AUSSERRHODEN: Massiver Anstieg der Sozialkosten

In Herisau sind mehr Menschen auf Sozialhilfe angewiesen als noch vor zwei Jahren. Anders sieht die Situation im Kanton aus. Zum Problem könnten die Flüchtlinge werden.

Jesko Calderara, Alessia Pagani
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In Herisau sind immer mehr Personen auf finanzielle Unterstützung angewiesen. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

In Herisau sind immer mehr Personen auf finanzielle Unterstützung angewiesen. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Jesko Calderara, Alessia Pagani

redaktion@appenzellerzeitung.ch

2016 ist die Zahl der Sozialhilfebezüger in Herisau erneut gestiegen. Für die Gemeinde ergab dies Mehrkosten von rund 700000 Franken. Insgesamt stieg der Aufwand auf rund 5,6 Millionen Franken. Innerhalb von zwei Jahren sind über 60 Menschen mehr auf wirtschaftliche Sozialhilfe angewiesen. Ende letzten Jahres lag die Fallzahl bei 283. «Das Wachstum war enorm, nachdem wir vorher einige Jahre stabile Verhältnisse hatten», sagt Gemeinderätin Sandra Nater, die für das Ressort Soziales zuständig ist. Einen Grund für den grösseren Bedarf an Sozialhilfe, nebst der steigenden Fallzahl, sieht sie bei den Krankenkassenprämien. Diese seien für viele nicht mehr tragbar. «Zumal gleichzeitig die Prämienverbilligungen gekürzt worden sind.» Einen Einfluss haben auch die Änderungen bei den Sozialversicherungen. Zum Beispiel werden IV-Renten strenger vergeben, was zur Folge hat, dass die Betroffenen länger in der Sozialhilfe verbleiben.

Rund 45 Prozent der Sozialhilfebezüger in Herisau sind Kinder oder Erwachsene unter 25 Jahren. Viele von den jungen Erwachsenen hätten keine oder eine ungenügende Ausbildung, sagt Nater. Aus diesem Grund hat die Integration in den Arbeitsmarkt Priorität. Ob dies gelingt, hängt wesentlich von der Wirtschaftslage ab. Ein Problem sei der Verlust von Arbeitsplätzen für weniger qualifizierte Arbeitnehmende, sagt Nater. Besonders gefährdet, in die Sozialhilfe abzurutschen, sind zudem alleinerziehende Mütter und ältere, ausgesteuerte Arbeitslose.

Fremdplatzierungen belasten die Gemeindekasse

Für die Mehrkosten im Ressort Soziales gibt es noch weitere Ursachen. So hat die Kesb mehr Fremdplatzierungen verfügt. Besonders teuer wird es, wenn Jugendliche beispielsweise in Heimen wie dem Platanenhof untergebracht werden. Auch sind die Kosten pro Fall gestiegen, weil es unter den Sozialhilfebezügern mehr Einzelpersonen gibt. Die Situation im Bereich Sozialhilfe ist in Herisau laut Nater vergleichbar mit jener in der Stadt St. Gallen. Anziehend wirkten die Lage als Zentrumsgemeinde und Altbauten mit günstigen Mieten. Ein strukturelles Problem gebe es dagegen nicht, betont Nater. Der Spielraum für Sparmassnahmen ist äusserst gering. Denn Herisau muss sich an die gesetzlichen Vorgaben von Bund und Kanton halten. Kein Thema ist für Nater der Austritt aus der Skos. Sie halte es für sinnvoll, dass in allen Gemeinden die gleichen Richtlinien für die Bemessung der Sozialhilfe gelten. «Die Ansätze sind meiner Ansicht nach angemessen.»

Druck auf die Sozialhilfe nimmt stark zu

In Ausserrhoden hat sich die Zahl der Sozialhilfebezüger von 2013 bis 2015 nicht verändert. Die Zahl stagniert zwischen 1064 und 1100 unterstützten Personen, wie Marco Kuhn, Leiter Abteilung Sozialhilfe und Asyl, sagt. Die Sozialhilfequote, der Anteil unterstützter Personen an der ständigen Wohnbevölkerung, betrug 2015 exakt zwei Prozent und liegt damit tiefer als die schweizerische Quote von 3,2 Prozent. Gemäss Kuhn gehen 70 Prozent der kantonalen Sozialhilfefälle auf Einzelpersonen zurück. 17,5 Prozent der Fälle betreffen Alleinerziehende, die restlichen 12,5 Prozent Sozialhilfebezüger leben in einem Paarhaushalt.

Der Blick in die Zukunft bereitet Kuhn Sorgen. So sei in den vergangenen drei Jahren die Zahl der anerkannten und vorläufig aufgenommenen Flüchtlinge gestiegen. Deren Arbeitsmarktintegration sei eine grosse Herausforderung. «Für eine nachhaltige Integration sind wirksame und vielfältige Qualifizierungs- und Bildungsmassnahmen gefragt. Diese können nur im Verbund mit Bund, Kantonen, Gemeinden und der Wirtschaft gemeistert werden. Der Druck auf die Sozialhilfe nimmt deshalb stark zu.»

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