etablierte sich der Kanton ab den 1980er-Jahren als Wohnkanton in Stadtnähe. Insbesondere seit dem 2. Weltkrieg wurde Ausserrhoden jedoch, auch im Vergleich zu Ostschweizer Kantonen wie dem Thurgau oder St.Gallen, abgehängt (siehe Grafik). Ein enormes Wachstum verzeichneten in den vergangenen Jahrzehnten vor allem heutzutage wirtschaftlich stark aufgestellte Kantone wie Basel-Stadt, Genf oder Zürich, wobei letztgenannter 2018 sechs Mal mehr Einwohner zählte als noch 1850 (siehe indexierte Grafik). In der gleichen Zeitspanne nahm in Ausserrhoden die Bevölkerung lediglich um den Faktor 1,25 zu.

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