Ausserrhoden will Familien anlocken

HERISAU. Mit aktiver Bodenpolitik und «Arealentwicklung» will Appenzell Ausserrhoden die Abwanderung bremsen und die Zuwanderung fördern. Am Donnerstag stellte die Ausserrhoder Exekutive ihr neues Regierungsprogramm für die Jahre 2012 bis 2015 vor.

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Das Ziel des zweiten Regierungsprogramms ist dasselbe geblieben wie 2007: Bis 2015 will Ausserrhoden 55'000 Einwohner zählen. Zwar nahm die Bevölkerungszahl 2007 und 2008 zu; sie stagnierte jedoch in den vergangenen zwei Jahren. Der Anteil junger Menschen sank.

Korrektur
Das soll laut Landammann Hans Diem korrigiert werden. Denn: Schöne Landschaft und intakte Natur gehören zu den grossen Pluspunkten des Kantons. Entsprechend positiv fiel eine Bevölkerungsbefragung aus. Vor allem sollen Familien angelockt werden. Eine Steuergesetzrevision brachte die tiefsten Unternehmenssteuern der Schweiz und entsprechend zahlreiche Neuansiedlungen, wie Volkswirtschaftsdirektorin Marianne Koller sagte. Nur: Um neue Unternehmen ansiedeln zu können, braucht es erschlossenes, baureifes Industrieland.

Mit den Gemeinden
Nur wenn pfannenfertiges Industrieland zur Verfügung stehe, könnten neue Investoren gewonnen werden, sagte der Herisauer Gemeindepräsident Paul Signer. So habe Herisau den Wegzug der Metrohm AG verhindern können, indem Bauland zur Verfügung gestellt worden sei. Im neuen Regierungsprogramm arbeitet der Kanton eng mit den Gemeinden zusammen. Um aktive Bodenpolitik betreiben zu können, sei die Mitarbeit der Gemeinden essentiell, sagte Baudirektor Jakob Brunnschweiler. Denn der Kanton besitzt kein Bauland.
Mit «Arealentwicklung» solle Bauland für Gewerbe-, Industrie und Dienstleistungsbetriebe an guten Lagen verfügbar gemacht werden, sagte Koller. Mit «Bauen und Wohnen» will die Regierung Anreize für höhere Investitionen im Wohnungsbau schaffen. Um aktive Bodenpolitik betreiben zu können, müssten Baugesetz- und -verordnung sowie die Bauregelemente der Gemeinden überdacht werden, sagte Brunnschweiler. Heute bestehen ein kantonales Gesetz und 20 Baureglemente der Gemeinden.

Vereinfachen
Über das andere Extrem - nur noch ein einziges Baureglement - müsse diskutiert werden, stellte der Baudirektor fest. Zu geringe Höhen verhinderten Industriebauten, die oft 20 Meter hoch sein müssten. In die Höhe - statt in die Breite - zu wachsen, bedeute auch sparsamen Umgang mit dem Boden.
Industrieland sei in Ausserrhoden zwar eingezont, aber nicht verfügbar, nicht erschlossen. Dazu seien langwierige Verfahren nötig: Zonenplanänderungen, Quartierpläne und bei grösseren Umzonungen Volksabstimmungen sowie Baugesuche. Das dauere oft bis zu drei Jahre - zu lang für viele Investoren.
Nicht erschlossenes Industrieland sei nichts wert, so Brunnschweiler. Ziel sei ein einziges - das Baugesuch - statt dreier zeitraubender Verfahren. Gemeinden sollten Bauland auch selber erschliessen.
Für die Projekte des neuen Regierungsprogramms will die Exekutive sechs Millionen Franken zur Verfügung stellen. Gesamtprojektleiter ist Hansruedi Laich. Der ehemalige Direktor des Schweizerischen Skiverbands Swiss-Ski leitet heute eine eigene Unternehmungsberatungs-Firma. (sda)

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