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AUSSERRHODEN: Pfarrwechsel im Akkord

Ein Drittel aller Pfarrstellen der Evangelisch-reformierten Landeskirche beider Appenzell muss dieses Jahr neu besetzt werden. Dies läuft so problemlos, dass selbst der Kirchenratspräsident überrascht ist.
Roger Fuchs
Viele neue Pfarrpersonen wollen Teilzeitstellen. Fündig werden sie bei den Reformierten beider Appenzell (Bild Kirche Heiden). (Bilder: RF/PD)

Viele neue Pfarrpersonen wollen Teilzeitstellen. Fündig werden sie bei den Reformierten beider Appenzell (Bild Kirche Heiden). (Bilder: RF/PD)

Roger Fuchs

roger.fuchs

@appenzellerzeitung.ch

Diese Kumulation an Wechseln von Pfarrpersonen hat Seltenheitswert. Nebst dem Herisauer Pfarrer Bernhard Frey, der Ende Mai in die Pension trat, verabschieden sich Ende dieses Monats vier weitere Pfarrpersonen von ihren Kirchgemeinden: Johannes Stäubli in Waldstatt und Claude-Alain Séchaud in Stein treten in den Ruhestand und feiern morgen Sonntag ihre Abschiedsgottesdienste. Andreas Schenk-Röthlisberger von Appenzell zieht während der Sommerferien zurück in seine Heimat, das Emmental, und auch die Walzenhauser Pfarrerin und Kirchenrätin Corinna Boldt nimmt eine neue Herausforderung an. Die Abschiedsgottesdienste der zwei letztgenannten sind am 25. Juni.

Ende Juli kommt es dann zum Abschied von Pfarrer Koni Bruderer in Heiden, Ende September sagt Pfarrerin Beatrix Jessberger in Rehetobel adieu und per 1. November wechselt Pfarrerin Martina Tapernoux-Tanner von Reute nach Heiden. Nebst Reute haben alle anderen Kirchgemeinden die Pfarrstellen bereits wieder besetzen können. «Das überrascht, weil es komplett gegen den nationalen Trend ist», sagt Koni Bruderer, der zwar als Pfarrer abtritt, aber als Kirchenratspräsident im 2018 nochmals für eine Legislatur gewählt werden will. Bruderer nennt zwei Gründe für das Interesse an den Pfarrstellen im Appenzellerland: Zum einen sei es für viele wieder attraktiv, in einer Landgemeinde zu arbeiten, während in Städten wie Zürich riesige Kirchgemeinde-Gebilde konstruiert würden. Andererseits hätte die Appenzeller Landeskirche viele Teilzeitstellen zu bieten, was offenbar gesucht sei.

Von den Sorgen bis hin zur Freude

Die Pfarrpersonen schauen mit unterschiedlichen Gefühlen auf ihre Zeit zurück und auf die Entwicklung der Kirche. «Es ist gut, dass für mich Schluss ist», sagt Johannes Stäubli, der auch für kernige Voten im Kirchenparlament bekannt war. 27 Jahre arbeitete er in Waldstatt. «Ich habe den Eindruck, dass schwierige Zeiten auf die Kirche zukommen. Gehen sie dazu einmal an einem Sonntagmorgen in den Gottesdienst», fasst er die aktuelle Situation zusammen. Die biblische Botschaft erachtet Stäubli immer noch als gut und werthaltig. Er selbst hätte in seiner Kirchgemeinde gerne vermehrt mit Menschen über biblische Texte diskutiert und über den Transfer in den Alltag nachgedacht. Nur wenige hätten aber dieses Anliegen geteilt. Viel Freude habe ihm der Kontakt mit den Jungen bereitet und in diesem Zusammenhang auch der Konfirmandenunterricht. Besonders gefreut habe ihn jeweils, wenn sich diese später von ihm trauen liessen.

Claude-Alain Séchaud kann auf knapp 28 Jahre in Stein zurückblicken. Auch wenn es im Verlauf der Zeit Anfragen von anderen Kirchgemeinden gab, habe er sich stets dagegen entschieden. «Stein ist zu meiner Gemeinde geworden, ich durfte hier viele Beziehungen aufbauen.» Gleichzeitig macht sich auch Séchaud Sorgen – insbesondere deshalb, weil die Kirche vermehrt zentralistisch geführt werde. «Mir ist wichtig, dass die Gemeinden ihre Autonomie behalten und von da aus auch das Kirchenleben gesteuert werden kann.» Den Beruf des Pfarrers würde Claude-Alain Séchaud wieder wählen. Bereut habe er es nie.

Zum Abschluss Stimmrecht für Ausländer eingeführt

Das Pfarrleben an einem anderen Ort fortsetzen wird Andreas Schenk-Röthlisberger. Noch bis Mitte Juli arbeitet er in Appenzell, anschliessend beginnt nach elfjähriger Tätigkeit der Umzug nach Lauperswil im Emmental. Schenk erachtet es sowohl für eine Kirchgemeinde als auch für eine Pfarrperson als gut, wenn es nach einer gewissen Zeitspanne zu einem Wechsel kommt. «Die Gemeinde in Appenzell wird ihren Weg gehen, es gibt hier viele gute Leute», sagt der Abtretende. Kurz vor seinem Weggang hat er sich an der diesjährigen Landsgemeinde noch ins politische Rampenlicht manövriert. Er und sein katholischer Kollege legten eine Initiative zur freiwilligen Einführung des Ausländerstimmrechts in den Kirchgemeinden vor. Diese wurde nicht nur deutlich angenommen, inzwischen hat Schenks Kirchgemeinde die neue Gesetzesgrundlage auch bereits genutzt. Letzte Woche hätten sich die Bürger an einer ausserordentlichen Versammlung für die Einführung des Ausländerstimmrechts entschieden. Und so hinterlassen Schenk wie auch alle anderen Pfarrpersonen ihre eigenen Spuren.

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