Gesuche für Kurzarbeit steigen an - Ausserrhoden reagiert kulant und verkürzt Anmeldefrist

Erste Auswirkungen des Corona-Virus zeigen sich auch in der Appenzeller Wirtschaft. In Ausserrhoden wurden bereits sieben Anträge für Kurzarbeit eingereicht. Die Anmeldefrist wird auf drei Tage verkürzt.

Alessia Pagani
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Nicht nur die Appenzeller Gastronomen selber, sondern auch deren Lieferanten leiden wegen der Corona-Krise unter Umsatzrückgängen.

Nicht nur die Appenzeller Gastronomen selber, sondern auch deren Lieferanten leiden wegen der Corona-Krise unter Umsatzrückgängen.

Bild: Keystone/Walter Bieri

Gestern Vormittag wurde in Ausserrhoden der zweite Corona-Ansteckungsfall publik. Das Virus hat mittlerweile das Appenzellerland fest im Griff. Betroffen ist auch die hiesige Wirtschaft. Betriebe haben bereits erste Massnahmen eingeleitet. So musste das Herisauer Unternehmen Stagelight, eine Firma für Veranstaltungstechnik, Kurzarbeit anmelden (Ausgabe vom Montag). Und es dürften noch weitere folgen. Gemäss Peter Näf, Leiter der Ausserrhoder Arbeitslosenversicherung, haben sich in den vergangenen 14 Tagen 15 Ausserrhoder Betriebe beim Amt bezüglich Kurzarbeit erkundet. Gemäss Näf liegen momentan Anträge von sieben Betrieben vor.

«Zuvor hatten wir über die Jahre verteilt nur vereinzelt Anträge für Kurzarbeit.»

Diese hätten jeweils hauptsächlich Zulieferer betroffen. «Nun sind vor allem kleinere Betriebe in der Event-, der Reise- und der Gastrobranche tangiert.»

Die gängige Praxis verlangt, dass Gesuche für Kurzarbeit mindestens zehn Tage vorher eingereicht werden müssen. Jedes Gesuch muss einzeln geprüft werden. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden reagiert angesichts der angespannten Lage kulant. Gemäss Näf wird nun auch eine Frist von mindestens drei Tagen akzeptiert. Es werden Sondereinsätze geleistet.

«Wir bemühen uns die Gesuche so rasch als möglich zu prüfen. Wir können die Betriebe in dieser unsicheren Zeit nicht alleine lassen.»

Lieferengpässe bei Produkten aus China

Kurzarbeitsgesuche sind in Innerrhoden gemäss dem Stillsehenden Landammann und Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements, Roland Dähler, noch keine eingegangen. Wie Dähler erklärt, befinden sich die Innerrhoder Unternehmen meist in einer robusten Lage.

Sollte die Situation aber längere Zeit andauern, werden vermutlich auch die Anträge zunehmen.»

Wann und ob dies eintrifft, sei nicht vorhersehbar und von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. «Kurzfristig gehen wir von einer Verschärfung der Lage aus.»

Die Corona-Krise schlägt sich allerdings bereits jetzt in den verschiedensten Unternehmen nieder. Dähler spricht von Lieferengpässen.

«Bei einzelnen Unternehmen ist die Zulieferung von Produkten speziell aus China eingeschränkt.»

Dies führe dazu, dass gewisse Aufträge nicht wie gewohnt ausgeführt werden könnten. Tangiert sind hauptsächlich Produktionsunternehmen. «Es wird teilweise geprüft, ob es alternative Lieferanten gibt. Lieferverzögerungen sind allerdings nicht zu umgehen.»

Wo möglich werden Überstunden abgebaut

Nicht nur Firmen, welche Produkte aus dem Ausland einkaufen sind betroffen, sondern auch solche, die ins Ausland liefern wollen. Die Innerrhoder Exportunternehmen spüren bereits einen Rückgang der Bestellungen. Dähler dazu:

«Einige Firmen haben begonnen, Überstunden abzubauen oder wenn möglich andere Aufträge vorzuziehen.»

 Stark betroffen sei auch die Gastrobranche. Wegen zahlreicher abgesagter oder verschobener Anlässe klagen Gastronomen und Lieferanten über Umsatzrückgänge. Noch scheint man in Innerrhoden glimpflich davon gekommen zu sein: «Die Corona-Auswirkungen sind zwar bereits heute in Innerrhoden vorhanden, aber bis jetzt zum Glück noch in einem ‹erträglichen› Mass.»