Ausserrhoden mit kleiner Lücke

Die öffentlichen Finanzen von Appenzell Ausserrhoden weisen zwar langfristig eine Finanzierungslücke auf, sie sind im internationalen Vergleich aber trotzdem gut. Das zeigt eine Studie. Der Finanzdirektor hofft auf junge Familien.

Patrik Kobler
Drucken
Teilen

HERISAU. Das BAK Basel (s. Kasten) hat in einer Studie die steuerliche Wettbewerbsfähigkeit und die langfristige Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen von Kanton und Gemeinden bewertet. Die Optik der Analyse reicht bis ins Jahr 2060.

Im internationalen Vergleich schneiden alle Kantone gut ab. Appenzell Ausserrhoden weist jedoch eine kleine Finanzierungslücke (–1,3%) auf. Das sei kein Grund zur Sorge, sagt Finanzdirektor Köbi Frei: «Im Quervergleich ist Appenzell Ausserrhoden immer noch gut.» Dem pflichtet auch Martin Eichler bei: «Es besteht für den Kanton kein dringender Handlungsbedarf», so der stellvertretende Chefökonom des BAK Basel.

Bekannte Schwachstelle

Bei der Untersuchung explizit berücksichtigt worden sind die finanziellen Folgen des demographischen Wandels, von dem Appenzell Ausserrhoden bekanntlich besonders betroffen ist. Denn die Bevölkerung wird hier in den kommenden Jahren überdurchschnittlich altern und in rund zwanzig Jahren den schweizweit höchsten Altersquotienten von 50 Prozent erreichen. Gemäss Köbi Frei ist die «leicht negative Entwicklung» just auf diesen demographischen Wandel und die unterdurchschnittliche Bevölkerungsentwicklung zurückzuführen. «Einmal mehr kommt zum Vorschein, dass das Bevölkerungswachstum kombiniert mit einer Stabilisierung der Überalterung unser Hauptproblem ist», so der Finanzdirektor. Das aktuelle Regierungsprogramm setzte aus diesem Grund bei dieser Schwachstelle an. Frei: «Unsere Sorge muss sein: Wie bringen wir zusätzliche junge Familien in unseren Kanton?!»

Wachstum ermöglichen

Insgesamt sind 13 Kantone in der Studie untersucht worden. Zug, Basel-Stadt und Schwyz weisen einen Einnahmenüberschuss auf. Gemäss BAK-Angaben übertreffen sie damit den Schweizer Schnitt deutlich. Die langfristige Finanzpolitik der Kantone Schaffhausen, Nidwalden, Bern, St. Gallen und Zürich erfülle das Nachhaltigkeitskriterium gerade noch. Thurgau, Graubünden, Glarus und Obwalden weisen wie Appenzell Ausserrhoden Einnahmenlücken auf. Appenzell Innerrhoden war nicht beteiligt.

Martin Eichler betont, dass Ausserrhoden nur «knapp über der Schwelle» sei. Zudem verweist er darauf, dass der Kanton bereits Massnahmen eingeleitet habe; etwa die Steueränderungen. Diese würden zwar kurzfristig Einbussen bringen, sollten sich seiner Ansicht nach langfristig aber positiv auswirken. Für den Kanton sei es wichtig, auf gute Wachstumsperspektiven zu achten.

Aktuelle Nachrichten