AUSSERRHODEN: Unterricht in der Cafeteria

Schülerinnen und Schüler müssen näher zusammenrücken. Geburtenstarke Jahrgänge sowie steigende Einwohnerzahlen sorgen für Schulraummangel. Für Lösungen ist auch die Politik gefragt.

Andy Lehmann
Drucken
Teilen
Steigende Schülerzahlen sorgen für engere Platzverhältnisse in Volks- und Berufsschulhäusern. (Bild: PD)

Steigende Schülerzahlen sorgen für engere Platzverhältnisse in Volks- und Berufsschulhäusern. (Bild: PD)

Andy Lehmann

andreas.lehmann

@appenzellerzeitung.ch

Die Schulen im Kanton sehen sich mit immer mehr Schülern konfrontiert. Langsam, aber sicher wird das vorhandene Schulraumangebot in den Gemeinden zu knapp. Um den drohenden Platzproblemen Herr zu werden, musste der Schulunterricht auch mal in den Hörsaal oder die Cafeteria verlegt werden.Die Schülerbelegszahlen steigen, und dies dürfte auch in den kommenden Jahren so bleiben. Kurzum, es herrscht Schulraummangel auf den Primarschulstufen. Ebenfalls prekär präsentiert sich die Situation im Berufsbildungszentrum BBZ in Herisau.

«Das BBZ ist praktisch zu 100 Prozent ausgelastet. Deshalb haben wir an fünf halben Tagen eine Klasse in einem externen Schulzimmer untergebracht», sagt der Rektor des BBZ Hanspeter Schläpfer. Das Berufsbildungszentrum hat in den vergangenen Jahren mit den Fachleuten Gesundheit sowie den Detailhandelsfachleuten neue Berufe nach Herisau geholt. «Zudem wurde mit der Überarbeitung der Bildungsverordnung der Zimmerleute die Lehre auf vier Jahre ausgedehnt, was zwei weitere Klassen seit diesem Sommer bedeutet», sagt Schläpfer. Das Brückenangebot AR, (zehntes Schuljahr mit Praktika), ist mit vier bis fünf Klassen an je zwei Tagen im BBZ vertreten. Da der Schulraum nicht reicht, wird eine Klasse extern an der Schützenstrasse im ehemaligen Gebäude der Naturärzte-Vereinigung Schweiz (NVS) unterrichtet.

Kreative Schulraumlösungen sind gefragt

Am BBZ haben sich die Schülerzahlen in zehn Jahren von 700 Lernenden auf 1000 erhöht. «Dies hat auch Folgen in anderen räumlichen Bereichen. Es fehlen Gruppen- und Lernräume. Zudem ist die Infrastruktur, wie Toiletten, Cafeteria oder Lehrerarbeitsplätze, mit der aktuellen Zahl an Lernenden und Mitarbeitenden zu knapp», sagt der Rektor. Am BBZ hat man aus der Not eine Tugend gemacht. So wurden der grosse Veranstaltungsraum sowie die Hauswartwohnung zu Schulraum umgewandelt. Auch die hauseigene Cafeteria diente schon als Klassenzimmer. Manchmal weicht man auf das Casino aus oder nutzt Schulungsräume der Kantonspolizei im Zeughausgebäude an der Schützenstrasse. «Ergänzend zu der hohen Auslastung an Schulklassen haben sich auch die Lernformen und pädagogischen Ansätze im Lauf der Jahre verändert, was zu neuen An- und Herausforderungen führt», sagt Schläpfer.

Das Schulraumproblem ist eine lösbare Aufgabe

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Zeiten längst vorbei sind, als noch 80 bis 100 Schülerinnen und Schüler in einem Klassenzimmer unterrichtet wurden. Das war vor etwa hundert Jahren noch gang und gäbe. In den vergangenen Jahren nutzten meist kleine Klassen die schulischen Räume. Viele Schulhäuser im Kanton hatten noch räumliche Kapazitäten aufzuweisen. Als Folge davon wurden vereinzelt Schulhäuser umgenutzt oder gar abgebrochen. Einstige Schulräume dienten den Schülerinnen und Schülern nun als Gruppenräume oder Informatikzimmer.

Dass die Schülerbelegszahlen steigen, hat verschiedene Ursachen. Die Gemeinden werden attraktiver zum Wohnen, was die Anzahl der Neuzuzüger bestätigt. «Das demografische Gebilde hat sich verändert. Es wurden wieder mehr Geburten verzeichnet als auch schon. In Herisau begannen auf dieses Schuljahr 31 Kinder mehr mit dem Kindergarten als im letzten Schuljahr», sagt Michael Häberli. Er ist Schulleiter der Volksschule Herisau. Für ihn ist das Ansteigen der Schülerzahlen Grund zur Freude. «Das ist positiv für Herisau. Ich freue mich, dass die Talsohle mit wenig Lernenden durchschritten ist. Das Problem mit Platzmangel ist bewältigbar.» Eine grosse Herausforderung sei nicht unbedingt der fehlende Schulraum, sondern die Kinder in den Schuleinheiten gut zu platzieren. Dies sei dann eine Herausforderung, wenn in einem Aussenquartier gleich mehrere Familien neu zuziehen, so Häberli. Seit Jahresbeginn ist die Schulleitung Herisau daran mit dem Hochbau mögliche Varianten zu prüfen, um neuen Schulraum zu generieren. Derzeit kann die Situation noch abgefedert werden, indem neue halbe Klassen eröffnet werden. Ähnlich präsentiert sich die Schulraumproblematik in anderen Ausserrhoder Gemeinden wie Heiden oder Teufen.

Die steigenden Schülerzahlen im Volksschulbereich werden sich zeitlich verschoben auch auf das BBZ auswirken. Hanspeter Schläpfer ist sich dessen bewusst und sagt: «Wir werden im Rahmen eines Projektes im Auftrag des Regierungsrates verschiedene Varianten diskutieren und prüfen. Dabei ist es uns wichtig alle Interessengruppen und Bedürfnisse von anderen schulnahen Organisationen einzubeziehen.»